Italien

Urlaubswein Teil II

Frank Cornelissen ist der Naturalwinemaker am Ätna. Sein Ziel ist es, die Trauben, das Terrior und den Jahrgang so unverfälscht wie möglich in die Flasche zu bekommen. Das macht er mit einer sehr strengen Selektion und Weinbergsarbeit (er hat ein festes Team von ca. 35 Mitarbeitern) und im Keller setzt er ausschließlich auf Glasfiebertanks. 

Im Jahr 2000 startet er mit einer kleinen Parzelle von 0,5 ha mit prephylloxera Nerello Mascalese Reben auf eine Höhe von 920 Meter sein Weingut. Mittlerweile ist das Weingut auf gute 13 ha angewachsen und Frank ist seinem Ziel noch näher gekommen. Er hat seinen Weg gefunden und bringt die ungewöhnlichsten Weine am Ätna hervor. Franks Weine werden immer sauberer und präziser wie er selbst sagt. Er lernt mit jedem Jahrgang dazu. Deshalb haben seine aktuellen Weißweine auch nichts mehr mit den Maischevergorenen Orangeweinen vom Anfang zu tun. Das begrüße ich sehr! n einer kleinen Enoteca Wine&Charme in Catania bei Antonio hatte ich dann das Vergnügen eine Flasche Cornelissen zu trinken. 

2015 Munjebel CR (Campo Re)

Facts:

Rebsorte: 100%  Nerello Mascalese

Einzellage: Campo Re
Höhe: 730m.
Alter der Reben: 70+
Boden: Vulkanischer Boden

Ausbau (Alle roten werden gleich vinifiziert): 100% entrappt, leicht angedrückt,  2 Monate Mazeration, 1 Jahr in Glasfiebertank

Alk.: 13,5%

Produktion: ca. 2.500 Fl.

Erster Jahrgang: 2015

Die Nase ist sowas von funky! Es riecht nach fermentierten Rotkohl mit extrem viel Senfsaat. Hier tut sich was im Glas, der Wein verändert sich ständig. Der Antrunk ist Wahnsinn. Es passiert auch am Gaumen so viel, das es schwierig ist das alles einzuordnen. Der Wein ist eben noch jung und unruhig. Macht aber trotzdem enorm viel Spaß und hat einen irren Zug.

Nach den Irritierenden kohligen Noten kommt langsam die Frucht hervor. Etwas frisches pflaumiges, in Richtung Schlehe gehend, da auch eine prägnante Tanninstruktur zu schmecken ist. Aber alles sehr frisch, leicht und umgeben von einer schönen rauchigen Note.

Mittlerweile tritt auch die Frucht zurück und eine waldige Note tritt in den Vordergrund. Man steht plötzlich in einem Pinienwald umgeben von braunen Champignons. Am Gaumen beruhigt sich der Wein, im Laufe einer Stunde ist der störrische Munjebel zu einem sehr geschmeidigen femininen Wein geworden.  Das Fleisch einer ins Feuer geworfene Roten Paprika dominiert hier. Zum Schluss der Flasche kommen grüne Olivennoten aus dem Glas…dann ist die Flasche schon leer…verdammt.

Frank selbst vergleicht die Rebsorte Nerello Mascalese mit Nebbiolo und Pinot Noir je nach Jahrgang und Lage. Für mich ging es eher dank der Struktur und der Aromen eher Richtung Gamay und Listan Negro. Vielleicht weil ich beide eher vom Vulkanboden kenne. 

  

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Urlaubswein Teil I

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2 Wochen Sonne, Strand, Meer, Vulkan und Pasta Vongole.

Das war mein Programm im September. Aber natürlich sollte das Thema Wein auch im Urlaub nicht vernachlässigt werden. Wenn man schon an einer der spannendsten Ecken Italiens ist, stehen natürlich auch Winzer besuche an. Wen besucht man in Sizilien? Einen Belgier und einen Dänen! Logisch…die sprechen wenigstens Englisch.

