Bordeaux Biodynamisch

Das Bordelaise ist gilt ja doch eher als ein konservatives Weinanbaugebiet was bio-oder biodynamische Bewirtschaftung angeht. Im Vergleich mit dem kurz zu vor besuchten Loire Tal ist es das auch. Aber bei vielen Häusern des linken und rechten Ufers, findet seit einigen Jahren ein Umdenken statt. Auch bei den Big Playern der Grand Cru Chateaux. Eins der besten Beispiele ist sicher das Chateau Pontet Canet. 1855 als fünfter Cru klassifiziert, würde es heute nicht nur wegen der 100 Punkte von Bobby Parker für den 2010er, ganz oben mit dabei sein. Das Chateau Pontet Canet liegt im Herzen des Medoc in Paulliac. Seit die Familie Tesseron das Ruder in der Hand hält, wird der Gedanke der Biodynamie stetig weiter entwickelt. Seit 2014 ist das Weingut sogar Mitglied im Demeter Verband. Trotz der Größe wird hier alles daran gesetzt stark im Einklang mit der Natur zu arbeiten und mit Hilfe von lebendigen Böden und schonender Verarbeitung noch mehr Terroir in die Flasche zu bekommen. In den mit 10.000 Stöcken pro Hektar sehr dicht bepflanzten Weinbergen, werden 8 Pferde eingesetzt um diese zu bearbeiten. Die Gäule verdichten den Boden deutlich weniger als ein Traktor, doch schaffen sie nur knappe 40ha und damit nur die Hälfte der Rebfläche. "Das werden wir bald ändern", erzählt die junge Justine Tesseron und zeigt uns stolz die Baustelle für die neuen Stallungen. Hier werden bald zwanzig Pferde Platz haben um die komplette Rebfläche zu bewirtschaften.

 

Im Keller angekommen gehen wir vorbei an den hölzernen Bottichen in dem ausschließlich der Cabernet vergoren wird. Merlot wandert in die sich nach oben verjüngenden Beton Behälter. Durch die spezielle Form, die Kellermeister Jean-Michel Comme ausgetüftelt hat, wälzt sich der Maischehut von selbst bei der Gärung um, so das weniger über gepumpt werden muss. Auch ein Pferdeanhänger mit dem man mehrere Rebzeilen gleichzeitig mit biodynamischen Präparaten spritzen kann, hat der Kerl erfunden, verrät Justine Tesseron. Neben dem imposanten Barrique Keller dann etwas, das man in Bordeaux vielleicht nicht erwartet: Tonamphoren und zwar eine Menge ! Wobei Ton nicht ganz richtig ist. Sie sind aus einer Mischung aus Ton, Beton, Lehm und Kies, zum Teil aus dem Boden der Weinberge. Damit der Wein etwas von seinem Terroir mitbekommt und sich zu Hause fühlt. Über 35% macht der Anteil aus diesen, Dolia genannten Amphoren in den Erstwein aus. 

Jetzt geht es ein Stockwerk höher, wo von mehreren fahrbaren Bändern direkt in die Gärstander mit vorgeschalteter Traubenmühle sortiert werden kann. Hier gibt es dann auch den 2016er Grand Vin als Fassprobe zu verkosten. 65% Cabertnet Sauvignon, 30% Merlot, der Rest Cabernet Franc und Petit Verdot. Dunkel, mit violettem Schimmer fließt er in Glas und duftet intensiv nach Cassis, Brombeere, Pflaumen, Maduro Zigarre und gerösteter roter Paprika. Für einen jungen Paulliac sehr zugänglich und mit moderatem Holzeinsatz und festem, reifem Tannin. Das wird in einigen Jahren geiler Stoff werden ! 

Chateau Pontet Canet ist ein wirklich faszinierendes Weingut mit sehr progressiven Besitzern, welche nun auch ihre ersten vinophilen Versuche in Kalifornien wagen. Kürzlich kaufte Alfred Tesseron im Westen Napas die Villa Sorriso, samt Weinbergen vom 2014 verstorbenen Schauspieler Robin Williams. 

 

Für unsere zweite Station müssen wir das Ufer wechseln. Wir fahren 15 Minuten von St. Emilion nach Osten nach St. Cibard, an die Côte de Franc. In dieser ruhigen, hügeligen Region liegt das Chateau Le Puy. In Kennerkreisen gefeiert, ist es doch immer noch ein eher unbekanntes Haus. Doch ein sehr besonderes. Denn auf Le Puy praktiziert man seid über 400 Jahren biologischen und später biodynamischen Weinbau ! Das heißt die Weinberge haben niemals Herbizide oder Kunstdünger gesehen. Emelien Arbeau erzählt, dass dies eigentlich aus einem Zufall heraus passiert ist, denn als damals künstliche Spritzmittel aufkamen, war ihr Vorfahr schlicht und ergreifend zu geizig um diese zu kaufen. Daraus ist quasi ein Tradition des spartanischen Weinbaus geworden. Heute bewirtschaften die Arbeaus auf Le Puy ca 40ha ??? Rebfläche Komplett biodynamisch mit allem was dazugehört: Eigenen Pferden, Kühen, Bienenstöcken und 50 ha Wäldern, Wiesen und einem kleinen See. Zuerst heisst ab in in die Weinberge. Und wo es bei Pontet Canet einen Golfcart gab, gibt es bei Le Puy Gummistiefel. Es geht vorbei an der steinigen Parzelle direkt am Haus, hier nur "The Rock" genannt (warum erklärt sich glaube ich von selbst), aus welcher der Top Wein Barthelemy stammt. Dann den Hügel runter zum weingutseigenen Stonehenge, einer alten Kultstätte der Wikinger, neben dem die riesigen Arbeitspferde seelenruhig grasen. Ein irgendwie verwunschen wirkender Ort... 

