2004 Pouilly Fuissé "Clos de Monsieur Noly", Domaine Valette

IMG_4890.JPG

Einen Wein der Domaine Valette habe ich zum ersten mal im Schwarzen Adler in Baden getrunken und nun bin ich süchtig. Auf Pouilly Fuisse Crack aus Chaintre hängen geblieben. Straight outta deep down Maconaise. Denn Valette ist anders. Diese Chardonnays haben außer den alten Reben und den kalkigen Böden wenig mit dem Rest des Burgunds zu tun. Der Stil ist einzigartig. Der Topwein des Hauses aus der 65 Jahre alten Parzelle Clos de Mr Noly liegt verdammte 84 Monate auf der Hefe und kommt unfiltriert und ungeschwefelt auf die Bouteille. Golden mit kupferfarbenem Einschlag fließt der Wein in die größte Karaffe die man finden kann. Dieses Monster braucht soviel Luft, das einem selber der Atem wegbleibt. Vor allem wenn man seine Nase ins Glas hält. Irre nussige Oxi Noten, Salzkaramell, Zitronat und reifer, gelber Apfel. Am Gaumen stoffig und mit einer unerwarteten, krispen Säure ausgestattet, die diesen Vielles Vignes trotz dieser fordernden Komplexität schön süffig hält. Ein Ausnahme-Wein mit dem man sich über Stunden beschäftigen kann... aber auch ein extrem variabler Speisenbegleiter. Morcheln, Rahm und Perlhuhn katapultiert den Pouilly Fuisse in meinem Fall in ungeahnte Sphären. Ich bin abhängig !

 

95/100 

2010 Morgon, Cote du Py, Domaine de la Bonne Tonne

Der leichte Rote hat es schwer. Viele Gäste wollen zwar spritzige, leichte Weißweine trinken, doch wenn es zum um Rotwein geht werden am liebsten fette Alkohol-Bomben geordert. Dunkel und kräftig muss es sein, sonst taugt es nicht. Warum ist das so ? Mich machen solche Weine oft müde und satt. Leicht und säurebetont heisst doch nicht gleich langweilig oder einfach. Ich trinke grade  Beaujolais. Großes Burgunderglas, 13 Grad. Und nix Primeur-Himbeerbonbon Plörre. Feinster Cru aus Morgon von einer der besten Lagen des Beaujolais, der Cote du Py. Gekeltert von Marcel Grillet von der 7ha Domaine de la Bonne Tonne. Biodyn, keine Filtration und mit dezenter Reife. Duftet nach dunkeln Kirschen, Wacholder, frisch umgegrabene Erde und Veilchen. Am Gaumen saftig, mit rundem, animierendem Tannin, dicht gewoben, mit schöner Tabak Würze. Das ist wirklich seriöser Gamay mit Niagara Trinkfluss. Da kann man schon Mittags ein Gläschen wagen. Und wenn man davon mal ein paar Flaschen im Keller vergisst, muss man sich wohl keine auch Sorgen machen...

91/100 erfrischende Punkte

Babymord am Schlossberg 2014

IMG_4735.JPG

Wer ist denn so bescheuert und trinkt jetzt 2014er Große Gewächse..? In der denkbar schlechtesten Phase. Und dann auch noch Theresa Breuer´s Schlossberg, wo selbst der 2003er noch jugendlich wirkt ! Ja Ich halt. Ich war neugierig und konnte nicht widerstehen. Schon des herrlichen Hasen-Etikett wegen. Knallhart sturzkaraffiert, ordentlich durchgeschwenkt und ab ins Glas. In der Nase...so gut wie nichts. Etwas Limette, aber diese unreifen, aus denen man keinen Tropfen Saft raus bekommt. Dazu steinharte Aprikose und Steinmehl. Am Gaumen mit mächtiger Säure und einer für mich rheingautypischen Herbe. Alles in allem komplett zugenagelt. Der Wein lässt sein immenses Potential erahnen, zeigt einem aber die kalte Schulter. Zurück in die Flasche damit.

