2013 Numen Fumé Blanc von Johannes Zillinger

Wait a minute baby
Stay with me awhile
Said you'd give me light
But you never told me about the fire

Singt Stevie Nicks, während ich an einem trüben regnerischen November Tag durch Essen gurke. Holprige Straßen, holprige Städteplanung, chaotisch gehetzter Straßenverkehr, Sara auf Dauerschleife. Es sind diese ersten 30 ersten Sekunden dieses Songs die wie die ersten Sekunden von Tears For Fears Everybody Wants To Rule The World, hinten im Hirn eine Stelle kitzeln.

Eine Stelle die mich in einen Zen artigen Zustand versetzt.

Auch der erste Kontakt mit Johannes Zillinger Numen Weinen, erzeugen dieses Gefühl. Letztes Jahr im Sommer auf einer Düsseldorfer Dachterrasse. Unverhofft seinen Riesling ins Glas eingeschenkt bekommen, minutenlang in mich gesackt, mit Blick auf das Weinglas. Es sind in sich zu tiefst ruhende Weine, groß, muskulös, aber nie Ihr Kraft ausspielend. Sie balancieren am Gaumen, zwischen Sanftheit und Rauheit. Zwischen Gefallen und den Trinker fordernd.

Ich bin auf dem Weg in Essen, um einen fast vergessenen Restposten seines 2013er Numen Fumé Blanc abzuholen, von dem mir dankenswerterweise 2 Flaschen verkauft werden. Irgendwo in einem Lager im Ruhrgebiet vergessen worden, und nun für nicht mehr passend im Programm befunden.

Abends als das Kind schläft, öffne ich die erste Flasche, wohlwissend sie heute nur zur Hälfte zu leeren. Die Frucht schmeckend nach mürben Apfel, viel Stein und Pfeffer. Noch etwas holprig, aber mit ein wenig Luft, entfaltet sich dieses abendfüllende großes Theater. Seine wahre Größe zeigt sich erst am zweiten Tag, denn da verstehe ich dieses Frucht, die am Vortag noch etwas zu viel da war. Sie hält diesen Wein zusammen, sie ist das bindende Element zwischen Stein, der Würze und Länge. Nie zu viel, nie erschlagend, eigentlich sehr leise. Aber wie ein roter Faden zieht sie sich Elegant vom ersten Schluck bis tief in den Rachen herunter.

Und hinten, diese kleine Stelle im Gehirn, sie hat einen ganzen Abend gekitzelt.

Drowning in the sea of love
Where everyone would love to drown


98 / 100 auf der Neurologen Skala.