Danach geht es mit Madame Arbeau, die grade mit ihrem Russisch Unterricht fertig ist in der Keller, der anmutet wie eine Zeitkapsel. Die großen, eckigen Beton Gärbecken sind schon seit vielen Dekaden im Einsatz und die viele Tausend Liter fassenden Holzfässer in denen der "Basiswein" Namens Emilien ausgebaut wird, hat man kurz nach dem zweiten Weltkrieg der französischen Bahn abgekauft. Diese benutzte sie als Tanks auf ihren Güterzügen um Wein zu transportieren. Wieder ein Story die perfekt in diese zweckmäßige Sparfuchs-Philosophie des Weingutes passt. Weiter geht es in den Barriquekeller mit ausschließlich gebrauchten Fässern. Neues Holz gibt es auf Chateau Le Puy nicht. Wenn mal neue Fässer angeschafft werden, werden diese so lange ausgewaschen bis jeglicher Holzgeschmack verschwunden ist. Hier unten reift der "Barthelemy" und zwar auf eine ganz besondere Weise. Der Wein wird mehrmals pro Woche dynamisiert, d.h. mit einem Stock wird durch den Spund in den Wein mit schnellen Bewegungen ein Strudel oder Vortex gerührt, abwechselnd mal nach links, mal rechts herum. nach 20-24 Monaten kommt er dann bei Vollmond unfiltriert und ohne Zusatz von Schwefel auf die Flasche. Das Ergebnis ist erstaunlich. Barthelemy hat auch in jungen Jahren schon eine ins Kaminrote gehende Randaufhellung, was man eigentlich eher von reifen Weinen kennt. Trotzdem oder gerade deshalb sind die Le Puy Weine durch die Bank extrem lagerfähig. Auch die Textur ist anders, irgendwie dicker, ohne schwer zu wirken. Der 2011er den wir anschließend verkosten duftet erdig, nach Zwetschge, Orangenschale und orientalischen Gewürzen. Am Gaumen mit rundem Tannen und erfrischender Säure, alles unterlegt von einer dunklen Mineralik. Mit nichts im Bordelaise zu vergleichen und trotzdem typisch Bordeaux. Daher versucht sich die Familie Arbeau auch seid einiger Zeit ihre eigene AOC für "The Rock" zu erkämpfen. Sie sind mittlerweile auf EU Ebene angekommen.

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Zum Abschluss besichtigen wir noch das kleine Weinarchiv wo Jahrgänge bis 1917 schlummern. Aber was sind schon hundert Jahre...? Chateau Le Puy feierte mit dem Jahrgang 2010 sein 400-jähriges bestehen ! 

Valentini

Es ist jetzt 3 Tage her das ich den Trebbiano Von Valentini getrunken habe.

Ich musste bisher jeden Tag daran denken….die Aromen, die mir bis dahin unbekannt waren in einem Weißwein und vor allem diese unglaubliche Dichte und Länge! Deshalb habe ich mich dazu entschlossen das erste Mal, über einen Wein zuschreiben...

Aber ich muss noch mal etwas zurückspulen.  

Meine erste Begegnung mit den Weinen von Edoardo Valentini ist ziemlich genau 1 Jahr her. Anfang Mai 2016 habe ich das erste Mal Valentini getrunken, damals war es Trebbiano 2007 zu einer Unterarm großen Languste, gemeinsam mit zwei der größten Weinnasen die ich kenne…

Und damit fing alles an! Ein Trebbiano aus den Abruzzen?...dachte ich… was soll daran groß sein? Dachte ich. Trebbiano, eine Rebsorte mit der ich nichts zu tun haben wollte…das galt eigentlich auch für das Gebiet Abruzzen und generell für ca. 95% aller italienischen Weißweine. Aber ich wurde eines Besseren belehrt...

Seit meiner ersten Berührung mit Valentini, ist ein regelrechter Abruzzen Hype entstanden. Die Preise für die Flaschen haben sich mal eben verdoppelt. Ein zweites großes Weingut darf dabei nicht unerwähnt bleiben, Emidio Pepe. Das Weingut ist quasi zeitgleich mit Valentini einen neuen Weg der Weinbereitung in den Abruzzen gegangen.

Die Frage stellt sich, ist der Hype aus dem Terroir entstanden oder liegt es einfach nur an Chiara und ihren Schwestern…?