24 Stunden später schwebt eine dezente Rauchnote über dem Wein die fast ins nussige geht. Dazu eine süßliche, rotfruchtige Note die mich sehr an dieses Himbeer Kaugummi vom Kiosk erinnert, in welchen sich in in meiner Kindheit Sticker von Wrestlern oder Comicfiguren befanden.

Wieder einen Tag später ist die Himbeer Nase noch da, das Rauchige nicht. Dafür ist das Aroma deutlich komplexer geworden. Ananas, gelber Apfel und eine feine Note von hellem Honig gesellen sich zu den dominierenden Zitrusaromen. Am Gaumen etwas saftiger, aber immer noch brutal und fordernd.

Tag 4: die Himbeeraromatik ist verschwunden. Dafür mehr Ananas und Apfel, dazu Pinkgrapefruit und kalte Asche. Alles deutlich intensiver als die Tage zuvor. Am Gaumen kreidig, mit viel Salz und immer noch einer präzisen Monster Säure, wie bei unreifen roten Johannisbeeren. 

Flasche leer.

Wir sehen uns vielleicht 2030 wieder...

94+/100

 

California Love

Endlich hat es mal wieder geklappt. Viel zu lange ist es her, dass sich das vinophile Ruhrgebiet  wieder konsolidiert und sich durch eine gepflegte Blindprobe pflügt. Das Thema: Kalifornien. Diesmal war das Zusammenstellen der Weine nicht so einfach. Die großen Namen der Alten Schule sind ganz gut zu bekommen auf dem deutschen Markt, leider meistens sehr jung. Doch nach dem Hot Shit der kalifornischen Weinszene muss man wirklich suchen, will man nicht für mittelmäßige Tropfen einen horrenden Preis bezahlen. Zumal ich gestehen muss, dass ich im US Bereich auf wenig Verkostugserfahrung zurückgreifen kann, aber wozu hat man Berufskollegen die sich besser auskennen und gute Empfehlungen geben können. Dazu die Spürnasen von US-Import Spezis wie Martin Kössler oder Dominik Sona, die immer wieder Spannende Weine abseits der ausgetretenen Pfade der Kalifornischen Weinwelt finden... 

Für mich war das Highlight unter den Weißweinen der 2013er Chardonnay Charles Heintz von Littorai. Erinnert direkt an das Burgund, was nicht verwundert, wenn man weiß, dass Winzer Ted Lemon bei diversen namenhaften Weingütern wie Roumier oder Bruno Clair im Burgund gearbeitet hat. Jetzt bewirtschaftet er seien eigenen Weinberge in Sonoma und versucht mit Hilfe der Biodynamie das Terroir der "True Northcoast" möglich genau abzubilden. Der Wein duftet dezent nach hellem Steinobst und Zitrusfrüchten, dazu rauchige Noten. Am Gaumen straff und eher karg, mit langem rauchig, mineralischem Abgang. Sehr dicht gewoben, gut durchtrainiert aber ohne Muscle Shirt und Bauchtasche. 

94/100 

 

Sturzkaraffiert: 2014 Malterdinger Bienenberg, Chardonnay GG, Huber

Grade in Düsseldorf bei der Großen Gewächs Tour des VDP Baden und Mosel habe ich alle vorgestellten Großen Gewächse der Rebsorte Chardonnay verkostet. Zugegeben, es sind nicht viele, aber noch viel weniger richtig gute. Eigentlich nur zwei. Der mit Abstand beste Chardonnay war von Winzer Julian Huber aus dem badischen Malterdingen. Mit dem Jahrgang 2014 gibt es zum ersten mal, neben den Alten Reben und dem Schlossberg noch einen dritten Chardonnay und zwar aus dem Bienenberg. Schon die Nase zieht mich sofort in ihren Bann und erinnert an große Weine aus dem Burgund. Rauchig, präsentes, aber feines Holz, Haselnuss, reduktiv, intensiv. Man könnte meinen jetzt kommt am Gaumen ein fieser Fettsack um die Ecke, aber weit gefehlt. 12,5% Alkohol, vibrierende, saftige Säure, grüner Apfel, Quitte, unreifer Pfirsich, weißer Pfeffer. Muskeln statt Fett. Dazu spürbarer Gerbstoff, der dieses Geschoss so unverschämt trinkfreudig macht !

