Vive la France - 3 Urlaubsweine aus schlechten Gläsern

 

Während Wein-Deutschland in Wiesbaden die Großen Gewächse des Jahrgangs 2014/2015 verkostet, befinde ich mich im Sommerurlaub. Südfrankreich, klassisch. Start in Nizza, Ende in Montpellier. Raus aus dem Alltag, Erholung und Tapetenwechsel steht im Vordergrund. Ich habe im Vorfeld keine Termine bei Weingütern gemacht. Ich wollte meine charmante Urlaubsbegleitung nicht auch noch im Urlaub mit dem ständigen geschlürfe nerven. Natürlich in dem Wissen, dass sich schon irgendwas ergeben wird. Ich mein hey, wir sind in Frankreich, auch noch in der Provence...und Urlaub ohne Wein geht sowieso nicht. Hier also ein kleiner vinophiler Urlaubsbericht:

In der Provence kommt man ja um Rosé irgendwie nicht herum. Leider kickt mich dieser Weintypus nur äußerst selten. So auch die ersten, eher belanglosen Saufrosés in den hiesigen Restaurants. Doch der gute Ruf der rosa farbenden Tropfen dieser Region, muss ja begründet sein. Hoffnungsvoll betrat ich darauf hin einen urigen Weinladen in dem kleinen Örtchen Fayence nord-westlich von Grasse. Nachdem ich mir zig Rosé Etiketen angeschaut hatte, die mir sowieso alle nichts sagten, wollte ich mich grade vom Verkäufer beraten lassen, da sah ich eine Flaschedie ich schon häufiger auf Weinkarten guter Restaurants gesehen hatte. Chateau Simone Rosé. Jahrgang 2015. Wollte ich immer schon mal probieren ! Gekauft, für stolze 35€. 

   

Kaltgestellt, aufgemacht: Im Glas ein helleres Rubinrot, für Rosé sehr kräftig. Ich habe schon Trollinger gesehen die heller waren. Nach dem ersten reinriechen, war mein erster Gedanke: Pinot Noir. Kirsche, Walderdbeere, Johannisbeerblätter, dazu Rosmarin, Pinienwäldchen, Lavendel. (zugegeben, hier riecht irgendwie alles nach Lavendel) Am Gaumen dicht und kräftig mit dezentem, feinem Tannin. Die 14 Alkohol steckt er gut weg. Würzige Sauerkirschfrucht gepaart mit der Wärme der Region. Das gefiel mir so gut, dass ich erstmal recherchieren musste was da so drin ist und wo das ganze herkommt. Denn ehrlich gesagt die AOC Pallette kannte ich bisher nur aus Büchern. Das Chateau selbst liegt in Meyreuil, ganz in der Nähe von Aix-en-Provence, wo zufällig auch unsere nächste Unterkunft lag ! Also einen Abstecher hin. Als ich die Adresse des Weingutes ins Navi eingab, warnte es mich direkt vor unbefestigten Straßen. Doch die kurvige Schotterpiste hoch zum Chateau stellte sich allerdings machbar heraus. Familie Rougier, welche seit Generationen dieses Chateau führt, besitzt hier 100 ha Land von denen aber nur 10 ha für Weinbau genutzt wird. Die Rebanlagen sind teilweise sehr alt und einige Parzellen sindMischsätze aus Syrah, Carignan, ein paar Muscat Variationen, aber auch unbekannteren Rebsorten wie Castet und Manosquin aus welchen mit 45% Granche und 30% Mouvedre der Rosé gekeltert wird. Die erst sehr skeptische Dame des Hauses wurde deutlich netter, als sie merkte das der komische Deutsche, der so gut wie kein Französisch spricht, gar nichts probieren wollte, sondern souverän ein 3er Karton Rosé verlangte. (In dem die Flasche übrigens 22€ kostete, 13€ günstiger als beim Caviste !) Als ich dann noch nach einer Magnum Flasche Chateau Simone Blanc fragte, entfuhr ihr ein erfreutes "Oh qui ! Magnum !" und verabschiedete uns sogar mit ein paar Brocken deutsch. 

