Champagne Unplugged - Zero Dosage

Champagner ohne Zucker. Zero Dosage. So wie Cola Zero. Klingt fast nach hippen Trends wie Clean Eating oder dem Detox Wahnsinn. Aber keine Angst, Alkohol ist trotzdem drin und den CO2 Fußabdruck verbessert dieses herrliche Sprudelgetränk bei der ganzen Kohlensäure und der schweren Flasche sicher auch nicht. Was soll das ganze dann ? Klären wir vor dem Warum erstmal das Wie. Champagner oder auch Winzersekt, ist im Endeffekt nichts anderes als stiller Wein, der durch Zugabe von Hefe und Futter für die Hefe, also Zucker, eine zweite Gärung auf der Flasche durchmacht. So entsteht Kohlensäure welche sich durch Druck im Wein bindet. Da die Hefen sämtliche Zucker verstoffwechseln, ist der Wein nach diesem Prozess faktisch kompletttrocken. Die Hefe stirbt ab und wird nach mehr oder weniger langer Lagerung in den Flaschenhals gerüttelt und dann raus geschossen, damit der Konsument keine trübes Zeug trinken muss. Man nennt diesen Verfahren Degorgieren. Dabei geht natürlich auch immer etwas vom Wein verloren. Doch keine Panik, dieses Schlückchen wird wieder aufgefüllt. In den meisten Fällen mit einer Mischung aus einer Art Traubenzuckersirup und Wein, der Versand Dosage. Denn auch wenn sie es nicht zugeben wollen, die meisten Weintrinker sind einer kleinen Portion Süße nicht abgeneigt. Früher wurde Champagner meist sehr süß getrunken. Heute ist die meistverkaufte Dosierung Brut, also bis zu 16g Zucker pro Liter. Winzer die einen Zero Dosage Champagner herstellen möchten, lassen den Zucker in der Dosage einfach weg und füllen einfach mit selbigem Champagner auf. Auf dem Etikett ist dann oft Brut Nature oder Ultra Brut zu lesen. Aber nicht immer, denn auch mit nur 1g Zucker pro Liter (was einem Brut Natur entspräche) darf man „Brut“ auf das Etikett schreiben. Ein Untergenrenze sieht das Weingesetz nämlich nicht vor. Manch ein Winzer macht also einen staubtrockenen Champagner, nennt ihn aber „Brut“, weil es sich anscheinend besser verkauft.

 

Meiner Meinung nach, zeichnet sich so langsam ein Trend in die richtig trockene Richtung ab. Und zwar nicht nur bei den kleinen Champagne Winzern, sondern sogar bei so manchem großen Haus. Roederer zum Beispiel hat mittlerweile einen Brut Nature Schäumer im Portfolio der gar nichtmal schlecht ist… 

 

Fragt man Benoit Tarlant warum die meisten seiner Champagner ohne Zucker Zusatz auf den Markt kommen, sagt er nur bedeutungsschwer „Terroir“ ! Er möchte, dass die Herkunft seiner Weine im Glas spürbar wird, unverschleiert vom Zucker. Jahrgang, Klima, Boden. Und Böden gibt es in der Champagne und vor allem im Valley de la Marne wo das Haus Tarlant zu Hause ist, eben nicht nur Kreide, sondern verschiedenste Gesteinsarten von Kalk über Mergel bis Lehm. (Wer sich genauer über Bödengin der Champagneinformieren will, dem lege ich diesen Artikel von Kollege Christoph Raffelt wärmstens ans Herz). 

Einer von Tarlants Vier Jahrgangschampagnern (ausgenommen die Prestige Cuvees) ist der 2003er „La Matinale“ und der einzige der aus einer klassischen Rebsorten Cuvee besteht und nicht, wie die anderen drei aus nur einer Rebsorte. Die Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier Trauben dieses Weines stammen alle aus dem Marne Tal. Benoit Tarlant ist es durch sein biodynamische Arbeitsweise, den alten, tief wurzelnden Reben und hervorragender Laubarbeit gelungen, auch in einem Rekord Hitzejahr wie 2003 einen eleganten, erfrischenden Champagner zu erzeugen. Der Wein wurde 2004 abgefüllt und 10 Jahre später im Juli 2014 degorgiert. Dieses lange Hefelager verleiht dem Champagner mehr Struktur und eine sehr feine Perlage. Riecht man hinein, strömen einem Aromen von weißem Nougat, Apfel, Hefezopf und dem grünen Rand einer Wassermelone entgegen, aber auch eine Note die an Palo Cortado Sherry erinnert. Am Gaumen dann salzig und frisch, nach gelber Grapefruit. Tarlant verzichtet bei allen Champagnern auf den biologischen Säureabbau, was dem „La Matinale“ eine vibrierende Säure verleiht und ihn zu einem Weltklasse Erfrischungsgetränk macht.

 

Ein noch größerer Verfechter des Brut Nature ist Vincent Laval vom, im Örtchen Cumieres in der Nähe vom Epernay gelegenen Weinguts Georges Laval. Hier kommt nahezu die gesamte Jahresproduktion von überschaubaren 9000 Flaschen ohne Dosage auf den Markt. Sein „Basis“ Wein, der Premier Cru Brut Nature ohne Jahrgang, eine Cuvee aus seinen 7 Parzellen in Cumieres wird vorwiegend aus Chardonnay gekelltert. In der Aromatik und im Geschmack unterscheidet er sich deutlich vom „La Matinale“. Riecht man hier hinein kommt einem ein Mix aus Pfirsich, Mandarinenschale, Aprikosentart, Orangenblüten und hellem Tabak entgegen. Man will sofort probieren so einladend ist der Duft. Am Gaumen wieder viel Mandarine und Pfirsich, dazu kommt reifer, roter Apfel und etwas dunkel gebackener Blätterteig. Der Champagner ist etwa fülliger, was dazu führt, das man garnicht merkt, wie trocken er eigentlich ist. Ich warne vor diesem Champagner ausdrücklich: Die Flasche leert sich in Rekordzeit. 

Als Fazit kann ich nur sagen, dass mir Zero Dosage Schaumweine, wenn sie gut gemacht sind sehr viel Spaß machen und ich immer häufiger zum Brut Nature greife. Man trinkt gerne das zweiteoder dritte Glas und es ist manchmal einfacher zu erkennen wo der Wein seinen Ursprung hat. Ich möchte damit auf keinen Fall den klassischen Brut Champagner abwerten. Auf einigen der besten Flaschen meines Lebens waren diese vier Buchstaben zu lesen…

 

Cheers