93/100 Harry Potter Punkte

Double Jura Action - Domaine Labet

Jura. Diese grüne Voralpen Region zwischen dem Burgund und der Schweiz hat es mir wirklich angetan. Und das nicht auf Grund des fantastischen Käse der dort hergestellt wird, den vernichte ich eh regelmäßig. Das Jura hat eine lange Rebentradition und extrem interessante autochthone Sorten wie Savagnin oder Ploussard. Ich habe aber eine weltweit sehr weit verbreitete Rebsorte im Glas, welche im Jura zu einem ganz besonderen Ausdruck gelangt: Chardonnay und zwar von der Domaine Labet. Das Weingut liegt im Süden des Jura, im so genannten Sud-Revermont und wird von den Geschwistern Julien, Charline und Romain geführt. Die drei stellten das Weingut nach der Übernahme von den Eltern auf biologischen Weinbau um und bauen ihre Weine Parzellen genau aus, um den Boden möglichst genau abzubilden.

En Billat 2014 "Le Partielles rares", also aus den Raren Parzellen auf Mergel und Schiefer Böden. Eine davon im Jahr 1893 gepflanzt ! 17 Monate im 228 L Holzfass auf der Hefe, ein sogenannter "Vin Ouille Nature" Weniger als 6 mg freier Schwefel pro Liter. "Ouille" bedeutet, dass die Fässer immer wieder beigefüllt werden, um eine starke Oxidation zu vermeiden. Oxidation "Non Ouille" Weine haben im Jura große Tradition, aus ihnen entsteht auch der weltbekannte Von Jaune. Aus dem Zalto Burgunder Glas duftet der Wein nach frisch gebackenen Brötchen, Rauch, Jod, Walnüsse, Apfelkerne, Orangenschale, etwas Nelkenblüten. Am Gaumen reife Grapefruit und Bergamotte, salzig, feinster Gerbstoff, kühl, filigran. Mit Luft immer besser und in eine dunklere Aromatik tendierend. 

Der 2013 Lias stammt aus etwas jüngeren Parzellen, hier herrscht blauer Liasmergel vor. 16 Monate verbrachte der Wein im Holz und präsentiert sich deutlich reduktiver, rauer und trüber als der Vorgänger. Sehr heftig, erinnert an Foccacia oder frisch gezapftes Bier, dazu Sternfrucht, roter Apfel, Brotkruste, Bitterlemon, Grapefruit und weißer Pfeffer. Am Gaumen grüner Apfel, straffere Säure, kantig und karg mit irrem Druck. 

En Billat 93/100

Lias 91/100

 

Stéphane Cossais - Le Volagré 2008

Es sind die unverhofften Weine... 
Die bei gemeinsamen Abenden auf dem Tisch stehen, und in diesem Fall Peter Jakob zum essen mitbrachte. Und bei der ersten Nase im Glas und dem ersten Schluck am Gaumen, an dieser einen Stelle im Nacken für Gänsehaut sorgen. Weine die dich im ersten Moment wissen lassen, das sie anders sind, das sie mein geglaubtes Verständnis von Weinen einer Rebsorte, Herkunft und Machart wieder verändern, begeistern und erweitern. 

