Riesling

Wein Roadtrip Tag 2: Von Oestrich-Winkel nach Flöhrsheim-Dalsheim. Biodynamie, Sekt und Prince George.

Morgens geht es mit leichtem Hangover, aber bei strahlendem Sonnenschein von Winnigen aus los Richtung Rheingau, genauer gesagt nach Oestrich-Winkel zum Weingut Peter Jakob Kühn. natürlich sind wir zeitlich mal wieder hinten dran, so das wir beim Weingut anrufen müssen um unsere Verspätung zu entschuldigen. Ein Prozess der sich diesen und auch nächsten Tag wie ein roter Faden durch unsere Tour ziehen sollte…

 

Dank unseres Navigationssystems sind wir nach einer kurzen Fahrt mit der Fähre über den Rhein um ca. 10.30 am Ziel und werden herzlichst von Frau Kühn empfangen, die uns direkt bittet in ihr Auto zu steigen und ab gehts in die Weinberge. Den ersten Halt machen wir an einer Wiese nahe dem als Erste Lage klassifizierten Wingert Hallgartener Hendelberg in dem die Kühns einige Hektar besitzen. Auf dieser Wiese lagert einer der, wie Frau Kühn uns erklärt, wichtigsten Säulen der biodynamischen Bewirtschaftung, der Kompost. 50 Tonnen kontrolliert fermentierender Mix aus Heu, Ästen, Mist und Trester. Wer bei diesem Bild die Nase rümpft irrt gewaltig. Frau Kühn greift in den Haufen hinein und lässt uns an der dunklen Erde riechen. Sie duftet nach Waldboden und Herbstlaub. Es erinnert mich ein wenig an gereiften Barolo. 

 

 

Wir fahren weiter hinunter Richtung Rhein, halten hier und dort an, genießen die Ruhe und die Aussicht und Frau Kühn bringt uns redegewandt und emphatisch die Philosophie des Demeter zertifizierten Weingutes nahe. Spricht über die Unterschiede der vorherrschenden Bodentypen Schiefer und Quarzit, erklärt uns Rebschnitt und Laubarbeit und weißt auf Besonderheiten der einzelnen Lagen hin. Ich könnte stundenlang zuhören. Am Ende stehen wir fast am Rheinufer in der Lage Sankt Nikolaus, die früher mal der Kirche gehörte und nach dem Heiligen, dessen Statue am Rand des Weingartens steht, benannt worden ist. Aus einer Parzelle dieser Lage mit sehr alten Rebstöcken, kommt auch der berühmte Riesling „Schlehdorn“, der als PJK Unikat auf den Markt kommt. 

 

Zurück im Weingut dürfen wir mit der Familie zu Mittag essen und schnell wird klar, dass Biodynamie bei den Kühns nicht im Wingert endet, sondern in alles Bereichen gelebt wird. Während wir die aktuelle Kollektion verkosten, spricht Peter Kühn Junior davon, wie ihn die naturnahe Arbeitswiese im positiven Sinne dazu zwingt, sich im Detail und über das ganze Jahr mit jedem einzelnen Rebstock intensiv zu beschäftigen. So weiß er mittlerweile sehr gut, was er von welcher Lage erwarten kann.

 

Zum Abschluss verkosten wir mit Frau Kühn auf der Terrasse noch eine Flasche 2010er Riesling Sankt Nikolaus, welches noch das alte Etikett trägt welches ich so liebe. Der Wein zeigt sich würzig und intensiv, mit kühler Aromatik und salziger Mineralität. Ein Leichtathlet, aber sicher kein Sprinter. Wir bedanken uns für diese unvergesslichen Stunden und brechen auf nach Geisenheim.

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In der Stadt mit der wahrscheinlich bekanntesten Weinbau Universität der Welt gibt es ein Weingut oder besser Sektgut, welches in meiner Wahrnehmung immer noch ein Geheimtipp ist. Norbert Bardong, unterstützt von seiner super netten Frau Renate, macht hier seit vielen Jahren kompromisslos und ausschließlich Sekt. Langes Hefelager und der Verzicht auf biologischen Säureabbau sind das Markenzeichen des bärtigen Hünen, dem auch viele andere Weingüter ihre Grundweine zur Versektung anvertrauen. Renate führt uns eine Wendeltreppe in der tiefen Keller hinab, wo zig tausende Flaschen Sur Latte lagern, damit die Hefe ihnen Struktur und Aroma verleiht. Die alten Gewölbe sind wirklich eindrucksvoll und so groß, dass hier regelmässig Veranstaltungen stattfinden. 

