Clos Rougeard

Es gibt an der ganzen Loire wohl kein Weingut was so einen legendären, fast mythischen Ruf hat wie Clos Rougeard. Außerhalb des harten Kerns von Vinoholics und Weinnerds kennen das Weingut nur wenige und noch weniger haben diese Weine überhaupt mal kosten dürfen. Aber woher kommt der Mythos Clos Rougeard ? Die Brüder Foucault haben sicher mit ihrer sehr eigenen Art ihren Teil dazu beigetragen: Abgeschottet im winzigen Ort Chacé in der Nähe von Saumur, weißt kein Schild oder ähnliches auf die Existenz des Weingutes hin. Gäste werden nicht empfangen, kaufen kann man eh nichts. Dir produzierten Mengen sind gering (10 Hektar Rebfläche) und die Versorgung des deutschen Marktes ist dürftig. Drei Händler teilen sich eine Palette pro Jahr. Übrigens mehr als der gesamte US Markt bekommt, also können wir uns noch glücklich schätzen. 

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Die Weinberge der Foucaults sind seit Ewigkeiten im Familienbesitz und haben noch nie künstliche  Spritzmittel oder Kunstdünger gesehen. Es wurde schon immer aus einer absoluten Selbstverständlichkeit heraus naturnah gearbeitet. Die Rotweine sind zu 100% aus Cabernet Franc und tragen die AOP Saumur-Champigny. Cab Franc von der Loire ist für mich eigentlich ein rustikaler, frischer Bauernwein im positivsten Sinne. Doch nur ganz wenige schaffen es diesen Weinen so eine Eleganz, Struktur und Feinheit zu geben wie Clos Rougeard. Die Tiefe und Komplexität ist beeindruckend und doch werden diese Weine nie anstrengend, sondern machen immer gierig auf mehr. Die winzige Menge Weißwein wird aus Chenin Blanc gekeltert und stammt ausschließlich aus Lagen der Gemeinde Bréze. Sie stehen den Roten qualitativ in nichts nach. 

Am 1. September hatte ich die einmalige Chance mehrere Jahrgänge Clos Rougeard an einem Abend verkosten, nein trinken zu dürfen! Sebastian Georgi, seines Zeichens Sommelier und Patron des in Düsseldorf ansässigen Pizza Tempels nineOfive organisierte eine, in Deutschland nie da gewesene Vertikal-Probe von 11 verschiedenen Weinen der Kultdomaine. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an Sebastian und sein Team aussprechen. Die Probe war top organisiert, es mangelte an nichts und das Essen war unverschämt gut. (Nein es gab keine Pizza !) 

Den Auftakt machten 3 Jahrgänge Chenin Blanc Bréze. 2007 zeigte sich unglaublich jung, kühl und straff, mit dezenter Orangen und Stachelbeere Noten. Die messerscharfe Säure und das Holz fangen grade an sich zu finden. Feiner, animierender Gerbstoff, steinig am Gaumen. Abartig lang. Dieser Wein hat noch gewaltig viel Potential und wurde von Minute zu Minute größer. (96P) Bréze 2006 erinnert mich eher an einen Vouvray. Birne, Quitte, grüne Walnuss, komplex. Ganz leicht laktisch. Warmes, gut eingebundenes Holz. Nicht ganz so lang und balanciert wie 2007, aber fest wie ein Fels (93P). Den Abschluss macht 2003. Das heiße Jahr merkt man dem Wein deutlich an, aber in keinem Fall negativ. In der Nase reifer Pfirsich, Quittenmus, etwas Bitterorange, dunkel, vielschichtig und intensiv. Am Gaumen mit milderer Säure, aber saftig, mit ordentlich Power. (95P)

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Als nächstes sind die roten „Hausweine“ der Domaine dran: Le Clos. Wir starten mit 2010. Ein sehr kühles, teils nasses Jahr rund um Saumur. Spät lesen um die Reife zu gewährleisten, bei akribischem Selektionieren, war das Credo. Grüne Paprika, Kirschkerne, Johannisbeerblätter und später Lakritz in der Nase. Am Gaumen macht der Wein richtig Alarm. Säurebetont und frisch, dabei extrem präzise. Die Säure und das knackige Tannin verleihen dem Wein Länge und irren Trinkfluss. Möchte ich gerne in 10 Jahren noch einmal probieren ! (94+) Es folgt 2008 Le Clos. Deutlich reifer und offener. Rote Johannisbeere, Preiselbeere und etwas Wacholder. Das Tannin macht den Wein am Gaumen ein wenig stumpf. Gute Länge. (92P) Dazu gab es ein wunderbaren, schlotzigen Meeresfrüchte-Reis mit roter Garnele.

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2007 Le Clos ähnelt seinem weißen Pendant. Rotfruchtig, super frisch, fast ätherisch mit minzigen Anklängen und dezentem Brett. Am Gaumen leicht, mit feinem Tannin. Könnte irgendwie auch aus dem Burgund kommen. (93P) 2006 ist dunkler, in der Farbe und in der Aromatik. Brombeere, Rote Beete, Leder, mehr Brett, stört hier aber nicht. Deftiges Tannin und präzise Säure. Komplex und gut balanciert. Sehr gut ! (94P) Passte perfekt zum Rehragout von Herz und Leber. 

2005 mein Highlight unter den Le Clos Weinen. Wieder eher auf der rotfruchtigen Seite, Erdbeere, dazu erdig mit Noten von Unterholz und Laub. Mächtiges, aber reifes Tannin. Ein Maul voll Wein. Eindrucksvoll ! Macht jetzt schon richtig Spaß, wird aber mit Sicherheit noch besser ! (95P) Der Le Clos 2003 kommt dem 2005er aromatisch sehr Nahe. Vielleicht etwas pflaumiger. Am Gaumen steinig, mit leicht austrocknendes Tannin und dezenter Süße. (92+P)

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Im letzten Flight wurde dann nochmal aufgelevelt. Nun waren zwei Cabernet Francs aus der Einzellage Les Poyeux im Glas. Die 30 ha Lage gehört zur Gemeinde Chace und liegt am östlichen Ortsrand. Der Boden besteht hier vor allem aus sandigem Tuffeau, dem typischen porösen Kalkgestein der Loire. Die Weine werden 18 Monate in einmal belegten Barriques ausgebaut. Der 2004er zeigt erstaunlich wenig Alterungsnoten, viel Blutorange, Erde, Kräuter und etwas Kirsch. Am Gaumen strahlend, kühl, feinstes Tannin, mundwässernde Säure, saulang mit mineralischem Druck. Für mich der Saumur-Champigny Prototyp ! (95+P) Der 2003er Les Poyeux hat sich den Kuhstall Stinker, den die Cabernet Francs der Loire in ihrer Jugend gerne haben, bewahrt. Dazu Pflaume, Kirsche und Blut. Am Gaumen kalkig, mit mehr Körper, saftig mit eher zurückhaltender Säure und reifem Tannin und einem Hauch Süße. (93P) Spannend zu sehen, wie es zwischen Le Clos und Les Poyeux noch einmal einen Qualitativen Sprung gibt, der für mich am Gaumen deutlich wird. Eine gute Säure Struktur und reifen, feinen Gerbstoff haben Beide, doch sorgt der karge, kalkige Boden für mehr Druck und Präzision. Fazit: Clos Rougeard Weine werden ihrem Ruf gerecht, altern hervorragend und es macht einfach unglaublich Lust sie zu trinken ! Cheers.

 

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