Stéphane Cossais kam aus keiner Winzerfamilie, und begann nach seinem Marketing und Kommunikationswissenschaft Studium 1993, sich für Wein zu interessieren. 1999 wird er als erster Praktikant bei Clos Rougeard überhaupt aufgenommen. Mit dem festen Ziel vor Augen Weine wie die Foucault Brüder zu machen. Er entdeckte dabei die Weine aus Brézé und war sofort fasziniert von Chenin Blanc. 2001 pachtete er in Montlouis 2,4 Hektar die ausschließlich mit Chenin Blanc bepflanzt sind und stellte Sie auf ökologischen Anbau direkt um. Gleich sein erster Jahrgang ist einer absolute Katastrophe. Mit einem Ertrag von 12 hl pro Hektar. Auch die weiteren Jahrgänge sind geprägt von Wetterkatastrophen, schlechtem Equipment und Streitigkeiten mit dem Verpächter Christian Martin. Das alles in Kombination mit den nur wenigen Hektar lassen Ihn fast resignieren. Auch weil es finanziell langsam eng für Ihn wurde. Zwischenzeitlich bewirtschaftete er zusätzlich Land, das mit Gamay bepflanzt war, um die Erträge zu erhöhen. Nur durch ein Subskriptions Modell nahm er genug Kapital ein um weiterzumachen. Nach nur acht Jahrgängen stirbt Stéphane Cossais im Sommer 2009 an einem Herzinfarkt. 

Der Le Volagré 2008 wurde im November 2011 von Frantz Saumon gefüllt. 

Als ich an diesem Abend das erste Glas in der Hand halte, weiß ich noch nichts über Stéphane Cossais und seiner Geschichte. Die Nase geprägt von sehr dichten und feingliedrigen Aromen nach gelben Früchten. Am Gaumen stoffig, dabei über allem fast schwerelos. Im Gegensatz zu anderen Chenins herrschst hier absolute fast minimalistische Eleganz im Mund. Keine Aromen die kantig ausschlagen oder dominieren. Umrundet mit dieser fast elektrisch aufgeladenen Säure, die dann in einen unendlichen Abgang wandelt. Ein burgundischer Chenin Blanc. Auch wenn diese Vergleiche oft hinken, es war das erste was mir einfiel. Und man kann nur erahnen welche immenses Talent in Cossais noch steckte, und zu welchen Weinen er noch fähig gewesen wäre. So bleibt nur noch sein Vermächtnis in den Flaschen, die mittlerweile spärlich verfügbar sind. 

Es sind diese unverhofften Weine...
Die in großen Runden an guten Abenden getrunken werden sollen. 

Zurück in die Vergangenheit.

Zeit insbesondere eine lange Zeit die vergangen ist, seitdem ein Wein in Flaschen gefüllt wurde. Löst in meinem nicht Wein affinen Umfeld immer große Augen aus. Von „Das kann man noch trinken?“, Erstarrung vor Ehrfurcht, bis hin zur persönlichen Zeitkapsel sind das die drei gängigsten Reaktionen. Wenn man sich einige Jahre mit Wein beschäftigt, wird beim trinken meist nur noch rational und sensorisch beurteilt.

Doch während wir im Krug in Hattenheim sitzen, und den ersten Schluck trinken. Kehrt dieser Funken Magie zurück, der erste zu sein, der nach einer so langen Zeit diese Flasche nun öffnet. Das Werk von jemanden zu trinken, der vor 40 Jahren diesen Jahrgang bis zur Flasche begleitete.

Eine Nase voll kandierter gelber Zitrusfrüchte, ein wenig Blütenhonig. Am Gaumen sehr balsamisch, frischer Tabak. Schwarzer Pfeffer, und ein Hauch Teer. Eine leise aber dennoch sehr elegant präsente Säure. Für sein Alter wunderbar gereift und noch sehr gut strukturiert. 

Ich habe am nächsten Morgen behutsam das Etikett der Flasche entfernt, und zwischen zwei Buchseiten gelegt. Ich werde es rahmen und aufhängen. Als kleine Erinnerung niemals ganz die Emotion mehr zu verlieren. 

Auf der Doc Brown Skala 99 von 100 Punkten.

Erste Hilfe: Heerkretz 2010

5 Tage Frankfurt, 4 Tage davon morgens von Bochum hin und abends zurück, 2500 km Deutschland in Bahnaussichten. Doch am letzten Abend habe ich ein Hotelzimmer. Und eine Reservierung im Gustav. Wie ich es nenne meine Karotte die vor meiner Nase hing, und mich durch diese Woche trieb. 