In den letzten 12 Monaten hab ich Valentini gelegentlich probieren dürfen. 2007/ 2008/2010 Trebbiano und 2007 Cerasulo (Rose). Und dank eines ersteigerungsüchtigen Sommeliers aus München, am Montag den 1992 Trebbiano um den es jetzt geht!

Es war wieder einer der Abende, auf den man sich Wochen und Monate freut. Blindverkostung im Kreise absoluter Weinfreaks mit wunderschönen Weinen. Unter dem Motto: „heute trinken wir Groß!“

Und dann kam er ins Glas, ein wirklich goldgelber Wein mit unglaublicher Strahlkraft lies schon vermuten das hier etwas Gereiftes auf uns zukommt. Der erste Eindruck war geprägt von frischen grünen Oliven, Rapsblüten, Sesam, frische Sonnenblume und Getreide. Es war schnell klar dass, wir uns im Mittelmeerraum bewegen. Am Gaumen spiegelte der Wein den Eindruck wieder, er war unglaublich dicht, kompakt, nicht ölig…einfach sehr konzentriert. Es war kaum Säure vorhanden ( mittel minus -  #Idiotensprache) , was den Wein aber trotzdem nicht schwer wirken lies, da zum Glück kaum Süße vorhanden war. Er blieb sehr lange im Mund - minutenlang! Blind habe ich den Wein Richtung Südfrankreich gesteckt, Languedoc & Roussillion, Ende der 90er, Anfang der 00er Jahre erschien mir sinnvoll.    

Dann wurde die Alufolie von der Flasche gerissen und das herrlich goldene Etikett kam hervor. Als aller erstes fiel mein Blick auf den Jahrgang – neunzehnhundertzweiundneunzig! Die wahre Größe des Weines kam jedoch erst 2 Stunden später zum Vorschein. Beim Nachprobieren des Trebbianos strömte auf einmal eine unglaubliche Kaffeearomatik aus dem Glas. Hier spreche ich von einer milden, hellen und fruchtigen Röstung einer kleinen Manufaktur und nicht die verbrannten, oxidierten Bohnen großer Hersteller. Zudem eine Schokoladennote die zwischen Vollmilch und weißer Schoki liegt. Das Ganze erinnerte an die Merci Kaffeepralinen, die meistens gemeinsam mit Marzipan bis zum Schluss übrig bleiben... Auch eine Bananennote a la Bananasplit, war urplötzlich in der Nase. Wo kommt dasalles her? Wie geht das? Irre! und der Wein wurde immer trinkiger, aber leiderleerte sich die Flasche sehr schnell…ich hätte mich über stunden in der Aromatik verlieren können. Das war mit Abstand der beste italienische Vino bianco den ich je verkostet habe. 

Don’t cry Emidio Pepe!

Somit kann ich den Hype absolut nachvollziehen und bestätigen. Schade, dass es nur so wenige Flaschen gibt! Vielen Dank für die Flasche Toro! Bitte ersteigere fleißig weiter ; )

 

 

 

12 Jahre in Little Tokyo

Es sprüht feiner, kalter Regen abwechselnd von links, rechts und oben an diesem Montag, im Februar durch die Düsseldorfer Altstadt, die kaum belebt ist. Und nichts deutet darauf hin, das in wenigen Tagen die rheinische Frohnatur dem Höhepunkt des Jahres entgegenfiebert. Die Frau Koos, der Werzl und ich stehen vorm Uerige und leeren die Reste der Flasche 92er Réserve von Lauer, die Frau Koos als Wegzehrung für den Zug von Bochum nach Düsseldorf mitbrachte. Wir genehmigen uns im Brauhof der Brauerei jeder noch zwei Uerige, während um uns der Köbes mit frischen Frikadellen auf einem silbernen Tablett kreist. Und drehen im Gespräch langsam den Fokus auf den Abend. Denn Erwartungen hat man genug, wenn die Möglichkeit sich bietet 12 Jahrgänge von Wittmanns Morstein und Rebholzs Kastanienbusch zu trinken.

Drei Faktoren in der Kombination mit Überraschungs-Potenzial: Riesling, GG und biodynamisch angebaut. 

Es geht zur Klosterstraße mitten im Little Tokyo Düsseldorfs. Das man laut zahlreicher Erwähnungen in den Restaurant-Führern, auch Little Baiersbronn nennen könnte. So dicht sind hier Punkte vom Gault Millau für meist japanische Restaurants angesiedelt. Dazu kommen zwei Michelin Sterne, dessen gekürte Restaurants nur ein paar Häuser voneinander entfernt liegen. Einer dieser Sterne wurde im Dezember, dem erst im letzten Frühjahr eröffneten NENIO von Bastian Falkenroth verliehen. Das zugleich der Ort unserer Probe ist. Ein Kitchen Table Konzept mit braunen Lederhockern, langen dunklen Vorhängen die von der Außenwelt abschotten und einem u-förmigen Tresen. Letzteres sticht mir direkt in den Sinn, wird die Diskussionen um jeden Wein des Abends wie eine Arena akustisch konzentrieren.  

