Chardonnay

2004 Pouilly Fuissé "Clos de Monsieur Noly", Domaine Valette

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Einen Wein der Domaine Valette habe ich zum ersten mal im Schwarzen Adler in Baden getrunken und nun bin ich süchtig. Auf Pouilly Fuisse Crack aus Chaintre hängen geblieben. Straight outta deep down Maconaise. Denn Valette ist anders. Diese Chardonnays haben außer den alten Reben und den kalkigen Böden wenig mit dem Rest des Burgunds zu tun. Der Stil ist einzigartig. Der Topwein des Hauses aus der 65 Jahre alten Parzelle Clos de Mr Noly liegt verdammte 84 Monate auf der Hefe und kommt unfiltriert und ungeschwefelt auf die Bouteille. Golden mit kupferfarbenem Einschlag fließt der Wein in die größte Karaffe die man finden kann. Dieses Monster braucht soviel Luft, das einem selber der Atem wegbleibt. Vor allem wenn man seine Nase ins Glas hält. Irre nussige Oxi Noten, Salzkaramell, Zitronat und reifer, gelber Apfel. Am Gaumen stoffig und mit einer unerwarteten, krispen Säure ausgestattet, die diesen Vielles Vignes trotz dieser fordernden Komplexität schön süffig hält. Ein Ausnahme-Wein mit dem man sich über Stunden beschäftigen kann... aber auch ein extrem variabler Speisenbegleiter. Morcheln, Rahm und Perlhuhn katapultiert den Pouilly Fuisse in meinem Fall in ungeahnte Sphären. Ich bin abhängig !

 

95/100 

California Love

Endlich hat es mal wieder geklappt. Viel zu lange ist es her, dass sich das vinophile Ruhrgebiet  wieder konsolidiert und sich durch eine gepflegte Blindprobe pflügt. Das Thema: Kalifornien. Diesmal war das Zusammenstellen der Weine nicht so einfach. Die großen Namen der Alten Schule sind ganz gut zu bekommen auf dem deutschen Markt, leider meistens sehr jung. Doch nach dem Hot Shit der kalifornischen Weinszene muss man wirklich suchen, will man nicht für mittelmäßige Tropfen einen horrenden Preis bezahlen. Zumal ich gestehen muss, dass ich im US Bereich auf wenig Verkostugserfahrung zurückgreifen kann, aber wozu hat man Berufskollegen die sich besser auskennen und gute Empfehlungen geben können. Dazu die Spürnasen von US-Import Spezis wie Martin Kössler oder Dominik Sona, die immer wieder Spannende Weine abseits der ausgetretenen Pfade der Kalifornischen Weinwelt finden... 

Für mich war das Highlight unter den Weißweinen der 2013er Chardonnay Charles Heintz von Littorai. Erinnert direkt an das Burgund, was nicht verwundert, wenn man weiß, dass Winzer Ted Lemon bei diversen namenhaften Weingütern wie Roumier oder Bruno Clair im Burgund gearbeitet hat. Jetzt bewirtschaftet er seien eigenen Weinberge in Sonoma und versucht mit Hilfe der Biodynamie das Terroir der "True Northcoast" möglich genau abzubilden. Der Wein duftet dezent nach hellem Steinobst und Zitrusfrüchten, dazu rauchige Noten. Am Gaumen straff und eher karg, mit langem rauchig, mineralischem Abgang. Sehr dicht gewoben, gut durchtrainiert aber ohne Muscle Shirt und Bauchtasche. 

94/100 

 

Sturzkaraffiert: 2014 Malterdinger Bienenberg, Chardonnay GG, Huber

Grade in Düsseldorf bei der Großen Gewächs Tour des VDP Baden und Mosel habe ich alle vorgestellten Großen Gewächse der Rebsorte Chardonnay verkostet. Zugegeben, es sind nicht viele, aber noch viel weniger richtig gute. Eigentlich nur zwei. Der mit Abstand beste Chardonnay war von Winzer Julian Huber aus dem badischen Malterdingen. Mit dem Jahrgang 2014 gibt es zum ersten mal, neben den Alten Reben und dem Schlossberg noch einen dritten Chardonnay und zwar aus dem Bienenberg. Schon die Nase zieht mich sofort in ihren Bann und erinnert an große Weine aus dem Burgund. Rauchig, präsentes, aber feines Holz, Haselnuss, reduktiv, intensiv. Man könnte meinen jetzt kommt am Gaumen ein fieser Fettsack um die Ecke, aber weit gefehlt. 12,5% Alkohol, vibrierende, saftige Säure, grüner Apfel, Quitte, unreifer Pfirsich, weißer Pfeffer. Muskeln statt Fett. Dazu spürbarer Gerbstoff, der dieses Geschoss so unverschämt trinkfreudig macht !

93/100 Harry Potter Punkte

Double Jura Action - Domaine Labet

Jura. Diese grüne Voralpen Region zwischen dem Burgund und der Schweiz hat es mir wirklich angetan. Und das nicht auf Grund des fantastischen Käse der dort hergestellt wird, den vernichte ich eh regelmäßig. Das Jura hat eine lange Rebentradition und extrem interessante autochthone Sorten wie Savagnin oder Ploussard. Ich habe aber eine weltweit sehr weit verbreitete Rebsorte im Glas, welche im Jura zu einem ganz besonderen Ausdruck gelangt: Chardonnay und zwar von der Domaine Labet. Das Weingut liegt im Süden des Jura, im so genannten Sud-Revermont und wird von den Geschwistern Julien, Charline und Romain geführt. Die drei stellten das Weingut nach der Übernahme von den Eltern auf biologischen Weinbau um und bauen ihre Weine Parzellen genau aus, um den Boden möglichst genau abzubilden.

En Billat 2014 "Le Partielles rares", also aus den Raren Parzellen auf Mergel und Schiefer Böden. Eine davon im Jahr 1893 gepflanzt ! 17 Monate im 228 L Holzfass auf der Hefe, ein sogenannter "Vin Ouille Nature" Weniger als 6 mg freier Schwefel pro Liter. "Ouille" bedeutet, dass die Fässer immer wieder beigefüllt werden, um eine starke Oxidation zu vermeiden. Oxidation "Non Ouille" Weine haben im Jura große Tradition, aus ihnen entsteht auch der weltbekannte Von Jaune. Aus dem Zalto Burgunder Glas duftet der Wein nach frisch gebackenen Brötchen, Rauch, Jod, Walnüsse, Apfelkerne, Orangenschale, etwas Nelkenblüten. Am Gaumen reife Grapefruit und Bergamotte, salzig, feinster Gerbstoff, kühl, filigran. Mit Luft immer besser und in eine dunklere Aromatik tendierend. 

Der 2013 Lias stammt aus etwas jüngeren Parzellen, hier herrscht blauer Liasmergel vor. 16 Monate verbrachte der Wein im Holz und präsentiert sich deutlich reduktiver, rauer und trüber als der Vorgänger. Sehr heftig, erinnert an Foccacia oder frisch gezapftes Bier, dazu Sternfrucht, roter Apfel, Brotkruste, Bitterlemon, Grapefruit und weißer Pfeffer. Am Gaumen grüner Apfel, straffere Säure, kantig und karg mit irrem Druck. 

En Billat 93/100

Lias 91/100