Den Heerkretz hatte ich schon Tage zuvor auf der Karte entdeckt und lies mich nicht mehr los. Als Frau Scheiber meine Bestellung aufnimmt, ergänze ich diese sofort um diesen Wein. Sie fragt noch charmant nach:"Keine Weinbegleitung?". Ich verneine direkt, nicht heute. Nicht nach gefühlten endlosen Tagen voller Züge, Stellwerksstörungen, unerwartete später drückende Sommer-Hitze und Neonlicht gefluteten Messehallen. Ich brauche heute einen Wein, der mich wieder aufbaut, an dem ich mich einen Abend entlang hangeln kann.

In der Nase feinster Firn, ganz präzise und elegant, das kühle Jahr ist direkt erkennbar. Dazu frisch zerdrückter Rosmarin, aber dezent im Hintergrund. Am Gaumen: geriebene Orangenschale, Salzzitrone, ein wenig frisch angezündete Zigarette. Die Säure zieht dann rassig und kratzig am Rachen sehr dominant entlang, aus der sich ein endlos wirkender Abgang erbaut und dann nicht aufzuhören scheint. 

Auf der Nahtod Skala: 98 von 100 Licht am Ende des Tunnel Punkten.

1997 Côte Rôtie, Domaine Jamet

Am Wochenende war ich in Berlin, um mich mit einigen netten Sommelier Kollegen aus ganz Deutschland zur einer kleinen "bring your best bottle" Session zu treffen. Es wurde gefachsimpelt, diskutiert, gestritten und geschwärmt, über die vielen weltklasse Flaschen die an diesem Abend aufgezogen wurden. Eine aber stach für mich heraus. Ein Syrah von der Nord Rhône, wie er traditioneller und legendärer kaum sein könnte. Côte Rôtie von der kleinen Domaine Jamet. Steile Hänge, alte Reben, wenig Eingriff im Keller...und das richtige Alter, mehr braucht ein ganz großer Wein manchmal nicht. 

Der 1997er duftet so unverschämt herzhaft. Das Wasser läuft einem im Mund zusammen. Speck, trocken abgehangenes, gegrilltes Beef, schwarze Oliven, Rosmarin, Leder... dazu Graphit und Brombeere. Tannine und Säure ringen um die besten Plätze auf der Zunge. Am Gaumen so dicht, vielschichtig und intensiv, dass man beim Trinken ungläubig den Kopf schüttelt... Groß !

96/100 geröstete Punkte

 

Sturzkaraffiert: Larmandier-Bernier Les Chemins d'Avize

Mit dem Haus Larmandier-Bernier verbinde ich eine Tür-Öffner Erinnerung. Vor ein paar Jahren als ich anfing, nennen wir es mal für die Schwelle hinter der Wein Supermarkt Tür zu interessieren. Bestand meine Welt der Champagne aus Moët & Chandon und Veuve Clicquot. Hart, sauer und in meinem Verständnis nicht besser als der übliche deutsche Sekt den ich bis dato kannte. Bis ich irgendein Weihnachten in der örtlichen Weinhandlung über eine Flasche Blanc de Blancs heute der Longitude stolperte. Das war grazil, puristisch, schlank und fürchterlich elegant. Das war anders als das was ich bisher kannte. 

Nach etlichen Flaschen und Jahren später, war das vor ein paar Wochen mein erster Les Chemins d'Avize. Er wirkt stilistisch deutlich anders fast Fett, deutlich üppiger an Nase und Gaumen, mit unreifer Banane, Himbeeren, warmes Brioche. Sehr dicht unheimlich dicht. Unerwartet für dieses Haus. Aber im Abgang dann genau diese glassklare minimalistische Stilistik die ich bei Larmandier-Bernier so liebe. Vorne eine breite Fülle und Hinten absolute Kargheit und eine fantastisches Spiel der Säure. Ein meisterhafter Tanz zwischen zwei Welten...