Die Teilnehmer des Abends sind bunt gemischt, Offline wie Online Kontakte. Die sich teilweise zum ersten Mal, in der realen Weinwelt sehen. Und doch kennt man den Geschmack des anderen, dank mit hoher Schlagzahl befüllter Instagram Accounts mit unzähligen Flaschenfotos und kurzen Notizen darunter, oder teils hitziger und leidenschaftlicher Diskussionen in der Facebook Hauptsache Wein Gruppe. Wir resetten zum Start den Gaumen mit einem Glas 2014er Riesling Brut von Reichsrat von Buhl aus der Magnum. Nehmen am Tresen Platz, und unseren beiden Initiatoren des Abends Christian Farago und Kollege Werzl schwenken die Startflagge. 

2015

Morstein:

Reiht sich nahtlos mit einer schon sehr hohen Zugänglichkeit in die vielen 15er Weine ein. Wirkt jetzt schon sehr kompakt und konzentriert, mit einer zum verliebenden packenden Säure. Etwas arg reduktiv und schwefelig, das sollte die Zeit aber richten. Für mich mit einem riesen Potenzial, und mit einer der Weine des Abends. (95+)

Kastanienbusch:

Absolut verschlossen, und der Rest hat sich im Gegensatz zum Morstein noch nicht gefunden und wirkt deutlich unharmonisch. Die Säure deutlich härter. Ein wenig Wundertüte mit Tendenz nach oben. (93)
 

2014

Morstein:

Neben dem absolut verschlossenem, wirkt der 14er Morstein sehr diffus und unruhig. Lässt mich mit Fragezeichen zurück, würde ich gerne in ein paar Jahren nochmal probieren. (89)

Kastanienbusch:

Leicht ölig, mit einer guten Struktur. Sehr zugänglich und einer gut aber einen Tick zu wenig Säure, die den Wein dann doch etwas zu langweilig werden lässt. (91)
 

2013

Morstein:

Ordentlich klirrende und polternde Säure. Dazu sehr schüchterne gelbe Früchte. Könnte mal groß werden. An dem Abend eine weitere der vielen Wundertüten. (91+)

Kastanienbusch: In diesem Jahr wurde kein Kastanienbusch gemacht.

 

2012

Morstein:

Erste leichte Anklänge von Reife aber noch ein wenig Speck auf den Hüften. Eine super Struktur und ordentlich straff am Gaumen. Sehr schöne Salzigkeit. (93+)

Kastanienbusch:

Floral und sehr geradlinig, nicht der größte des Abends aber auch nicht der schlechteste. Jetzt trinken. (89)

 

2011

Morstein:

Schöne Reife, und bringt eigentlich alles mit was ein großer Wein brauch, wenn da nur nicht die ultrakurze Länge wäre, die dann all das zuvor aufgebaute in Luft auflöst. (92)

Kastanienbusch:

Was ein dichtes, feines und cremiges Brett von Wein. Eine Feingliedrigkeit die dann mit dieser wilden Würzigkeit tanzt. (95)

 

2010

Morstein:

Wie ein großer! Gute Reife, viele Noten nach eingemachtem süßem Steinobst. Wirkt aber dennoch nicht zu dick oder plump, dank einer gut präsenten Säure. Diese Balance macht es dann richtig spannend. (94+)

Kastanienbusch:

In your face Arschjahr! In der Nase springt einen die Tennisballdose an, und am Gaumen tanzt die Säure zu Prince Let's go crazy bis tief in die Nacht. Jugendlich, irre komplex und trotzdem mit dem Drang immer noch ein weiteres Glas zu trinken. Kaufen, und zwar alles was man bekommen kann. (96+)

#kastanienbusch vs #morstein #wittmann #rebholz #riesling #nenio #düsseldorf #wein #zerodosagewineblog

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2009

Morstein:

Die Wundertüten werden an diesem Abend zum roten Faden. Sehr mollig, fast barock, aber dafür fehlt Ihm jegliche Eleganz. Schwierig. (90+)

Kastanienbusch:

Macht es leider auch nicht besser. Sehr viel alter geriebener Apfel und ziemlich breit. Noch schwieriger. (89)

 

2008

Morstein:

Endlich ein Flight mit Weinen auf Augenhöhe. Eine wunderbare nobler Eleganz mit hohem Extrakt und sehr feiner Würze. Kaum Spur von Reife. (95)

Kastanienbusch:

Leicht phenolisch und wenig dicker als der Morstein. Aber sehr sehr attraktiv. (94)

 

2007

Morstein:

Wunderschön schlank und Reif aber noch mit einer sehr wachen Säure. Wechsel zwischen Präzision und diffuser Schwerelosigkeit. Dazu sehr subtile Rauchnoten. (93)

Kastanienbusch:

Wirkt leider deutlich fortgeschrittener. Ein Berg voller gemüsige Noten. Die sich dann zu einem vermischten Allerlei ergeben. (89+)
 

2006

Morstein:

Mit der Nase lockt er, am Gaumen überrascht er. Verspricht sehr viel und wirkt dann leider arg mager und ohne komplexere Struktur. (90)

Kastanienbusch:

Puh. Ich glaube im Tenor der Anwesenden der schwächste Wein des Abends. (83)

 

2005

Morstein:

Sehr breit und plump. Nach Recherche bei anderen Verkostungen würde ich auf eine fehlerhafte Flasche tippen. (-)

Kastanienbusch:

Deutlich phenolischer als 2008. Dominiert vorne mit Minze und feinen Bittertönen im Abgang. (91+)

 

2004

Morstein:

Werthers Echte dessen Sahnigkeit lang am Gaumen bleibt. Noch recht gute Struktur. (90)

Kastanienbusch:

Ein wenig Petersilie, deutliche Reife aber noch sehr gut beieinander. (88+)


2003

Kastanienbusch: 

Ich hätte hier eigentlich fast nichts erwartet. Dafür ist hier noch recht viel da. Die Hitze des Sommers ist deutlich schmeckbar, aber dafür kämpft sich Mutig noch eine Portion Säure durch diesen Wein. (91)

Danke an Christian Farago und Tibor Werzl für die Zusammenstellung dieser sehr lehrreichen Vertikale, und an das ganze Team von Bastian Falkenroth für die kulinarische Begleitung. Viele Weine waren oft nur einen Hauch voneinander entfernt. Vieles aber würde ich gerne nochmal in ein paar Jahren probieren. Und 2010 bleibt der meist unterschätze Jahrgang in Deutschland...

Bordeaux 1986

Bordeaux Tasting Jahrgang 1986 im eigenen Haus. Ein sehr netter und großzügiger Gast, aus dessen Keller die Weine zum Großteil stammten, bat mich die Probe vorzubereiten und ein wenig zu moderieren. Da lacht das Sommelier Herz. Vor allem wenn es sich noch um den eigenen Geburtsjahrgang handelt. 30 Jahre...Fuck ! 

 

Die meisten Weine der Probe kamen vom linken Ufer der Gironde, waren also eher Cabernet Sauvignon lastig. Ich denke das war auch gut so, denn 86 war nicht grade das Jahr für Merlot. Starke Regenfälle, die teilweise sogar zu Überflutungen führten, machten im September den Winzern in Pomerol und St. Emilion das leben schwer. Der heiße, trockene Sommer begünstigte eher das rechte Ufer und sorgte vor allem in Paulliac und St. Julien für tanninstarke, kräftige Weine, welche in der Jugend sicher ruppig waren, dafür aber ein langes Leben vor sich haben. Wer sich traute den Cabernet möglichst lange hängen zu lassen, hatte am Ende die besten Karten. 

Nach 3 Dekaden zeigen sich die Weine in guter bis sehr guter Verfassung. Sicherlich nicht charming aber fest, frisch, gerbstoffbetont und mit vollem Körper. Die Weine die noch ordentlich Frucht mit in 2017 retten konnten, haben mit am meisten Spass gemacht. Einziges Problem war in welch unterschiedlichem Zustand manche Flaschen, nicht nur aus einem Keller, sondern sogar aus der selben Kiste waren. Zum Beispiel Pichon Longueville Comtesse de la Lande. Drei Flaschen. Eine Top: Klassischer Bordeaux wie aus dem Lehrbuch, Cassis, ein Hauch grüne Paprika, dunkle Schokolade, Kaffee. (94) Die zweite Flasche total diffus und stumpf, die Dritte Kork. Das TCA-Monster holte sich an dem Abend leider auch Palmer und L´Eglise Clinet.

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Der massivste und am jüngsten wirkende Wein der Probe war Leoville Barton. Gleichzeitig auch der mit dem höchsten Cabernet Anteil. Bei diesem Wein geht das Trinkfenster grade erst einen Spalt weit auf. Die Tannine fangen langsam an weich zu werden und lassen Cassis und Holunder Aromen durch, dazu etwas grüne Paprika und Holzkohle. Voller Körper, ein Maul voll Wein. Würde ich mir ohne zu zögern in den Keller legen und in ein paar Jahren zu einen riesigen Steak trinken. (95) Auch in St. Julien, aber etwas weiter Richtung Paulliac liegt das Chateau Leoville Las Cases und von hier stammt für mich der Wein des Abends. Der Grand Vin duftet nach Roter und schwarzer Johannisbeere, roter, gerösteter Paprika, Rauch, Bleistift und Mokka. Am Gaumen fast perfekte Balance: Saftige Säure, feines festes Tannin, Frucht, Würze, ewig langes Finish. Alles da ! (98)

 

Nicht unerwähnt will ich Haut-Brion lassen. Der Premier Cru aus Pessac Leognan mit seinem recht hohen Merlot Anteil, hebt sich von allen Weinen der Probe ab. Sehr eleganter, feiner, fast schlanker Stil. Der Wein mit dem feinsten Tannin. Unfassbar spannende Nase: Curry, Lorbeer, Miso, Zeder und kubanische Zigarren. Am Gaumen mit dezenter Kirsch- und Brombeer Frucht die mit Luft zunehmend präsenter wird. (96)

