2016 Prowein Düsseldorf - Push. Zahnschmerzen. Altbier.

Nein, 2016 war nicht mein Debüt auf der Messe, die sich um mein liebstes Hobby dreht. 

Eigentlich war es meine dritte Prowein. Doch aus "einfach mal schauen" vor einigen Jahren, wurde dieses Jahr ein straffes, fokussiertes Programm mit einer langen Liste von deutschen und österreichischen Weingütern, die abgearbeitet werden wollte.

Ein Novum für mich war die erschreckend gute Vorbereitung meinerseits und die Tatsache, das Erlebte im Nachhinein als einen kleinen Text 'mal niederzuschreiben. Ganz subjektiv, ohne Wertung, mehr ein Bericht für meine Erinnerung und eine Art Shopping-List für das laufende Jahr. Die gute Vorbereitung wurde jedoch sehr schnell durch eine Mischung von Reizüberflutung und eine Art „Kind-im-Spielzeuggeschäft“- Gefühl zunichte gemacht.

Mein Plan war es eigentlich, sich zu jedem verkosteten Wein eine kurze Notiz zu machen. Schier unmöglich. So entschied ich mich relativ schnell dazu, nur das zu notieren, was bei diesem sehr hohen Verkostungstempo hängen bleiben sollte. Mit meinem Bruder im Schlepptau, den ich von Zeit zu Zeit mit einem kurzen „Push“ wieder ins Tempo bringen musste, machten wir uns nach Ankunft in den Messehallen auf zur Gemeinschaftsarea des VDP.

Nun sitze ich letztlich doch vor meinen chaotischen Aufzeichnungen in Form von zerknickten DIN-A4 Zetteln.

Mal sehen, was ich noch alles zusammen bekomme:

Das Erste, was mir wohl in Zukunft zur Prowein 2016 in Erinnerung gerufen wird, ist der Name Kai Schätzel. 

Der VDP Neuling stieß nicht nur mit seinen coolen türkisfarbenen Flaschen direkt ins Auge sondern auch in den Gaumen und sollte mich dermaßen flashen, dass es für mich die interessanteste deutsche Gesamtkollektion im trockenen Rieslingbereich werden sollte. Puristisch, klar, mit Zug und Fokus auf dem Terroir zündete Kai eine Bombe nach der anderen. Pettenthal, Hipping, usw. Peng. Peng.

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

 

Ein weiteres Highlight waren für mich 3 frische 2015er Weine eines meiner Lieblingsweingüter. Schäfer-Fröhlich von der Nahe. Trocken mit dem 2015 Schiefergestein Riesling gestartet wurden wir später dann von Tim Fröhlich mit 2015 Felseneck Kabinett und 2015 Felseneck Spätlese versorgt. 

Beim ersten Schluck vibrierte die feine Säure vom Gaumen, wie ein Blitz, direkt in den Teil des Gehirns eines Rieslingtrinkers, welches für die Ausschüttung von Glückshormonen verantwortlich sein muss. Sehr klar und nur ein leichter aber typischer SF Stinker in der Nase, auf den ich ziemlich stehe by the way, machten diese 3 Samples unvergesslich.

 

Auch ein Wein aus Pünderich sollte sich mit seiner feinen, süchtig machenden, Säure in mein Gedächtnis brennen. Gerade schon einmal diesen, vermutlich verpönten, Begriff „vibrierende Säure“ verwendet, trifft es wohl nichts besser um das 2014 Marienburg Fahrlay GG von Clemens Busch zu beschreiben. Mit unverschämter Länge und Komplexität ist dies wohl ein perfektes GG von der Mosel. Dicht gefolgt vom 2012 Falkenlay GG, welches mir auch sehr gut gefallen hat und mich wohl leider jetzt erst verstehen ließ, warum Clemens Busch eine so große Fangemeinde unter Rieslingtrinkern hat. Da muss ich mich wohl als Spätsünder outen.