Auf der Entdecker hinter dem Horizont Skala 95 von 100

Sturzkaraffiert: 2006 Westhofener Kirchspiel GG, Keller

Ewige Jugend...? Gibts nicht. Aber wenn ich das hier so probiere... Kein bisschen Firn, nach 10 Jahren. Frisch und strahlend. Diesen Saft sollten sich die High Society Ladies mal statt Botox in die Falten schießen lassen. Ein Elixier. Kein bisschen Fett auf den Rippen, mit Muskeln bepackt aber nicht wie Schwarzenegger in seinen besten Jahren, sondern eher Marke Money Mayweather. Präzise trotz höheren Alters. Zitrusfrüchte aller Arten, dazu reife Ananas, gelbe Kiwi und Minze. Das ganze so salzig und ätherisch, dass die Nase läuft. Am Gaumen immer noch saftig, würzig und am Ende eine dezent herbe Bitterness, die einem die Papillen verdreht und einem beim gierigen Trinken die Augen schließen lässt...

95/100 Punkte und eine Verneigung vor KP Keller

Sturzkaraffiert: 1987 Chateau Durcu-Beaucaillou

 

Jedes mal wenn ich dieses Etikett sehe, dieses Kunstwerk in Orange und Gold und sei es nur von weiten, zucke ich vor Aufregung zusammen. Denn dieses Chateau und ich haben eine…sagen wir besondere Beziehung, einen Background. Vor vielen Jahren, noch am Anfang meiner Kochlehre, gab es einen runden Geburtstag meines Bosses zu feiern. Ein Freund schenkte ihm für diesen Abend einen renommierten Sommelier, welcher damals im Rheingau tätig war. Der Küchenchef steuerte ein korrespondierendes Menü bei und brauchte Hilfe beim kochen. Also stand ich an meinem freien Tag in der Restaurant Küche und durfte zur Belohnung mit an der Tafel sitzen, essen und vor allem trinken. Es gab viele reife Rieslinge aus dem Rheingau, die ich zwar kaum wertschätzen oder einordnen konnte, aber mir schmeckte alles. Dann zum Hauptgang, einer Walisischen Lammkeule mit gefüllten Baby Patisson, geschah es. Der Vorhang zur Weinwelt wurde mit einem Schluck aufgezogen. 1961 Ducru-Beaucaillou. Peng. Der Sommelier erzählte was von Asche, Blut und Eisen und ich fand alles wie in Trance wieder, konnte diesen alten Bordeaux zwar nicht wirklich verstehen, doch selbst ich als Weingreenhorn verstand die Perfektion, die sich in diesem Glas Rotwein verbarg. 

Letzten Montag zuckte ich dann wieder. Grillen und Blindprobe Thema Frankreich mit den Jungs. Zum Onglet dann Bordeaux, alt, mind 20 Jahre, auf jeden Fall linkes Ufer, viel Cabernet. Tabak, Graphit, Eisen, geröstete grüne und rote Paprika, wenig Frucht aber viel Frische. Nicht groß aber saugut. Ich überlege, schließe Margaux aus. Traue mich aber nicht weiter. Dann kommt das eckige Chateau auf orangenem Grund zum Vorschein…

 

94/100 cheesy Points

Das fantastische vier!

image.jpg

Ein fast geplanter Zufall für diesen Abend. Der äußerst quirlige und agile dabei aber sehr konsequent geradlinige Charles Dufour, fasziniert stets mit seinen dynamischen und wilden Weinen.  Eine Kollektion die nie wirklich einem Stil zuzuordnen ist, außer das alles anders ist und dauernd in Bewegung. Und jeder Wein für sich wenden, drehen und changieren sehr faszinierend im Glas. Manches wirkt noch mehr in der Phase des Experimentierens, anderes wiederum schon nahe an der Vollendung.

Unreife Mandel, sehr dunkel getoastetes Brot, Thymian und unendlich viel Spaß. 

