Erste Hilfe: Heerkretz 2010

5 Tage Frankfurt, 4 Tage davon morgens von Bochum hin und abends zurück, 2500 km Deutschland in Bahnaussichten. Doch am letzten Abend habe ich ein Hotelzimmer. Und eine Reservierung im Gustav. Wie ich es nenne meine Karotte die vor meiner Nase hing, und mich durch diese Woche trieb. 

Den Heerkretz hatte ich schon Tage zuvor auf der Karte entdeckt und lies mich nicht mehr los. Als Frau Scheiber meine Bestellung aufnimmt, ergänze ich diese sofort um diesen Wein. Sie fragt noch charmant nach:"Keine Weinbegleitung?". Ich verneine direkt, nicht heute. Nicht nach gefühlten endlosen Tagen voller Züge, Stellwerksstörungen, unerwartete später drückende Sommer-Hitze und Neonlicht gefluteten Messehallen. Ich brauche heute einen Wein, der mich wieder aufbaut, an dem ich mich einen Abend entlang hangeln kann.

In der Nase feinster Firn, ganz präzise und elegant, das kühle Jahr ist direkt erkennbar. Dazu frisch zerdrückter Rosmarin, aber dezent im Hintergrund. Am Gaumen: geriebene Orangenschale, Salzzitrone, ein wenig frisch angezündete Zigarette. Die Säure zieht dann rassig und kratzig am Rachen sehr dominant entlang, aus der sich ein endlos wirkender Abgang erbaut und dann nicht aufzuhören scheint. 

Auf der Nahtod Skala: 98 von 100 Licht am Ende des Tunnel Punkten.