 

 

Wieder zurück im Tageslicht verkosten wir die frisch degorgierten Sekte des Hauses. Am besten gefällt mir der 2004er Spätburgunder Sekt aus dem Assmannshauser Frankenthal. Aber nix Blanc de Noir…Rotsekt ! Ein Sektstil mit Seltenheitswert. Riecht man hier rein, denk man sofort an Pinot Noir. Sauerkirsche, Walderdbeere, Rauch, am Gaumen mit feinem Tannen und dichtem Mousseux und am wichtigsten: knochentrocken. Genauso begeistert bin ich (wie immer) vom Riesling Brut Reserve. Bis zu 15 Jahren Hefelager beschert diesem Schäumer eine wahnsinnig feine Perlage und ein irres Aromenfeuerwerk und das für lächerlich wenig Geld…nur so am Rande.

 

Weiter gehts zu einem Kurzbesuch zu Theresa Breuer. Wir sind mal wieder mit ordentlich Verspätung unterwegs und verkosten nach einem schnellen Kellerrundgang daher nur die Rieslinge des Traditionshauses. Die 14er sind grade erstaunlich zugänglich, doch wie ich die Breuer Rieslinge aus den Lagen Nonnenberg und Schlossberg kenne, werden sie für die nächsten Jahre erstmal untertauchen um nach 10 Jahren zu zeigen, dass sie zu den besten trockenen Weinen Deutschlands gehören. Erste Anzeichen dafür zeigt der 2007er Berg Rottland. Saftig, mit viel Grapefruit, anregender Bitternis und dunkler Mineralität. Wir wären gerne länger geblieben um mit der entspannten Hausherrin zu plaudern, doch haben wir noch eine gute Stunde Fahrt vor uns und wollen unseren nächsten Termin auf keinen Fall verpassen…

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Wir verlassen den Rheingau Richtung Süden und entern Rheinhessen, denn wir haben eine Audienz beim Papst: Klaus Peter Keller. Der Winzer aus Flöhrsheim-Dalsheim im Wonnegau genießt nicht nur in Deutschland absoluten Kultstatus. Als wir angekommen gehts mit Klaus Peter direkt ein seinen Bulli und wir brettern los in die Weinberge. Keller fährt mit uns zu erst in seine Westhofener Top Lagen Morsten, Kirchspiel und Abts Erde und erzählt nebenbei von seiner Leidenschaft zu gutem Essen und die Wichtigkeit seiner Herkunft, aber es geht natürlich auch um Weinbau. Keller lässt kein Zweifel, der heilige Gral für ihn, ist das Burgund. Top selektioniertes Rebmaterial, hohe Stockdichte, alte Reben und das genaue Herausarbeiten der einzelnen Lagen sind für ihn das wichtigste. Das wendet Keller auch konsequent auf seine Rieslinge an. Wir fahren mittlerweile wieder Richtung Weingut, vorbei an den Lagen Hubacker und Bürgel, wo Keller einige alte Spätburgunder Anlagen besitzt. Spätburgunder ist sowieso ein Herzensangelegenheit für Klaus Peter Keller der gut drauf ist und viel lacht, aber aus seinem Perfektionismus in Sachen Wein keinen Hehl macht. Nur wenn wir mal wieder an einer mit Glyphosat oder ähnlichem abgespritzten Rebzeile entlang fahren, wo das verbrannt wirkende Grass in gelben Warnfarben leuchtet, schüttelt Keller den Kopf. Ein Bild welches mir in Rheinhessen leider sehr oft aufgefallen ist.