Ein Winzer mit Mission - 24h Laurenziberg

Es sind vielleicht die letzten warmen Tage in diesem Jahr. Die Mittagssonne scheint auf die vom Herbst gelb und rot gefärbten Weinberge. Vogelzwitschern, Totale Postkarten Idylle. Einzig die regelmäßig vorbeiziehenden Flugzeuge verraten das nahe Frankfurt nördlich des Rheins. Ich stehe in Gau-Algesheim im nördlichsten Zipfel des Anbaugebietes Rheinhessen. Genauer in den Weinbergen der 130 Seelen Gemeinde Laurenziberg. Neben mir steht ein Winzer mit weißen langen Haaren, markantem Gesicht und dreckigen Händen. Michael Teschke führt das gleichnamige Weingut in der dritten Generation. Eigentlich sollte Teschkes Bruder das elterlich Weingut Ende der 90er übernehmen. Michael schlug eine Kariere bei der Bundeswehr ein, Fallschirmjäger, Elitesoldat. Doch am Ende kam alles anders und es zog ihn zu den Reben, die er heute so liebt. Ein Einzelkämpfer ist er immer noch. Auch wenn seine Partnerin Kerstin ihn nach Kräften unterstützt. Teschke bewirtschaftet ca. 7 ha Weinberge bestockt mit Riesling, etwas Weiß- und Grauburgunder, Müller, Spätburgunder, Portugieser. Doch an eine Rebsorte hat er sein Herz verloren: Der Sylvaner. Teschke schreibt ihn in der alten Weise, mit einem Ypsilon. Das passt auch irgendwie zu seiner Interpretation dieser Rebsorte. Barock, reif, mit ordentlich Grip, trotzdem schwebend und extrem langlebig sind seine Weine. Das fängt natürlich schon im Weinberg an. Und nicht nur hier macht Michael Teschke einiges anders. Sofort erkennt man welche Sylvaner Weinberge ihm gehören, denn die sehr hohe Laubwand ist nicht zu übersehen und Teschkes Anlagen sind die einzigen weit und breit an denen noch Trauben hängen. Golden, mit kleinen Sprenkeln hängen sie wie an einer Perlenkette aufgereiht unter den Netzen, die sie vor hungrigen Vögeln schützen. "Ich werde dieses Jahr mal wieder erst im November mit der Lese fertig" sagt Teschke mit einem freudigen Lächeln, während wir die nach Marzipan schmeckenden Trauben probieren. Teschke ist nicht Bio zertifiziert oder ähnliches, doch arbeitet in fast schon romantischer Weise im Einklang mit der Natur. Herbizide oder Kunstdünger sind ihm fremd. Der Winzer liebt es sich zwischen seinen Reben an Rauke oder wildem Knoblauch zu bedienen und in seiner Küche zu verarbeiten. Auch im Keller ist weniger bei ihm mehr. Jüngst hat Teschke begonnen eine Naturwein Serie unter einem anderen Etikett abzufüllen. Kein Schwefel, keine Filtration, spontanvergoren ist sowieso alles. Einen herrlich süffigen Portugieser "Fabrik" gibt es und einen roten PetNat, also einen Schaumwein aus erster Gärung namens "Bulle". Dazu schlummert noch ein würziger, tiefgründiger, rauchiger Spätburgunder aus dem Jahrgang 2014 im großen, altem Holz, ganz ohne Schwefel der, falls Teschke dazu kommt, dieses Jahr auf die Flasche kommt und dann auch das schöne Kritzel-Naturwein Label erhält. 

Doch trägt Michael Teschke nicht umsonst den Titel Silvanerpapst. Diese Traube, die auch in Rheinhessen lange Tradition hat, ist seine Mission. Wenn die vollreifen Trauben aus den vom Kalk geprägten Weinbergen an der Dünnbach oder dem Mühlweg im Weingut ankommen, wird erstmal sorgfältig entrappt. Teschkes Sylvaner haben immer ein wenig ganz feinen Grip, doch der kommt nicht von Stengeln und Stielen, sondern vor allem von der alten Spindelpresse, erklärt der Winzer. Die Schalen der Beeren reiben sich an den Löchern der Außenwand und setzen ihre Aromen und Gerbstoffe frei. So spart sich Teschke etwas an Maischestandzeit und bekommt eine dezente Reduktion in seine Weine. Mit hohem Alkohol hat der Winzer wenig Probleme, kühle Lagen und konkurrierende Pflanzen zwischen den Reben verhindern, dass die Weine trotz hoher Reife zu mollig werden. Bei einigen seiner Silvaner, wie zum Beispiel bei dem fast an einen Wachauer Smaragd Veltliner erinnernden Flur 19/68 aus sehr alten Reben, rührt Teschke die Hefe mit einem Stock auf. Bei diesem extrem langlebigen Ausnahme Sylvaner, verarbeitet der Winzer auch das ein oder andere Botrytis Träubchen mit. Generell gilt für alle seiner Weine, auch für die Einstiegsqualitäten, dass ihnen einige Jahre Flaschenreife sehr gut tun. Einige erreichen nach 10 Jahren oder mehr erst ihren Genuss Höhepunkt.