Auf der Transformer Skala 94 von 100

Jippi ya yeah Häsje!

image.jpg

Achtung es folgte eine missratene und schlechte Überschrift.

2003! Das ist 2003! Ein Sommer so heiß, und  ich in meiner ersten eigenen Wohnung mit Westseite ohne Jalousien. So heiß das ich nachts auf dem Baugerüst vor meinem Fenster, im dritten Stock geschlafen habe.

Beide Weine eine Lektion das es kein schwarz und kein weiß bei Jahrgängen gibt. Es gibt viele Zwischentöne und diese beiden sind strahlend weiß. Kurz nach dem öffnen schoss noch ein Schwall Petrol heraus, das einem Bange wurde. Dieser legt sich nach kürzester Zeit und absolute Reinheit kommt zum Vorschein.

Der Jippi eine Tick fokussierter als der Häsje der eine Spur zu viel Akazienhonig auf den Hüften trägt und damit etwas fetter wirkt. Beide noch mit lebhafter Säure, dessen Weg noch lange nicht zuende ist. Eine Säure frisch wie Ahoi Brause mit der Zunge aus der Tüte schlecken. 

Beide belebend, anregend zum nächsten Schluck. 2016 auch eine Erinnerung, an einen richtigen Sonmer wie das erste Maracuja Split...

Auf der Like Ice in the Sunshine Skala 93/100

Sturzkaraffiert: 1983 Riesling Eltviller Sonnenberg, Freiherr Langwerth von Simmern

Die Weine des alt ehrwürdigen Rheingauer Weingutes Freiherr Langwerth von Simmern kenne ich irgendwie nur gereift. Ich habe diese klassischen Rieslinge schon häufiger im Glas gehabt, aber nie jünger als 10 Jahre. Keine Ahnung warum. Wobei der Roboter sagt, dass die aktuelle Kollektion wirklich top sein soll. Sollte ich mal probieren. Aber nicht an diesem verregneten Montag Abend. Da kann mann zum Wochenstart auch mal was wagen und was wirklich altes aufziehen. Ist ja immer auch ein bisschen Lotto spielen, zumal auf dem herrlich barocken Etikett a (Welches Gott sei Dank immer noch exakt so aussieht. Ich hasse dieses Modernisieren von solchen Ikonen Etiketten) außer der Lage Sonnenberg, weder ein Prädikat, noch eine Alkohol Angabe zu lesen ist. War der Wein also mal Restsüß oder schon immer so trocken wie er sich heute zeigt? Gelagert wurde er auf jeden Fall perfekt. Die Flasche stammt aus einem tadellosen Würzburger Keller. Der Korken lässt sich wunderbar ziehen und goldgelber Riesling rinnt ins Glas. Der 33 Jährige Tropfen duftet nach Orangenschale, Bienenwachs, getrockneten Äpfeln und Aprikosen und altem, tiefem Keller. Am Gaumen feingliedrig, leicht aber trotzdem noch saftig. Von der präzisen Säure am Leben gehalten. Wieder Orange, getrocknete Kräuter und Kreide. Vergisst man nicht so schell... 

 

93/100 adelige Punkte

Sturzkaraffiert: 2011 Hunsperg Riesling GG, Drautz-Able

Württemberg. Ich habe in den letzten 6 Monaten soviel aus diesem Anbaugebiet verkostet und getrunken, wie nie zuvor. Und Württemberg kann scheinbar nicht nur Rot. Über die Chardonnay Rakete von Dautel hab ich ja schonmal berichtet. Jetzt habe ich Riesling im Glas. Drautz-Able aus Heilbronn. Ein Großes Gewächs aus der Lage Heilbronner Stiftsberg, aber das Sahnestück der Lage, dem Hunsperg. Gipskeuper gibt hier den Ton an. Jahrgang 2011, aber nix fett und alkoholisch. Straff und kräftig, Ananas, Orange, kandierte Zitrone, Pfirsichkern. Dazu aber auch ein paar frische vegi Noten nach Karotte und grünen Oliven. Dahinter brettert kalkige, griffige Säure den Gaumen lang. Der Wein ist sicher kein filigraner Pianist, sondern eher Jack White an der E-Gitarre. 

