Gut Oggau

Oggau ist eine kleine Gemeinde im Burgenland nicht unweit des Neusiedler Sees, mit sehr langer Weinbau Tradition. Keine zehn Jahgänge hat dagegen das gleichnamige Gut Oggau auf dem Buckel. Geführt wird das Gut von Eduard Tscheppe-Eselböck und seiner Frau Stephanie, welche aus einer bekannten Gastronomie Familie stammt. Eduard hingegen ist ein Kind der Reben und hat sein Handwerk in Wien gelernt. Was die beiden eint, ist nicht nur die Liebe zum Wein sondern vor allem zur Natur. Daher war von Anfang an klar, dass die beiden ihre Rebflächen, hauptsächlich Blaufränkisch, Rössler, Grüner Veltliner und Weißburgunder, auf eine biodynamische Bewirtschaftung umstellen. Der Verzicht auf Pestizide im Wingert ist dabei obligatorisch. Statt dessen werden biodynamische Präperate im Weingarten ausgebracht, welche die Pflanzen präventiv gegen Krankheiten oder Pilzbefall schützen und den Boden lebendig halten sollen.  Eduard stellt diese Präperate in der Gruppe mit anderen Winzern und Bauern her. "Das ist auch gut für den Erfahrungsaustausch untereinander", sagt er. Selbiges ist auch ein Grund für die Mitgliedschaft im Demeter Verband. Lernen, Austausch und Weiterentwicklung. "Außerdem ist es leider notwendig für die Glaubwürdigkeit", sagt Eduard. Er würde es lieber sehen, das Betriebe welche Gift spritzen, dieses auf dem Etikett vermerken müssten. Aber so weit sind wir wohl noch nicht.

Doch nicht nur im Weinberg, sondern auch im Keller wird im Gut Oggau eine klare Philosophie verfolgt. Die Philosophie einer sehr ursprünglichen Weinbereitung. Alte Holzfässer, Vergärung mit wilden Hefen und wenn möglich Verzicht auf Schwefelzugabe. So darf ein Wein auch mal eine kleine zweite Gärung auf der Flasche durchmachen, wenn noch etwas Restzucker zur Verfügung stand. Eduard nennt das, den "zweiten Frühling auf der Flasche". Rebsorten und ihre Aromentypizität spielen eher eine untergeordnete Rolle. Spannend müssen Weine für Ed sein und Zug müssen sie haben. Aber auch das Äußere muss passen. So ziert jede Flasche das gezeichnete Konterfeis eines fiktiven Charakters, welcher oder welche die Eigenschaften das entsprechenden Weines besitzt. Seien es Ecken und Kanten, Charisma oder eine unglaubliche Wirkung auf Frauen. Einen ganzen Familienstammbaum haben die beiden schon zusammen.

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Da gibt es zum Beispiel Timotheus aus der "eleganten Elterngeneration", eine Cuvee aus Grünem Veltliner und Weißburgunder. Der 2013er Jahrgang zeigt sich erst verschlossen und etwas reduktiv. Doch nach ein paar Minuten im Glas gibt er dann richtig Gas. Erst duftet er nach Brotkruste, Malz, Koriander Saat und grünen Nüssen, danach kommen auch Apfel und Sternfrucht Aromen durch. Am Gaumen macht Timotheus ordentlich Alarm. Der feine Gerbstoff sorgt für extremen Zug. Ein Wein den man den ganzen Abend durch trinken kann, ohne dass es einem langweilig wird. (89)

Der Vater von Timotheus hört auf den Namen Bertholdi. 100% Blaufränkisch aus den ältesten Weingärten des Gutes. Gepresst mit ca. 200 Jahre alten Baumpressen, dann 2 Jahre in 500 Liter Fässern ausgebaut. Ein in sich ruhender Wein der Zeit braucht, keine fruchtige Alkoholbombe. Der 2011er fängt langsam an sich zu öffnen und zeigt neben Aromen von Brombeer, Weichsel und Blutorange auch etwas Leder und grüne Paprika. Das ganze mit einer unverschämten Länge. (92)

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Die Matriarchin der Familie ist Mechthild, reiner Grüner Veltliner und das Beste was ich bisher von Gut Oggau im Glas hatte. Mirabelle, brauner Apfel, Salbei, Akazienhonig, Hopfen, weisser Pfeffer und geröstete Nüsse sind nur ein kleiner Ausschnitt des Aromenfeuerwerks was da gezündet wird. Am Gaumen sehr dicht, komplex und würzig von harmonischer Säure getragen, aber mit Punch wie die Klitschkos. Nach ein paar Stunden wurde der Wein etwas weicher und im Duft kamen Noten von Zitronenschale und selbstgemachtem Eistee hinzu. Ein großer Wein mit viel Spannung und Potential. (94)

 

Neben dem Familienstammbaum gibt es auch noch einen Brut Nature Sekt, der alles andere als Mainstream ist. Jede der nur 1000 Flaschen ist von dem Österreichischen Künstler Oliver Hölz individuell gestaltet. Der Grundwein besteh aus Pinot Noir welcher ein Jahr im Fass verbracht hat. Nach der zweite Gärung bleibt der Hefetrub in der Flasche. Entweder man dekantiert den Sekt dann, oder trinkt die Hefe einfach mit. So wie ich. So schmeckt das letzte Viertel nochmal komplett anders. Leider habe mir zum Sekt keine Verkostungsnotizen gemacht, sondern einfach nur getrunken. Ein gutes Zeichen. 


Fazit: Eduard ist ein super Typ der Biodynamie lebt und vibrierend lebendige Wein macht und zu einer Bochumer Currywurst nicht nein sagen kann.

Link zum Weingut:

www.gutoggau.com