 

Zurück am Weingut schlittern wir unerwartet in einen wirklich legendären Abend. Klaus Peter lädt uns bei sich zum Abendessen ein, doch es ist nicht nur einfach ein Dinner mit der Familie, sondern ein Testessen für ein großes Event, welches die Kellers veranstalten wollen. Ich will nicht zu viel verraten, aber einige Sterneköche aus Rheinhessen sind schon in der wahnsinnig gut ausgestatteten Küche zu Gange um uns den ganzen Abend mit wunderbaren Speisen zu verwöhnen. Unsere Aufgabe: Die passenden Weine für die einzelnen Gänge zu finden. Mit uns am großen Tisch sitzen Weinhändler, die Köche und Freunde der Familie, darunter Caro Maurer, MW. 

Klaus Peter eröffnet den Abend mit einem Krug Vintage 2002. Und ich werde zum ersten, aber nicht zum letzten mal an diesem Abend ohnmächtig vor Freude. Was ein Champagner ! Dicht, füllig und trotzdem elegant. Brioche, Apfelkuchen, Pfirsich, geröstete Nüsse…all that Jazz. 

 

Dann folgte der erste Kellerwein, eine 2015er Scheurebe aus alten Reben. Karg, straff und frisch, tonnenweise Cassis. Perfekter Partner zu Fisch und Austern wie wir beweisen werden. Danach zieht KP Keller eine Flasche Riesling Pettental aus dem Jahr 2012 aus dem Hut. Der Wein ist schlank und doch merkt man ihm die warme Würze des Roten Hangs bei Nierstein sofort an. 

Zum nächsten Gang hält Klaus Peter einen Riesling G-Max für die beste Wahl. Naja was soll ich sagen…ich habe sicher nicht protestiert. Wir probieren ohne den Jahrgang zu kennen. Ich tippe auf 2009. Etwas kräftiger, komplex, salzig, saftig, geile Säure. Zu unser aller Überraschung ist es 2003. Eines der heißesten Jahre der Weinbaugeschichte. Viele Weine dieses Jahrgangs sind fett und schon sehr weit in der Entwicklung. Dieser immer noch ein Baby. Auf meine Frage, wie er es geschafft habe bei dieser Gluthitze einen Wein mit Frische und Eleganz auf die Flasche zu bringen, antwortet Keller, dass Beschattung in diesem Jahr das wichtigste war. Er habe früh reagiert und das Laub doppelt und dreifach schützend vor die Trauben gezogen, zudem helfen die alter Reben dem Hitzestress entgegen zu wirken. 

 

Der nächste Wein den KP kredenzt ist ein Silvaner aus dem Jahrgang 2004. Erdig, burgundisch mit feinstem Holzeinsatz, cremig, nach Birne und Gartenkräutern. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann stammt der Wein von 70 Jahre alten Reben, welche Keller aber mittlerweile auf Riesling umveredelt hat. Ein Wein also, den es in der Form nicht mehr geben wird. Mit einem Wein den man eigentlich nicht kaufen kann geht es weiter: Morstein 2012 und 2013 als Fassprobe, aber kein Riesling sondern Spätburgunder ! Fein fruchtig mit Noten von Sauerkirschen, Roter Johannisbeere und Tannenholz. Extrem langer, kalkiger Nachhall. Es macht Spass diesen Pinot in seiner Jugendlichen Phase zu trinken und trotzdem birgt der Wein Potential für Dekaden. Pinot heißt übrigens auch der Hund der Kellers, der sich ab und zu mal ein paar Streicheleinheiten abholen kommt. 

 

Als nächstes wird der Restzuckergehalt etwas erhöht und es gibt wieder einen Tropfen, den man wahrscheinlich nie wieder in seinem Leben trinken wird. Riesling Kabinett -H- aus dem Jahrgang 2013. Das H steht für die Lage Hipping am Roten Hang. Erinnert irgendwie an die Mosel, nur ein Hauch kräftigerr, aber mit unglaublichen Zug. Warum kann man diesen Wein nicht kaufen ? Weil das die englische Königsfamilie zur Geburt von Baby George bereits getan hat. Und zwar alle 1300 Flaschen, persönlich übergeben von Klaus Peter Keller. Genauso geschehen mit dem noch strafferen und schwebenden 2015ner. (Wahrscheinlich ist der 16er schon reserviert:). 