 

Auf den nächsten interessanten Wein stieß ich auch eher zufällig. Nach dem wir in der Markthalle von Avignon ein paar herrliche Austern verdrückt hatten, schlenderten wir an den schließenden Ständen vorbei und entdeckten einen kleinen Weinladen am Rand der Halle. Dieser Laden verkauft ausschließlich Weine die in irgendeiner Weise von Michel Chapoutier gemacht oder vertrieben werden. Das das Handelshaus M. Chapoutier an der Rhône nicht klein ist, war mir schon bewusst, aber das es wirklich aus jeder AOC der Rhône mindestens einen Wein gibt war mir neu. Die meisten habe ich auf dem deutschen Markt noch nie gesehen. Unter anderem eine Appelation die man, auch auf Grund ihrer geringen Größe (64ha), generell eher selten sieht und welche vor allem für Schaumwein steht. Saint Peray. Aus diesem Fleckchen nördlich von Avignon, stellt Chapoutier aus der Rebsorte Marsanne einen Schaumwein namens Muse de RW her. Laut Backlabel, weil ihn die Kompositionen von Richard Wagner zu diesem Wein inspiriert haben. Schöne Geschichte...

Dieser Brut Nature Sekt aus dem Jahrgang 2012 liegt drei Jahre auf der Hefe, was die Perlage sehr fein gemacht hat. Aromatisch ist dieser Wein mit nichts aus meiner Comfort Zone, Champagner oder Rieslingsekt, zu vergleichen. Die erste Nase erinnert mich spontan an Sake. Sehr Floral und nach Getreide. Danach reife gelbe Birne und Mandel. Am Gaumen natürlich alles andere als karg, aber mit erstaunlich frischer Säure ausgestattet. Nice !

 

Next Stop: Châteauneuf du Pape. Ein Name der für Rotwein mit Weltruf steht und den sogar Wein-Laien schon mal gehört haben. Aber eigentlich ist es nur ein kleines Dorf 30 km nördlich von Avignon, direkt an der Rhône auf einem Hügel. Ganz oben befinden sich die Überreste eines altes Schlosses, von welchen man eine tolle Aussicht über die Rebflächen bis hin zum Mont Ventaux hat. Die Weinberge sind von hier oben betrachtet eher flach und unspektakulär, doch steht man drin, fallen einem die Flusskiesel, Galets genannt, welche die meist lehmigen Böden vieler Weinberge komplett bedecken, sofort ins Auge. Junge Reben scheint es kaum zu geben, überall alte, dicke Knorze.

 

Da wir noch eine Flasche für unser Abendessen brauchten, schauten wir, bei der direkt im Ortskern gelegenen Domaine de Pegau vorbei. Meiner Meinung nach eine Bank in C9dP. Der Stil des Hauses ist eher etwas straffer und nicht so überextrahiert, wie es bei einigen Gütern der Fall ist. Da das Thermometer die 30 Grad Grenze deutlich überschritten hatte, ging der Griff zur 2014er Cuvee Reservée Blanc aus überwiegend Clairette, dazu Granche Blanc, Rousanne und Bourboulenc. Aromatisch Richtung Pfirsich, Cavaillon Melone und etwas reife Stachelbeere. Am Gaumen kräuterig, erdig und cremig, aber mit einer erstaunlich präsenten Säure ausgestattet (kühles Jahr, keine Malo). Erinnert mich tatsächlich etwas an Silvaner und passt irgendwie zur Pegau Handschrift.  Santé ! TW

 

Eins muss ich noch anmerken: Ich habe alle Weine aus wirklich beschissenen Gläsern verkostet (Getrunken...Urlaub !). In keiner unserer wirklich erstklassigen gab es Weingläser die mehr als 0,15 l fassten...also bis zum Rand versteht sich. Ich musste teilweise auf bauchige 0,3l Wassergläser ausweichen, weil diese sich besser eigneten. Ein Reise-Zalto wäre ein tolles Gadget !