Während man am Ätna Weinbau auf bis zu 800-950 Meter betreibt. Wird in Melilli und Not, wo Peter Vinding – Diers mit einer zauberhaften Frau Suzanne Ihr Weingut Montecarrubo gegründet haben, Syrah, Merlot, Carbernet Sauvignon und Malbec auf 150 Meter kultiviert. Über Peter Vinding – Diers könnte man vermutlich Tagelang schreiben deshalb hier nur eine Kurzfassung: 

Peter Vinding – Diers ist 1943 in Dänemark geboren. In seinem 1. Leben war er Kriegsberichterstatter, dann Winzer in Südafrika, Ungarn , Bordeaux und Sizilien, nebenbei hat er die Weinwelt revolutioniert. Während Peter vor 50 Jahren in Südafrika im Rustenberg mit seinen Rotweinen für Furore sorgt ist es eigentlich seine Pionierarbeit in dem südafrikanischen Weinforschungszentrum zu verdanken das Der Name Peter Vinding – Diers für immer mit dem Modernen Weinbau in Verbindung stehen wird. Denn Er bewies, dass jede Weinkellerei ihr eigenes Hefemilieu hat, und er zeigte, dass die lokalen Hefestämme einen großen Einfluss auf das Bouquet und den Geschmack des Weins haben. Diese damals noch absurde Theorie stieß im Bordeaux erst auf heftigen Widerstand konnte sich dann aber doch durchsetzten und findet sich in jedem Lehrbuch wieder. Als kleine Randnotiz sei noch erwähnt das er der Onkel von Peter Sisseck (Pingus) ist. An dessen Erfolg er auch nicht ganz unbeteiligt ist.

Aber kommen wir nun zum Wein...

P.V-D. konzentriert sich hauptsächlich auf den An und Ausbau von Syrah und hat eine Selektion Marsal, der nördlichen Rhone gepflanzt. Sein ersten Jahrgang Vigna Grande keltert er 2012 und ich habe die große Ehre neben seinen aktuellen Jahrgängen sein Erstlingswerk zu Verkosten!

2012 Vigna Grande

Facts:

Boden: Muschelkalk mit vulkanischen Einschlüssen

Höhe 150 Meter / konstant Windig 

Ausbau in 225L,  1x gebrauchtes Holz aus dem Bordeaux

18 Monate Ausbau

ungefiltert Abgefüllt 

Was für ein Duft! Man hathier das Gefühl, dass hier gleich die Oliven aus dem Glas springen und über den Tisch rollen ! Das ganze gepaart mit leichten anklängen vom Kubebenpfeffer der immer eine kleine Eukalyptusnote mit ins Spiel bringt. Hier gibt es keine Frucht! So gefällt mir Syrah. Die Tanine sind so was von weich und Charming, man hat das Gefühl der kriegt jeden rum....und hinten raus bei einem sehr guten, langen Finish eine super dezente schöne Süße von der ich nicht genug bekomme. Es ist ein Zeitloser Stil, nicht zu alkoholisch über extrahiert und süß, aber auch nicht federleicht dünn und sauer.

Der Wein wirkt gereift, keinerlei Primärfrucht, aber auch kein Stück müde! Die Farbe ist ist nicht sehr intensiv, am Rand eineleichte Braunfärbung. Ich würde sagen die Flasche ist gerade in einem perfektem Entwicklungsstadium. Das ist definitiv der beste Syrah den ich in Italien bisher trinken durfte! Und das ist der erste Jahrgang! Von frisch gepflanzten Reben ! Wow ich bin begeistert. Also für Syrah Freunde absolut zu empfehlen wenn die Pflanzen hier noch älter werden darf man sehr sehr großes Erwarten.  

Kaufen weglegen! Und nach 5 Jahren hat man sehr Viel Spaß damit...

 

Valentini

Es ist jetzt 3 Tage her das ich den Trebbiano Von Valentini getrunken habe.

Ich musste bisher jeden Tag daran denken….die Aromen, die mir bis dahin unbekannt waren in einem Weißwein und vor allem diese unglaubliche Dichte und Länge! Deshalb habe ich mich dazu entschlossen das erste Mal, über einen Wein zuschreiben...

Aber ich muss noch mal etwas zurückspulen.  

