Bordeaux 1986

Bordeaux Tasting Jahrgang 1986 im eigenen Haus. Ein sehr netter und großzügiger Gast, aus dessen Keller die Weine zum Großteil stammten, bat mich die Probe vorzubereiten und ein wenig zu moderieren. Da lacht das Sommelier Herz. Vor allem wenn es sich noch um den eigenen Geburtsjahrgang handelt. 30 Jahre...Fuck ! 

 

Die meisten Weine der Probe kamen vom linken Ufer der Gironde, waren also eher Cabernet Sauvignon lastig. Ich denke das war auch gut so, denn 86 war nicht grade das Jahr für Merlot. Starke Regenfälle, die teilweise sogar zu Überflutungen führten, machten im September den Winzern in Pomerol und St. Emilion das leben schwer. Der heiße, trockene Sommer begünstigte eher das rechte Ufer und sorgte vor allem in Paulliac und St. Julien für tanninstarke, kräftige Weine, welche in der Jugend sicher ruppig waren, dafür aber ein langes Leben vor sich haben. Wer sich traute den Cabernet möglichst lange hängen zu lassen, hatte am Ende die besten Karten. 

Nach 3 Dekaden zeigen sich die Weine in guter bis sehr guter Verfassung. Sicherlich nicht charming aber fest, frisch, gerbstoffbetont und mit vollem Körper. Die Weine die noch ordentlich Frucht mit in 2017 retten konnten, haben mit am meisten Spass gemacht. Einziges Problem war in welch unterschiedlichem Zustand manche Flaschen, nicht nur aus einem Keller, sondern sogar aus der selben Kiste waren. Zum Beispiel Pichon Longueville Comtesse de la Lande. Drei Flaschen. Eine Top: Klassischer Bordeaux wie aus dem Lehrbuch, Cassis, ein Hauch grüne Paprika, dunkle Schokolade, Kaffee. (94) Die zweite Flasche total diffus und stumpf, die Dritte Kork. Das TCA-Monster holte sich an dem Abend leider auch Palmer und L´Eglise Clinet.

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Der massivste und am jüngsten wirkende Wein der Probe war Leoville Barton. Gleichzeitig auch der mit dem höchsten Cabernet Anteil. Bei diesem Wein geht das Trinkfenster grade erst einen Spalt weit auf. Die Tannine fangen langsam an weich zu werden und lassen Cassis und Holunder Aromen durch, dazu etwas grüne Paprika und Holzkohle. Voller Körper, ein Maul voll Wein. Würde ich mir ohne zu zögern in den Keller legen und in ein paar Jahren zu einen riesigen Steak trinken. (95) Auch in St. Julien, aber etwas weiter Richtung Paulliac liegt das Chateau Leoville Las Cases und von hier stammt für mich der Wein des Abends. Der Grand Vin duftet nach Roter und schwarzer Johannisbeere, roter, gerösteter Paprika, Rauch, Bleistift und Mokka. Am Gaumen fast perfekte Balance: Saftige Säure, feines festes Tannin, Frucht, Würze, ewig langes Finish. Alles da ! (98)

 

Nicht unerwähnt will ich Haut-Brion lassen. Der Premier Cru aus Pessac Leognan mit seinem recht hohen Merlot Anteil, hebt sich von allen Weinen der Probe ab. Sehr eleganter, feiner, fast schlanker Stil. Der Wein mit dem feinsten Tannin. Unfassbar spannende Nase: Curry, Lorbeer, Miso, Zeder und kubanische Zigarren. Am Gaumen mit dezenter Kirsch- und Brombeer Frucht die mit Luft zunehmend präsenter wird. (96)