Sturzkaraffiert: 1987 Chateau Durcu-Beaucaillou

 

Jedes mal wenn ich dieses Etikett sehe, dieses Kunstwerk in Orange und Gold und sei es nur von weiten, zucke ich vor Aufregung zusammen. Denn dieses Chateau und ich haben eine…sagen wir besondere Beziehung, einen Background. Vor vielen Jahren, noch am Anfang meiner Kochlehre, gab es einen runden Geburtstag meines Bosses zu feiern. Ein Freund schenkte ihm für diesen Abend einen renommierten Sommelier, welcher damals im Rheingau tätig war. Der Küchenchef steuerte ein korrespondierendes Menü bei und brauchte Hilfe beim kochen. Also stand ich an meinem freien Tag in der Restaurant Küche und durfte zur Belohnung mit an der Tafel sitzen, essen und vor allem trinken. Es gab viele reife Rieslinge aus dem Rheingau, die ich zwar kaum wertschätzen oder einordnen konnte, aber mir schmeckte alles. Dann zum Hauptgang, einer Walisischen Lammkeule mit gefüllten Baby Patisson, geschah es. Der Vorhang zur Weinwelt wurde mit einem Schluck aufgezogen. 1961 Ducru-Beaucaillou. Peng. Der Sommelier erzählte was von Asche, Blut und Eisen und ich fand alles wie in Trance wieder, konnte diesen alten Bordeaux zwar nicht wirklich verstehen, doch selbst ich als Weingreenhorn verstand die Perfektion, die sich in diesem Glas Rotwein verbarg. 

Letzten Montag zuckte ich dann wieder. Grillen und Blindprobe Thema Frankreich mit den Jungs. Zum Onglet dann Bordeaux, alt, mind 20 Jahre, auf jeden Fall linkes Ufer, viel Cabernet. Tabak, Graphit, Eisen, geröstete grüne und rote Paprika, wenig Frucht aber viel Frische. Nicht groß aber saugut. Ich überlege, schließe Margaux aus. Traue mich aber nicht weiter. Dann kommt das eckige Chateau auf orangenem Grund zum Vorschein…

 

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