Am Abend, bei einem gemeinsamen Essen, präsentiert Michael Teschke uns gespannt sein neustes Werk, mit dem er den Blick auf Sylvaner, nicht nur aus Rheinhessen, sondern aus ganz Deutschland ändern will. Es ist seine Mission dieser Rebsorte die er so verehrt (auch preislich) ein Denkmal setzen, vielleicht auch ein bisschen zu missionieren. Sylvaner Mission 2015 ist wirklich ein außergewöhnlicher Wein. Die Trauben stammen aus einer sehr alten Parzelle und wurden streng selektiert, so dass ein Ertrag von nur knapp über 13 hl/ha zu stande kam. Nach der Handlese wurde über 8 Stunden gepresst und der Most für 72 Stunden auf der Maische stehen gelassen. Danach ging es direkt ins uralte Halbstückfass. Geschwefelt wurde nur sehr gering. In der Nase gelbfruchtig nach Quitte, goldenen Äpfeln und Mango. Am Gaumen kompakt, intensiv aber nicht fett. Tolles, griffiges Mundgefühl. Potential für Dekaden. 

Am nächsten morgen gehe ich nach dem Frühstück nochmals in die Weinberge. Die Sonne schiebt grade die letzten Nebelfetzen aus Rebzeilen. Michael Teschke ist schon seid einigen Stunden dort und erntet seine letzten Portugieser Trauben. Mit lachenden blauen Lippen und einer herzlichen Umarmung verabschiedet sich dieser naturverbundene, charismatische Einzelkämpfer. Danke für die Einblicke und die Gastfreundschaft lieber Michael !

 

TW

 

 

Vive la France - 3 Urlaubsweine aus schlechten Gläsern

 

Während Wein-Deutschland in Wiesbaden die Großen Gewächse des Jahrgangs 2014/2015 verkostet, befinde ich mich im Sommerurlaub. Südfrankreich, klassisch. Start in Nizza, Ende in Montpellier. Raus aus dem Alltag, Erholung und Tapetenwechsel steht im Vordergrund. Ich habe im Vorfeld keine Termine bei Weingütern gemacht. Ich wollte meine charmante Urlaubsbegleitung nicht auch noch im Urlaub mit dem ständigen geschlürfe nerven. Natürlich in dem Wissen, dass sich schon irgendwas ergeben wird. Ich mein hey, wir sind in Frankreich, auch noch in der Provence...und Urlaub ohne Wein geht sowieso nicht. Hier also ein kleiner vinophiler Urlaubsbericht:

In der Provence kommt man ja um Rosé irgendwie nicht herum. Leider kickt mich dieser Weintypus nur äußerst selten. So auch die ersten, eher belanglosen Saufrosés in den hiesigen Restaurants. Doch der gute Ruf der rosa farbenden Tropfen dieser Region, muss ja begründet sein. Hoffnungsvoll betrat ich darauf hin einen urigen Weinladen in dem kleinen Örtchen Fayence nord-westlich von Grasse. Nachdem ich mir zig Rosé Etiketen angeschaut hatte, die mir sowieso alle nichts sagten, wollte ich mich grade vom Verkäufer beraten lassen, da sah ich eine Flaschedie ich schon häufiger auf Weinkarten guter Restaurants gesehen hatte. Chateau Simone Rosé. Jahrgang 2015. Wollte ich immer schon mal probieren ! Gekauft, für stolze 35€. 

   

Kaltgestellt, aufgemacht: Im Glas ein helleres Rubinrot, für Rosé sehr kräftig. Ich habe schon Trollinger gesehen die heller waren. Nach dem ersten reinriechen, war mein erster Gedanke: Pinot Noir. Kirsche, Walderdbeere, Johannisbeerblätter, dazu Rosmarin, Pinienwäldchen, Lavendel. (zugegeben, hier riecht irgendwie alles nach Lavendel) Am Gaumen dicht und kräftig mit dezentem, feinem Tannin. Die 14 Alkohol steckt er gut weg. Würzige Sauerkirschfrucht gepaart mit der Wärme der Region. Das gefiel mir so gut, dass ich erstmal recherchieren musste was da so drin ist und wo das ganze herkommt. Denn ehrlich gesagt die AOC Pallette kannte ich bisher nur aus Büchern. Das Chateau selbst liegt in Meyreuil, ganz in der Nähe von Aix-en-Provence, wo zufällig auch unsere nächste Unterkunft lag ! Also einen Abstecher hin. Als ich die Adresse des Weingutes ins Navi eingab, warnte es mich direkt vor unbefestigten Straßen. Doch die kurvige Schotterpiste hoch zum Chateau stellte sich allerdings machbar heraus. Familie Rougier, welche seit Generationen dieses Chateau führt, besitzt hier 100 ha Land von denen aber nur 10 ha für Weinbau genutzt wird. Die Rebanlagen sind teilweise sehr alt und einige Parzellen sindMischsätze aus Syrah, Carignan, ein paar Muscat Variationen, aber auch unbekannteren Rebsorten wie Castet und Manosquin aus welchen mit 45% Granche und 30% Mouvedre der Rosé gekeltert wird. Die erst sehr skeptische Dame des Hauses wurde deutlich netter, als sie merkte das der komische Deutsche, der so gut wie kein Französisch spricht, gar nichts probieren wollte, sondern souverän ein 3er Karton Rosé verlangte. (In dem die Flasche übrigens 22€ kostete, 13€ günstiger als beim Caviste !) Als ich dann noch nach einer Magnum Flasche Chateau Simone Blanc fragte, entfuhr ihr ein erfreutes "Oh qui ! Magnum !" und verabschiedete uns sogar mit ein paar Brocken deutsch. 

