Stéphane Cossais - Le Volagré 2008

Es sind die unverhofften Weine... 
Die bei gemeinsamen Abenden auf dem Tisch stehen, und in diesem Fall Peter Jakob zum essen mitbrachte. Und bei der ersten Nase im Glas und dem ersten Schluck am Gaumen, an dieser einen Stelle im Nacken für Gänsehaut sorgen. Weine die dich im ersten Moment wissen lassen, das sie anders sind, das sie mein geglaubtes Verständnis von Weinen einer Rebsorte, Herkunft und Machart wieder verändern, begeistern und erweitern. 

Stéphane Cossais kam aus keiner Winzerfamilie, und begann nach seinem Marketing und Kommunikationswissenschaft Studium 1993, sich für Wein zu interessieren. 1999 wird er als erster Praktikant bei Clos Rougeard überhaupt aufgenommen. Mit dem festen Ziel vor Augen Weine wie die Foucault Brüder zu machen. Er entdeckte dabei die Weine aus Brézé und war sofort fasziniert von Chenin Blanc. 2001 pachtete er in Montlouis 2,4 Hektar die ausschließlich mit Chenin Blanc bepflanzt sind und stellte Sie auf ökologischen Anbau direkt um. Gleich sein erster Jahrgang ist einer absolute Katastrophe. Mit einem Ertrag von 12 hl pro Hektar. Auch die weiteren Jahrgänge sind geprägt von Wetterkatastrophen, schlechtem Equipment und Streitigkeiten mit dem Verpächter Christian Martin. Das alles in Kombination mit den nur wenigen Hektar lassen Ihn fast resignieren. Auch weil es finanziell langsam eng für Ihn wurde. Zwischenzeitlich bewirtschaftete er zusätzlich Land, das mit Gamay bepflanzt war, um die Erträge zu erhöhen. Nur durch ein Subskriptions Modell nahm er genug Kapital ein um weiterzumachen. Nach nur acht Jahrgängen stirbt Stéphane Cossais im Sommer 2009 an einem Herzinfarkt. 

Der Le Volagré 2008 wurde im November 2011 von Frantz Saumon gefüllt. 

Als ich an diesem Abend das erste Glas in der Hand halte, weiß ich noch nichts über Stéphane Cossais und seiner Geschichte. Die Nase geprägt von sehr dichten und feingliedrigen Aromen nach gelben Früchten. Am Gaumen stoffig, dabei über allem fast schwerelos. Im Gegensatz zu anderen Chenins herrschst hier absolute fast minimalistische Eleganz im Mund. Keine Aromen die kantig ausschlagen oder dominieren. Umrundet mit dieser fast elektrisch aufgeladenen Säure, die dann in einen unendlichen Abgang wandelt. Ein burgundischer Chenin Blanc. Auch wenn diese Vergleiche oft hinken, es war das erste was mir einfiel. Und man kann nur erahnen welche immenses Talent in Cossais noch steckte, und zu welchen Weinen er noch fähig gewesen wäre. So bleibt nur noch sein Vermächtnis in den Flaschen, die mittlerweile spärlich verfügbar sind. 

Es sind diese unverhofften Weine...
Die in großen Runden an guten Abenden getrunken werden sollen.