Riesling

Lange vor dem Skandal: 1997 Riesling Spätlese trocken, Rüdesheimer Berg Schlossberg, Schloss Schönborn

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Schloss Schönborn. Über Jahrzehnte eine Institution im alt ehrwürdigen Rheingau. Top Lagen, Mitbegründer des VDP, Weltruf. 2012 dann der Skandal. Kellermeister Peter Barth verstößt gegen das deutsche Weingesetzt. Falsche Deklaration und Mostkonzentration werden ihm nachgewiesen. Dazu kommen Weinberge in einem wohl desolaten Zustand. Weinguts-Babo Paul Graf von Schönborn verlässt den VDP, feuert Barth und baut neu auf. Mittlerweile ist der Peter Jakob Kühn Schüler Florian Franke Kellermeister und Marcel von den Benken feiert sein Comeback als Weingutsleiter. Riecht nach frischem Wind… Ich habe grade ein Wein aus den guten alten Tagen im Glas und der performt richtig. 1997 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese trocken. Schiefer und Taunusquarzit aus einer der steilsten Lagen der Gegend. Direkt aus dem Weingutskeller. Helles Gold-Gelb. Sehr ansprechende frische Nase, keinerlei Firne. Klar und strahlend. Kandierte Zitrone, Grapefruitschale, gelber Apfel und Quitte. Am Gaumen mit dieser mundwässernden, rheingautypischen Herbe, präzise und straff. Im Abgang mit einem Hauch Süße. Stört mich, gepaart mit dieser zupackenden Säure garnicht. Steht zwei Tage später noch wie eine Eins.

92/100 adlige Punkte

TW

Babymord am Schlossberg 2014

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Wer ist denn so bescheuert und trinkt jetzt 2014er Große Gewächse..? In der denkbar schlechtesten Phase. Und dann auch noch Theresa Breuer´s Schlossberg, wo selbst der 2003er noch jugendlich wirkt ! Ja Ich halt. Ich war neugierig und konnte nicht widerstehen. Schon des herrlichen Hasen-Etikett wegen. Knallhart sturzkaraffiert, ordentlich durchgeschwenkt und ab ins Glas. In der Nase...so gut wie nichts. Etwas Limette, aber diese unreifen, aus denen man keinen Tropfen Saft raus bekommt. Dazu steinharte Aprikose und Steinmehl. Am Gaumen mit mächtiger Säure und einer für mich rheingautypischen Herbe. Alles in allem komplett zugenagelt. Der Wein lässt sein immenses Potential erahnen, zeigt einem aber die kalte Schulter. Zurück in die Flasche damit.

24 Stunden später schwebt eine dezente Rauchnote über dem Wein die fast ins nussige geht. Dazu eine süßliche, rotfruchtige Note die mich sehr an dieses Himbeer Kaugummi vom Kiosk erinnert, in welchen sich in in meiner Kindheit Sticker von Wrestlern oder Comicfiguren befanden.

Wieder einen Tag später ist die Himbeer Nase noch da, das Rauchige nicht. Dafür ist das Aroma deutlich komplexer geworden. Ananas, gelber Apfel und eine feine Note von hellem Honig gesellen sich zu den dominierenden Zitrusaromen. Am Gaumen etwas saftiger, aber immer noch brutal und fordernd.

Tag 4: die Himbeeraromatik ist verschwunden. Dafür mehr Ananas und Apfel, dazu Pinkgrapefruit und kalte Asche. Alles deutlich intensiver als die Tage zuvor. Am Gaumen kreidig, mit viel Salz und immer noch einer präzisen Monster Säure, wie bei unreifen roten Johannisbeeren. 

Flasche leer.

Wir sehen uns vielleicht 2030 wieder...

94+/100

 

Sturzkaraffiert: 2006 Westhofener Kirchspiel GG, Keller

Ewige Jugend...? Gibts nicht. Aber wenn ich das hier so probiere... Kein bisschen Firn, nach 10 Jahren. Frisch und strahlend. Diesen Saft sollten sich die High Society Ladies mal statt Botox in die Falten schießen lassen. Ein Elixier. Kein bisschen Fett auf den Rippen, mit Muskeln bepackt aber nicht wie Schwarzenegger in seinen besten Jahren, sondern eher Marke Money Mayweather. Präzise trotz höheren Alters. Zitrusfrüchte aller Arten, dazu reife Ananas, gelbe Kiwi und Minze. Das ganze so salzig und ätherisch, dass die Nase läuft. Am Gaumen immer noch saftig, würzig und am Ende eine dezent herbe Bitterness, die einem die Papillen verdreht und einem beim gierigen Trinken die Augen schließen lässt...

95/100 Punkte und eine Verneigung vor KP Keller

Sturzkaraffiert: 1983 Riesling Eltviller Sonnenberg, Freiherr Langwerth von Simmern

Die Weine des alt ehrwürdigen Rheingauer Weingutes Freiherr Langwerth von Simmern kenne ich irgendwie nur gereift. Ich habe diese klassischen Rieslinge schon häufiger im Glas gehabt, aber nie jünger als 10 Jahre. Keine Ahnung warum. Wobei der Roboter sagt, dass die aktuelle Kollektion wirklich top sein soll. Sollte ich mal probieren. Aber nicht an diesem verregneten Montag Abend. Da kann mann zum Wochenstart auch mal was wagen und was wirklich altes aufziehen. Ist ja immer auch ein bisschen Lotto spielen, zumal auf dem herrlich barocken Etikett a (Welches Gott sei Dank immer noch exakt so aussieht. Ich hasse dieses Modernisieren von solchen Ikonen Etiketten) außer der Lage Sonnenberg, weder ein Prädikat, noch eine Alkohol Angabe zu lesen ist. War der Wein also mal Restsüß oder schon immer so trocken wie er sich heute zeigt? Gelagert wurde er auf jeden Fall perfekt. Die Flasche stammt aus einem tadellosen Würzburger Keller. Der Korken lässt sich wunderbar ziehen und goldgelber Riesling rinnt ins Glas. Der 33 Jährige Tropfen duftet nach Orangenschale, Bienenwachs, getrockneten Äpfeln und Aprikosen und altem, tiefem Keller. Am Gaumen feingliedrig, leicht aber trotzdem noch saftig. Von der präzisen Säure am Leben gehalten. Wieder Orange, getrocknete Kräuter und Kreide. Vergisst man nicht so schell... 

 

93/100 adelige Punkte

Sturzkaraffiert: 2011 Hunsperg Riesling GG, Drautz-Able

Württemberg. Ich habe in den letzten 6 Monaten soviel aus diesem Anbaugebiet verkostet und getrunken, wie nie zuvor. Und Württemberg kann scheinbar nicht nur Rot. Über die Chardonnay Rakete von Dautel hab ich ja schonmal berichtet. Jetzt habe ich Riesling im Glas. Drautz-Able aus Heilbronn. Ein Großes Gewächs aus der Lage Heilbronner Stiftsberg, aber das Sahnestück der Lage, dem Hunsperg. Gipskeuper gibt hier den Ton an. Jahrgang 2011, aber nix fett und alkoholisch. Straff und kräftig, Ananas, Orange, kandierte Zitrone, Pfirsichkern. Dazu aber auch ein paar frische vegi Noten nach Karotte und grünen Oliven. Dahinter brettert kalkige, griffige Säure den Gaumen lang. Der Wein ist sicher kein filigraner Pianist, sondern eher Jack White an der E-Gitarre. 

90/100 Dezibel