 

Es folgen noch einige Weine, doch ich konnte mir nicht mehr alles merken. Am Ende bleibt mir nur der ganzen Familie Keller für ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft meinen aller grössten Dank auszusprechen. Und auch ein dickes Kompliment an die Köche für diese hervorragende Leistung. Chapeau ! 

2016 Prowein Düsseldorf - Push. Zahnschmerzen. Altbier.

Nein, 2016 war nicht mein Debüt auf der Messe, die sich um mein liebstes Hobby dreht. 

Eigentlich war es meine dritte Prowein. Doch aus "einfach mal schauen" vor einigen Jahren, wurde dieses Jahr ein straffes, fokussiertes Programm mit einer langen Liste von deutschen und österreichischen Weingütern, die abgearbeitet werden wollte.

Ein Novum für mich war die erschreckend gute Vorbereitung meinerseits und die Tatsache, das Erlebte im Nachhinein als einen kleinen Text 'mal niederzuschreiben. Ganz subjektiv, ohne Wertung, mehr ein Bericht für meine Erinnerung und eine Art Shopping-List für das laufende Jahr. Die gute Vorbereitung wurde jedoch sehr schnell durch eine Mischung von Reizüberflutung und eine Art „Kind-im-Spielzeuggeschäft“- Gefühl zunichte gemacht.

Mein Plan war es eigentlich, sich zu jedem verkosteten Wein eine kurze Notiz zu machen. Schier unmöglich. So entschied ich mich relativ schnell dazu, nur das zu notieren, was bei diesem sehr hohen Verkostungstempo hängen bleiben sollte. Mit meinem Bruder im Schlepptau, den ich von Zeit zu Zeit mit einem kurzen „Push“ wieder ins Tempo bringen musste, machten wir uns nach Ankunft in den Messehallen auf zur Gemeinschaftsarea des VDP.

Nun sitze ich letztlich doch vor meinen chaotischen Aufzeichnungen in Form von zerknickten DIN-A4 Zetteln.

Mal sehen, was ich noch alles zusammen bekomme:

Das Erste, was mir wohl in Zukunft zur Prowein 2016 in Erinnerung gerufen wird, ist der Name Kai Schätzel. 

Der VDP Neuling stieß nicht nur mit seinen coolen türkisfarbenen Flaschen direkt ins Auge sondern auch in den Gaumen und sollte mich dermaßen flashen, dass es für mich die interessanteste deutsche Gesamtkollektion im trockenen Rieslingbereich werden sollte. Puristisch, klar, mit Zug und Fokus auf dem Terroir zündete Kai eine Bombe nach der anderen. Pettenthal, Hipping, usw. Peng. Peng.

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

 

Ein weiteres Highlight waren für mich 3 frische 2015er Weine eines meiner Lieblingsweingüter. Schäfer-Fröhlich von der Nahe. Trocken mit dem 2015 Schiefergestein Riesling gestartet wurden wir später dann von Tim Fröhlich mit 2015 Felseneck Kabinett und 2015 Felseneck Spätlese versorgt. 

Beim ersten Schluck vibrierte die feine Säure vom Gaumen, wie ein Blitz, direkt in den Teil des Gehirns eines Rieslingtrinkers, welches für die Ausschüttung von Glückshormonen verantwortlich sein muss. Sehr klar und nur ein leichter aber typischer SF Stinker in der Nase, auf den ich ziemlich stehe by the way, machten diese 3 Samples unvergesslich.

 

Auch ein Wein aus Pünderich sollte sich mit seiner feinen, süchtig machenden, Säure in mein Gedächtnis brennen. Gerade schon einmal diesen, vermutlich verpönten, Begriff „vibrierende Säure“ verwendet, trifft es wohl nichts besser um das 2014 Marienburg Fahrlay GG von Clemens Busch zu beschreiben. Mit unverschämter Länge und Komplexität ist dies wohl ein perfektes GG von der Mosel. Dicht gefolgt vom 2012 Falkenlay GG, welches mir auch sehr gut gefallen hat und mich wohl leider jetzt erst verstehen ließ, warum Clemens Busch eine so große Fangemeinde unter Rieslingtrinkern hat. Da muss ich mich wohl als Spätsünder outen.

