Wein Roadtrip Tag 3: Von Flöhrsheim-Dalsheim nach Mainz. Deutscher Champagner, Porphyr und kein Hotel.

Nach so einem Abend, kann man am nächsten Tag eigentlich nur aufhören oder mit einer morgendlichen Sektprobe bei einem der besten Versekter Deutschlands in den Tag starten. Also sitzen wir um 10.00 Uhr bei bei Chef Bubble-Maker Volker Raumland und seiner Frau am Tisch und die ersten Korken ploppen aus den Flaschen. Nebenbei bemerkt in einem der schönsten Anwesen die ich je gesehen habe. Der Hausherr erklärt uns seine Art der Sektbereitung. Ihm geht es um Harmonie und dazu gehört auch, dass die meisten seiner Grundweine die malolaktische Gärung durchlaufen um die etwas spitzere Apfelsäure in Weinsäure umzuwandeln. Zucker braucht Volker Raumland um Harmonie zu erreichen eher wenig. Auf nahezu allen Etiketten ist zwar Brut zu lesen, doch das hat vermarktungstechnische Gründe, denn viele dieser Sekte bewegen sich im extra Brut oder sogar Zero Dosage Bereich. Nachdem wir die Haus-Cuvees Marie Louise und Katharina, benannt nach seinen Töchtern, verkostet haben, geht es eine Stufe höher in den Prestige Bereich. Der Sekt Guru Raumland kommt in fahrt und wir immer redseliger, was daran liegt, dass wir oft zu einem Thema abschweifen, welches die Raumlands seit vielen Jahren begeistert wie kein zweites. Champagner. Wir reden über Winzerchampagner und kleine Häuser, Entdeckungen und Geheimtipps. Volker Raumland merkt, dass er mit Pascal und mir, zwei Champagne Freaks am Tisch hat und zieht das Champagner Handbuch von Eichelmann aus dem Regal, um uns seine Favoriten zu zeigen und wir suchen unsere raus.

 

Im Glas befindet sich mittlerweile die wohl bekannteste Cuvee des Hause, der Triumvirat. Aktueller Jahrgang 2009. Üppig, nussig, weißer Pfirsich, ausladend. Man spürt das warme Jahr. Trotzdem elegant. Noch besser gefällt mir der 2008er Riesling Prestige. Schlank und straff, trocken mit irrem Zug. Volker Raumland erzählt uns nebenbei dass er sich in den nächsten Jahren noch mehr auf seine eigenen Sektkreationen konzentrieren möchte und die Lohnversektung runter schrauben will. 

 

Als nächstes gibt es ein Highlight ins Glas. Chardonnay 2004 aus der Spitze der Qualitätspyramide, der Vintage Serie. Die Sekte aus dieser Reihe lagern mind. 10 Jahre auf der Hefe uns stammen aus der Dalsheimer Lage Bürgel. Die Raumlands denken drüber nach die Vintage Weine bald als Deutschen Sekt b. A. mit Nennung der Einzellage auf den Markt zu bringen um auch die Herkunft in den Vordergrund zu stellen. Ich halte dies für einen logischen Schritt, da es dem deutschen Trend und auch dem Vorbild Champagne entspricht. Der Wein jedenfalls ist groß. Geröstete Haselnüsse, Süßholz, Orangenschale, weißer Nougat, Nutella, gradlinig mit toller Struktur. Wir quatschen weiter über Schaumwein und Volker (wir sind mittlerweile beim Du), erzählt über einen interessanten Beratungsauftrag in England und das dortige Potential für guten Sekt. Ich berichte von meinen Londoner Erfahrungen mit dem Sektgut Ridgeview in Essex und Pascal beichtet, dass er noch nie britischen Wein verkostet hat. Sekunden später schießt der Korken aus einer Flasche Ridgeview Blanc de Noir, die Volker von wer weiß wo hergezaubert hat. Nicht die Qualität der Raumland Sekte, aber trotzdem sehr gutes Zeug. Wir könnten noch den ganzen Tag an diesem Tisch sitzen, trinken und diskutieren und ich glaube Volker auch. Doch wir sind mal wieder eine halbe Stunde hinter der Zeit müssen weiter. 