Meine erste Begegnung mit den Weinen von Edoardo Valentini ist ziemlich genau 1 Jahr her. Anfang Mai 2016 habe ich das erste Mal Valentini getrunken, damals war es Trebbiano 2007 zu einer Unterarm großen Languste, gemeinsam mit zwei der größten Weinnasen die ich kenne…

Und damit fing alles an! Ein Trebbiano aus den Abruzzen?...dachte ich… was soll daran groß sein? Dachte ich. Trebbiano, eine Rebsorte mit der ich nichts zu tun haben wollte…das galt eigentlich auch für das Gebiet Abruzzen und generell für ca. 95% aller italienischen Weißweine. Aber ich wurde eines Besseren belehrt...

Seit meiner ersten Berührung mit Valentini, ist ein regelrechter Abruzzen Hype entstanden. Die Preise für die Flaschen haben sich mal eben verdoppelt. Ein zweites großes Weingut darf dabei nicht unerwähnt bleiben, Emidio Pepe. Das Weingut ist quasi zeitgleich mit Valentini einen neuen Weg der Weinbereitung in den Abruzzen gegangen.

Die Frage stellt sich, ist der Hype aus dem Terroir entstanden oder liegt es einfach nur an Chiara und ihren Schwestern…?

In den letzten 12 Monaten hab ich Valentini gelegentlich probieren dürfen. 2007/ 2008/2010 Trebbiano und 2007 Cerasulo (Rose). Und dank eines ersteigerungsüchtigen Sommeliers aus München, am Montag den 1992 Trebbiano um den es jetzt geht!

Es war wieder einer der Abende, auf den man sich Wochen und Monate freut. Blindverkostung im Kreise absoluter Weinfreaks mit wunderschönen Weinen. Unter dem Motto: „heute trinken wir Groß!“

Und dann kam er ins Glas, ein wirklich goldgelber Wein mit unglaublicher Strahlkraft lies schon vermuten das hier etwas Gereiftes auf uns zukommt. Der erste Eindruck war geprägt von frischen grünen Oliven, Rapsblüten, Sesam, frische Sonnenblume und Getreide. Es war schnell klar dass, wir uns im Mittelmeerraum bewegen. Am Gaumen spiegelte der Wein den Eindruck wieder, er war unglaublich dicht, kompakt, nicht ölig…einfach sehr konzentriert. Es war kaum Säure vorhanden ( mittel minus -  #Idiotensprache) , was den Wein aber trotzdem nicht schwer wirken lies, da zum Glück kaum Süße vorhanden war. Er blieb sehr lange im Mund - minutenlang! Blind habe ich den Wein Richtung Südfrankreich gesteckt, Languedoc & Roussillion, Ende der 90er, Anfang der 00er Jahre erschien mir sinnvoll.    

Dann wurde die Alufolie von der Flasche gerissen und das herrlich goldene Etikett kam hervor. Als aller erstes fiel mein Blick auf den Jahrgang – neunzehnhundertzweiundneunzig! Die wahre Größe des Weines kam jedoch erst 2 Stunden später zum Vorschein. Beim Nachprobieren des Trebbianos strömte auf einmal eine unglaubliche Kaffeearomatik aus dem Glas. Hier spreche ich von einer milden, hellen und fruchtigen Röstung einer kleinen Manufaktur und nicht die verbrannten, oxidierten Bohnen großer Hersteller. Zudem eine Schokoladennote die zwischen Vollmilch und weißer Schoki liegt. Das Ganze erinnerte an die Merci Kaffeepralinen, die meistens gemeinsam mit Marzipan bis zum Schluss übrig bleiben... Auch eine Bananennote a la Bananasplit, war urplötzlich in der Nase. Wo kommt dasalles her? Wie geht das? Irre! und der Wein wurde immer trinkiger, aber leiderleerte sich die Flasche sehr schnell…ich hätte mich über stunden in der Aromatik verlieren können. Das war mit Abstand der beste italienische Vino bianco den ich je verkostet habe. 

Don’t cry Emidio Pepe!

Somit kann ich den Hype absolut nachvollziehen und bestätigen. Schade, dass es nur so wenige Flaschen gibt! Vielen Dank für die Flasche Toro! Bitte ersteigere fleißig weiter ; )