90/100 Dezibel

 

Sturzkaraffiert: 2014 ERDELUFTGRASUNDREBEN GV - Claus Preisinger

2.jpg

Während sich so mancher beim durchstoßen der Wachskapsel, an das brechen seiner Portion MDMA in einem anderen Leben erinnert. Ist dieser Wein das krasse Gegenteil von Drogenlabor Chemie. Biodynamisch, 14 Tage auf der Maische, unfiltriert und kein Gramm Schwefel.

Ich gebe Ihm drei Tage Zeit:

Tag 1:
Weißer Pfeffer, Omas staubige Truhe auf dem Dachboden. Möhren frisch vom Feld. Unreife Sauerkirsche. Er wirkt ein wenig plump, und hat diese Traubenzucker Note ich bei vielen Vin Naturel schmecke.

Tag 2:
Mürber Apfel, unreife Pflaume, ein wenig Balsamico. Kein Stück mehr plump. Lang und wie lang. Ich muß mich zügeln die Flasche nicht komplett zu leeren.

Tag 3:
Dörobst, Honig, kalter Kneipenrauch. Die Sauerkirsche taucht wieder auf und ein wenig Kamille. Alles in allem so wunderbar verwoben, das ich in meiner Hirnrinde ein kribbeln spüre vor Aufregung. 

Auf der drei Tage wach Skala 93 von 100 Punkten.

Anbei der passende Soundtrack zum Wein.

Sturzkaraffiert: 2015 Brutal Orange Matassa

Meine Schwiegermutter hat immer gesagt wenn Sie Hemden kaufte:„Es muss was beklopptes dran sein“ Sprich ein grundsolides seriöses Kleidungsstück, mit einem ungewöhnlichem Detail. Nun man kann streiten, was grundseriös an einem Orange Wein ist. Aber dieser ist nicht nur ein reines Nasenpornokino, und das finde ich an Orange Weinen gut, wenn sie eine trinkfreudigkeit mitbringen. 

Tonka, Mandarine. Kalter schwarzer Tee im Abgang, der sehr fein nachzieht. Kein easy drinking, aber auch nicht zu verkopft. Und so brutal ist dieser Orange nicht wie er sagt, er möchte nur in die Hand genommen und dann getrunken werden. In großen Schlucken.

Auf der Agent Orange Skala: 90 von 100

Sturzkaraffiert: 2014 Tannenberg, Sauvignon Blanc, Manincor

Sauvignon Blanc und Ich sind nicht wirklich Freunde. Klar an der Loire oder in der Steiermark gibt es Weltklasse Weine aus dieser aromatischen Rebsorte. Doch vieles nervt mich einfach. Zu laut, zu üppig, anstrengend, egal ob aus Übersee oder Europa. Doch dieser Vertreter, den ich grade auf meinem Balkon genau so genieße, wie die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings ist anders. Ein ruhiger Wein, zart  und zurückhaltend in seiner Aromatik, er flüstert eher Sauvignon Blanc und schreit dir nicht seine Rebsorte ins Gesicht, während er dir Heu und eine Dose Cocktail Früchte in die Nase stopft. Im Gegenteil: Klare, dezente Noten von Grapefruit, Stachelbeere und Brennnessel. Am Gaumen kühl, mit saftiger Säure und kräuterigem Abgang. Und was wäre eine Beschreibung eines Süd Tiroler Weins, ohne die abgedroschene alpine Frische, die ist natürlich auch am Start. 

Süd Tirol und Ich sind übrigens Freunde. Das Qualitätsniveau ist extrem hoch, der Griff ins Klo selten. Das Anbaugebiet ist für Weißweine meiner Meinung nach das Beste Italiens und Manincor zählt sicher zur Spitze.

91/100

image.jpg