 

Next Stop Siefersheim. Da wo Rheinhessen etwas rauer und kühler ist. Und noch einen großen Unterschied gibt es zum Rest des eher Lehm und Kalk dominierten Anbaugebiets, den Boden. Hier endet ein von der Nahe kommendes Porphyr Band, ein brüchiges Vulkangestein, welches die Weine hier prägt. Wir besuchen das erste Haus am Platz, Weingut Wagner-Stempel. Betriebsleiter Oliver empfängt uns und wir steigen in den Landrover und fahren auf über 200 Meter auf die Spitzenlage des Weingutes, die Heerkretz. Für rheinhessische Verhältnisse eine Steillage. An mehreren Stellen treten Porphyr Brocken zu Tage. Oliver erzählt von der mühsamen Arbeit der Rückgewinnung dieser Lage von der Natur, denn ein Teil der Herrkretz war komplett mit Büschen und Bäumen überzogen. Oliver zeigt uns sogar einen Einblick in den felsigen Boden der Region, denn wir halten auf der Rückfahrt an einem Steinbruch. Hier wird deutlich wie massiv das Vulkanische Gestein ist und wie dünn die Bodenauflage. 

 

Zurück am wunderschönen Weingut Verkosten wir mit Chef Daniel Wagner die aktuelle Kollektion. 2015 ist stark. Eine kühle knackige Scheurebe macht mir richtig Spass, hatte ich garnicht auf dem Schirm. Der Siefersheimer Ortsriesling Porphyr gehört für mich jedes Jahr zu den besten Weinen in seiner Kategorie. Auch 2015. Grapefruit, Limette, Grüner Apfel, Salz und dieses unverkennbar Rauchige, was ich einfach mal auf das Vulkangestein schiebe. Auch die gereifte Version aus 2012, die quasi als Reserve jetzt wieder auf den Markt kommt, weißt diese Note auf und ist schon runder und in sich ruhend, aber mit vibrierender Säure und Spannung. Das GG aus der Heerkretz ist der Ortsriesling in dichter und komplexerer Form mit noch mehr Grip. Ein Wein der in jeden Keller gehört !

 

Und schon sind wir wieder auf der Strasse, jetzt Richtung Mainz. Doch vorher machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Bodenheim beim Weingut Kühling-Gillot bzw. Battenfeld-Spanier. Vertriebsleiter Frank Schuber empfängt uns in der modernen und sehr eindrucksvollen…Probierstube..? Ne, eher Eventlocation. Auch hier eine durchweg starke Kollektion. Sehr gut gefallen mir die Restsüßen Weine vom Roten Hang, sowie das extrem unfruchtige, karge undsteinige Große Gewächs aus dem Schwarzen Herrgott von H.O. Spanier. 

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Wieder im Auto. Wir fahren grade in Mainz ein. Wer jetzt beim lesen, das Gefühl bekommt wir seien etwas gehetzt, der irrt nicht. Blame it on Raumland :) Wir haben ein Date mit Jungwinzer und Shootingstar Tobias Knewitz in einer Weinbar. Ich bin zum ersten mal mit dem Auto in Mainz und so sehr ich die Stadt mag, muss ich sagen es ist die Hölle. Null Parkplätze und 8 Millionen Einbahnstraßen. Naja sei es drum, nach einer halben Stunde Parkplatzsuche sitzen wir im Laurenz und ich fühle mich sofort wohl. Nette Leute, gemütlicher Laden, super Küche und absoluter Fokus auf rheinhessische Weine. Wir probieren Weißburgunder und Chardonnay Fassproben von Mr. Knewitz aus Appenheim. Erstaunlich die Unterschiede der einzelnen Fässer. Wir verkosten, diskutieren und genießen das Essen. Nebenbei frage ich einen Mitarbeiter des Laurenz ob er uns ein Hotel für die Nacht empfehlen könnte. Hilfsbereit verspricht er, sich um ein Zimmer für uns zu kümmern. Nach einer halben Stunde kommt er mit schlechten Nachrichten zurück. Es gibt an diesem Tag kein einziges Zimmer mehr in der ganzen Stadt. Das Internet bestätigt seine Aussage. Shit ! Fahren geht auch nicht mehr. Wir suchen weiter, telefonieren rum. Irgendwann bekommt der Geschäftsführer des Laurenz Andreas, Wind von unserem Problem und lädt uns kurzerhand ein in seinem Gästezimmer zu nächtigen ! Das nenne ich echte Gastfreundschaft ! Wir packen den Winzer ein und laufen zu unserer Schlafstätte. Nach ein paar Bierchen, muss dann noch eine Flasche 2009er Kabinett aus der Sonnenuhr von J.J. Prüm dran glauben. Geht halt immer. Aber auch die Folgeflasche 2015er Kabinett vom Niersteiner Winzer Kai Schätzel ist großartig. Riesen Dank an Andreas !!!

 

So jetzt ist endlich Schluss mit den Reiseberichten. Danke an alle Winzer die wir besuchen durften. Überall wurden wir herzlich empfangen und man hat sich viel Zeit genommen, obwohl wir ständig zu spät waren. Danke auch an Marc Weinreich für den Schlafplatz und danke an Pascal, du warst der beste Roadtrip Buddy !