 

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

 

Zum Abschluss der großen VDP Runde, nahmen wir uns dann konsequent die VDP Mosel-Saar-Ruwer-Weingüter vor. Meine drei Favourites in der Refresh-Zone waren: Forstmeister Geltz-Ziliken 2010 Riesling Goldkapsel Auslese (als nur einer von vielen Weinen aus Saarburg). Schloss Lieser 2015 SL Riesling Kabinett und St. Urbanshof 2015 Ockfener Bockstein Riesling Kabinett. Beides Fassmuster. Da mein Lieblingskabi in 2014 der Saarburger Rausch Riesling Kabinett war, kann ich es kaum erwarten den 2015er künftig zu verkosten. Aus diesem jetzt schon so zugänglichen und anscheinend tollen Jahr 2015. Hier erspare ich mir jetzt lieber das Wort "groß". :)

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

Kurz zuvor hatten wir bei Facebook gelesen, dass J.B. Becker aus dem Rheingau auch ein paar gereiftere Sachen ausschenken würde. Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen einen kleinen Zwischenstopp einzulegen und freuten uns z.B. über 1994er Wallufer Walkenberg Riesling Kabinett trocken und die damit verbundene Achterbahnfahrt von jungen frischen MSR-Kabis zu gereiftem trockenen Rheingau Stuff. 

 

Auf dem Weg zum Feinschmecker-Stand kamen wir dann mehr oder weniger zufällig noch am Chat Sauvage Messeauftritt vorbei. Mit einem schon etwas angeschlagenen Geschmackssinn starteten wir die Verkostung bei einem Weingut, von deren Weinen ich eigentlich immer angetan war. Diese Erinnerung sollte auch nicht getrübt werden und die Erwartungen wurden alles andere als enttäuscht. Sowohl die Chardonnays als auch die gezeigten Pinots waren allesamt top und haben mich zu 100% abgeholt. Der 2014 "Clos de Schulz“ Chardonnay auf der weißen und der 2013 Lorcher Kapellberg Pinot Noir auf der roten Seite waren meine persönlichen Winner.

Beim Feinschmecker angekommen und fast im Gewusel des, wie immer, sehr gut besuchten Standes orientierungslos geworden, sollte mich nicht nur die Salami und der Lardo auf Wolke 7 schweben lassen, nein auch Bernhard Huber's und Gantenbein’s Weine hielten was Ihre große Namen ahnen ließen. Wie auch schon bei Chat Sauvage waren es die beiden Burgunder Trauben, die mich schwärmen ließen. Sowohl Huber 2013 Chardonnay & 2011 Sommerhalde Spätburgunder als auch Gantenbeins 2013 Chardonnay und 2013 Pinot Noir versüßten mir den Nachmittag mit dezentem aber auch präsentem Holzeinsatz. Ganz stark. 

 

Das Ende von Tag 1 läuteten wir an Hendrik Thoma’s Wein am Limit Camp ein und kamen in den Genuß von freaky Weinen von Eben Sadie (großartiger Typ) und großen Mullineux Weinen aus Südafrika. Auch Eduard vom Gut Oggau, Stephen Paeffgen von Chateau Le Reysse und Josephine Kramer von Candialle wieder zutreffen war eine große Freude. 

Eine Sache hatte ich jedoch Unterschätzt. Nach ca 300 verkosteten Weinen zeigten mir meine Zähne einen Vogel und baten mich die Heimfahrt nach Bochum anzutreten. Apropos Vogel. Hat das VDP Maskottchen, der Traubenadler, eigentlich schon einen Namen? 

 

Photo by VDP Facebook

Photo by VDP Facebook

Nicht nur auf Deutschland lag, wie schon erwähnt, mein Fokus. Nach einem kurzen Zwischenstopp zum wach werden an Tag 2 bei Grand Cru Select und die Verkostung neuer und etwas gereifteren Weinen von J.J. Prüm bei sehr herzlichen und sehr gut gelaunten Damen Petra Pahlings und Dr. Katharina Prüm, ließ ich mir es nicht nehmen noch schnell die ganze Palette von St.Antony zu verkosten bevor es dann fix in die Österreich-Halle ging.