 

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

 

Zum Abschluss der großen VDP Runde, nahmen wir uns dann konsequent die VDP Mosel-Saar-Ruwer-Weingüter vor. Meine drei Favourites in der Refresh-Zone waren: Forstmeister Geltz-Ziliken 2010 Riesling Goldkapsel Auslese (als nur einer von vielen Weinen aus Saarburg). Schloss Lieser 2015 SL Riesling Kabinett und St. Urbanshof 2015 Ockfener Bockstein Riesling Kabinett. Beides Fassmuster. Da mein Lieblingskabi in 2014 der Saarburger Rausch Riesling Kabinett war, kann ich es kaum erwarten den 2015er künftig zu verkosten. Aus diesem jetzt schon so zugänglichen und anscheinend tollen Jahr 2015. Hier erspare ich mir jetzt lieber das Wort "groß". :)

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

Kurz zuvor hatten wir bei Facebook gelesen, dass J.B. Becker aus dem Rheingau auch ein paar gereiftere Sachen ausschenken würde. Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen einen kleinen Zwischenstopp einzulegen und freuten uns z.B. über 1994er Wallufer Walkenberg Riesling Kabinett trocken und die damit verbundene Achterbahnfahrt von jungen frischen MSR-Kabis zu gereiftem trockenen Rheingau Stuff. 

 

Auf dem Weg zum Feinschmecker-Stand kamen wir dann mehr oder weniger zufällig noch am Chat Sauvage Messeauftritt vorbei. Mit einem schon etwas angeschlagenen Geschmackssinn starteten wir die Verkostung bei einem Weingut, von deren Weinen ich eigentlich immer angetan war. Diese Erinnerung sollte auch nicht getrübt werden und die Erwartungen wurden alles andere als enttäuscht. Sowohl die Chardonnays als auch die gezeigten Pinots waren allesamt top und haben mich zu 100% abgeholt. Der 2014 "Clos de Schulz“ Chardonnay auf der weißen und der 2013 Lorcher Kapellberg Pinot Noir auf der roten Seite waren meine persönlichen Winner.

Beim Feinschmecker angekommen und fast im Gewusel des, wie immer, sehr gut besuchten Standes orientierungslos geworden, sollte mich nicht nur die Salami und der Lardo auf Wolke 7 schweben lassen, nein auch Bernhard Huber's und Gantenbein’s Weine hielten was Ihre große Namen ahnen ließen. Wie auch schon bei Chat Sauvage waren es die beiden Burgunder Trauben, die mich schwärmen ließen. Sowohl Huber 2013 Chardonnay & 2011 Sommerhalde Spätburgunder als auch Gantenbeins 2013 Chardonnay und 2013 Pinot Noir versüßten mir den Nachmittag mit dezentem aber auch präsentem Holzeinsatz. Ganz stark. 

 

Das Ende von Tag 1 läuteten wir an Hendrik Thoma’s Wein am Limit Camp ein und kamen in den Genuß von freaky Weinen von Eben Sadie (großartiger Typ) und großen Mullineux Weinen aus Südafrika. Auch Eduard vom Gut Oggau, Stephen Paeffgen von Chateau Le Reysse und Josephine Kramer von Candialle wieder zutreffen war eine große Freude. 

Eine Sache hatte ich jedoch Unterschätzt. Nach ca 300 verkosteten Weinen zeigten mir meine Zähne einen Vogel und baten mich die Heimfahrt nach Bochum anzutreten. Apropos Vogel. Hat das VDP Maskottchen, der Traubenadler, eigentlich schon einen Namen? 

 

Photo by VDP Facebook

Photo by VDP Facebook

Nicht nur auf Deutschland lag, wie schon erwähnt, mein Fokus. Nach einem kurzen Zwischenstopp zum wach werden an Tag 2 bei Grand Cru Select und die Verkostung neuer und etwas gereifteren Weinen von J.J. Prüm bei sehr herzlichen und sehr gut gelaunten Damen Petra Pahlings und Dr. Katharina Prüm, ließ ich mir es nicht nehmen noch schnell die ganze Palette von St.Antony zu verkosten bevor es dann fix in die Österreich-Halle ging.