Als Tement-Fan stand der Besuch von Armin und seiner Frau ganz oben auf meiner Liste. Ich mag grundsätzlich die ganze aktuelle Range von Familie Tement aus der Südsteiermark. Doch bei der Anzahl der vorhandenen Weine, denke ich, ist es nicht verwerflich nur einige rauszupicken und so ist es vermutlich keine Überraschung, dass mich besonders die beiden 2014er Sauvignon Blanc Sernau und Zieregg und der 2014er Morillon Ziergg begeistert haben.

Ein weiteres Highlight für mich war definitiv Marion Ebner-Ebenauer. Ähm… Also sie zweifelsohne auch, aber doch in erster Linie die Grünen Veltliner und Ihr 2008 Blanc de Blancs Zero Dosage Sekt. So wie Marion & Ihr Mann Manfred Ihre 2015 Grünen Veltliner Sauberg und Bursting auf die Flasche bringen, stelle ich mir ernsthaft die Frage zum GV-Roboter zu werden. Das würde aber dann jetzt hier in eine falsche Richtung gehen an dieser Stelle. Getoppt wurden Sauberg und Bursting nur noch einmal vom Premium Veltliner 2013 „Black Edition“.

Den fantastischen Gin Aeijst bei Uwe Schiefer schon im Blick bekam ich noch den Hinweis (von einem 99+PP Geheimagenten) mal „den Chardonnay“ beim Weingut Herist zu checken. Da ich sowohl Herist nicht kannte als auch sehr neugierig bin, wenn man schon einen expliziten Hinweis zu einem Wein bekommt, ließ ich mir es nicht nehmen das ganze Angebot durchzuprobieren. 

Der erste Eindruck. Super stylische Etiketten und Verkostungslisten. Ja ich weiss, dass das nichts über die Qualität des Weines aussagt. Nichts? Ich bin mir da nicht so sicher. Klar ist Design nur subjektiv wahrnehmbar aber ich finde es zeigt oft die Passion eines Einzelnen bis ins kleinste Detail. Und so sollte es sein. Wie mir der junge Herist aus dem Südburgenland erzählte hatte er noch im Vorjahr andere Etiketten mit denen er nicht zu frieden war und stellte  das Packaging seines kompletten Sortiments nach nur einem Jahr noch einmal um.

Der zweite Eindruck. Ein junger Mann. Vermutlich Generationenwechsel am Weingut im Gange. Präsentierte mir seine sehr coole, trockene auf’s Terroir fokussierte und puristische Palette an weissen Weinen. Vom Welschriesling über Weissburgunder bis zum Chardonnay. Ja dieser Chardonnay „Quarzit 2013“ war wohl für mich die Entdeckung der Österreich-Halle.

Die anstrengenden aber höchst interessanten Tage endeten mit einem eiskalten Altbier am Hauptbahnhof in Düsseldorf. Ich glaube jeder Besucher der Prowein kennt genau diesen fantastischen Moment. 

Da bleibt mir abschließend nur zu sagen: Schlösser Alt am Hauptbahnhof nach der Prowein: RR 99+

Sekte / Schaumweine (DE+AT), die mir positiv im Gedächtnis geblieben sind:

Rebholz 2010 πNo. Rosé,

Weinreich 2015 Pet Nat,

Barth 2011 Hassel Riesling Brut

von Buhl 2014 Brut Reserve. 

Lauer Riesling Brut Reserve 1991 + 1992

Ebner-Ebenauer  2008 Blanc de Blancs Zero Dosage 

 

Weitere einzelne Weine (DE+AT), die hängen geblieben sind:

Thörle 2015 Probstey Silvaner

Knoll 2015 Riesling Ried Schütt

 

Weitere Gesamt-Kollektionen (DE+AT) die mir positiv im Gedächtnis geblieben sind:

Sankt Annaberg - Pfalz

Oliver Zeter Reserve Weine - Pfalz

Künstler - Rheingau

Reichsrat von Buhl - Pfalz

Freiherr Langwerth von Simmern - Rheingau 

Breuer - Rheingau

Moric - Burgenland 

Lichtenberger Gonzales - Burgenland