Als Tement-Fan stand der Besuch von Armin und seiner Frau ganz oben auf meiner Liste. Ich mag grundsätzlich die ganze aktuelle Range von Familie Tement aus der Südsteiermark. Doch bei der Anzahl der vorhandenen Weine, denke ich, ist es nicht verwerflich nur einige rauszupicken und so ist es vermutlich keine Überraschung, dass mich besonders die beiden 2014er Sauvignon Blanc Sernau und Zieregg und der 2014er Morillon Ziergg begeistert haben.

Ein weiteres Highlight für mich war definitiv Marion Ebner-Ebenauer. Ähm… Also sie zweifelsohne auch, aber doch in erster Linie die Grünen Veltliner und Ihr 2008 Blanc de Blancs Zero Dosage Sekt. So wie Marion & Ihr Mann Manfred Ihre 2015 Grünen Veltliner Sauberg und Bursting auf die Flasche bringen, stelle ich mir ernsthaft die Frage zum GV-Roboter zu werden. Das würde aber dann jetzt hier in eine falsche Richtung gehen an dieser Stelle. Getoppt wurden Sauberg und Bursting nur noch einmal vom Premium Veltliner 2013 „Black Edition“.

Den fantastischen Gin Aeijst bei Uwe Schiefer schon im Blick bekam ich noch den Hinweis (von einem 99+PP Geheimagenten) mal „den Chardonnay“ beim Weingut Herist zu checken. Da ich sowohl Herist nicht kannte als auch sehr neugierig bin, wenn man schon einen expliziten Hinweis zu einem Wein bekommt, ließ ich mir es nicht nehmen das ganze Angebot durchzuprobieren. 

Der erste Eindruck. Super stylische Etiketten und Verkostungslisten. Ja ich weiss, dass das nichts über die Qualität des Weines aussagt. Nichts? Ich bin mir da nicht so sicher. Klar ist Design nur subjektiv wahrnehmbar aber ich finde es zeigt oft die Passion eines Einzelnen bis ins kleinste Detail. Und so sollte es sein. Wie mir der junge Herist aus dem Südburgenland erzählte hatte er noch im Vorjahr andere Etiketten mit denen er nicht zu frieden war und stellte  das Packaging seines kompletten Sortiments nach nur einem Jahr noch einmal um.

Der zweite Eindruck. Ein junger Mann. Vermutlich Generationenwechsel am Weingut im Gange. Präsentierte mir seine sehr coole, trockene auf’s Terroir fokussierte und puristische Palette an weissen Weinen. Vom Welschriesling über Weissburgunder bis zum Chardonnay. Ja dieser Chardonnay „Quarzit 2013“ war wohl für mich die Entdeckung der Österreich-Halle.

Die anstrengenden aber höchst interessanten Tage endeten mit einem eiskalten Altbier am Hauptbahnhof in Düsseldorf. Ich glaube jeder Besucher der Prowein kennt genau diesen fantastischen Moment. 

Da bleibt mir abschließend nur zu sagen: Schlösser Alt am Hauptbahnhof nach der Prowein: RR 99+

Sekte / Schaumweine (DE+AT), die mir positiv im Gedächtnis geblieben sind:

Rebholz 2010 πNo. Rosé,

Weinreich 2015 Pet Nat,

Barth 2011 Hassel Riesling Brut

von Buhl 2014 Brut Reserve. 

Lauer Riesling Brut Reserve 1991 + 1992

Ebner-Ebenauer  2008 Blanc de Blancs Zero Dosage 

 

Weitere einzelne Weine (DE+AT), die hängen geblieben sind:

Thörle 2015 Probstey Silvaner

Knoll 2015 Riesling Ried Schütt

 

Weitere Gesamt-Kollektionen (DE+AT) die mir positiv im Gedächtnis geblieben sind:

Sankt Annaberg - Pfalz

Oliver Zeter Reserve Weine - Pfalz

Künstler - Rheingau

Reichsrat von Buhl - Pfalz

Freiherr Langwerth von Simmern - Rheingau 

Breuer - Rheingau

Moric - Burgenland 

Lichtenberger Gonzales - Burgenland