 

Auf den nächsten interessanten Wein stieß ich auch eher zufällig. Nach dem wir in der Markthalle von Avignon ein paar herrliche Austern verdrückt hatten, schlenderten wir an den schließenden Ständen vorbei und entdeckten einen kleinen Weinladen am Rand der Halle. Dieser Laden verkauft ausschließlich Weine die in irgendeiner Weise von Michel Chapoutier gemacht oder vertrieben werden. Das das Handelshaus M. Chapoutier an der Rhône nicht klein ist, war mir schon bewusst, aber das es wirklich aus jeder AOC der Rhône mindestens einen Wein gibt war mir neu. Die meisten habe ich auf dem deutschen Markt noch nie gesehen. Unter anderem eine Appelation die man, auch auf Grund ihrer geringen Größe (64ha), generell eher selten sieht und welche vor allem für Schaumwein steht. Saint Peray. Aus diesem Fleckchen nördlich von Avignon, stellt Chapoutier aus der Rebsorte Marsanne einen Schaumwein namens Muse de RW her. Laut Backlabel, weil ihn die Kompositionen von Richard Wagner zu diesem Wein inspiriert haben. Schöne Geschichte...

Dieser Brut Nature Sekt aus dem Jahrgang 2012 liegt drei Jahre auf der Hefe, was die Perlage sehr fein gemacht hat. Aromatisch ist dieser Wein mit nichts aus meiner Comfort Zone, Champagner oder Rieslingsekt, zu vergleichen. Die erste Nase erinnert mich spontan an Sake. Sehr Floral und nach Getreide. Danach reife gelbe Birne und Mandel. Am Gaumen natürlich alles andere als karg, aber mit erstaunlich frischer Säure ausgestattet. Nice !

 

Next Stop: Châteauneuf du Pape. Ein Name der für Rotwein mit Weltruf steht und den sogar Wein-Laien schon mal gehört haben. Aber eigentlich ist es nur ein kleines Dorf 30 km nördlich von Avignon, direkt an der Rhône auf einem Hügel. Ganz oben befinden sich die Überreste eines altes Schlosses, von welchen man eine tolle Aussicht über die Rebflächen bis hin zum Mont Ventaux hat. Die Weinberge sind von hier oben betrachtet eher flach und unspektakulär, doch steht man drin, fallen einem die Flusskiesel, Galets genannt, welche die meist lehmigen Böden vieler Weinberge komplett bedecken, sofort ins Auge. Junge Reben scheint es kaum zu geben, überall alte, dicke Knorze.

 

Da wir noch eine Flasche für unser Abendessen brauchten, schauten wir, bei der direkt im Ortskern gelegenen Domaine de Pegau vorbei. Meiner Meinung nach eine Bank in C9dP. Der Stil des Hauses ist eher etwas straffer und nicht so überextrahiert, wie es bei einigen Gütern der Fall ist. Da das Thermometer die 30 Grad Grenze deutlich überschritten hatte, ging der Griff zur 2014er Cuvee Reservée Blanc aus überwiegend Clairette, dazu Granche Blanc, Rousanne und Bourboulenc. Aromatisch Richtung Pfirsich, Cavaillon Melone und etwas reife Stachelbeere. Am Gaumen kräuterig, erdig und cremig, aber mit einer erstaunlich präsenten Säure ausgestattet (kühles Jahr, keine Malo). Erinnert mich tatsächlich etwas an Silvaner und passt irgendwie zur Pegau Handschrift.  Santé ! TW

 

Eins muss ich noch anmerken: Ich habe alle Weine aus wirklich beschissenen Gläsern verkostet (Getrunken...Urlaub !). In keiner unserer wirklich erstklassigen gab es Weingläser die mehr als 0,15 l fassten...also bis zum Rand versteht sich. Ich musste teilweise auf bauchige 0,3l Wassergläser ausweichen, weil diese sich besser eigneten. Ein Reise-Zalto wäre ein tolles Gadget !

Champagne Unplugged - Zero Dosage

Champagner ohne Zucker. Zero Dosage. So wie Cola Zero. Klingt fast nach hippen Trends wie Clean Eating oder dem Detox Wahnsinn. Aber keine Angst, Alkohol ist trotzdem drin und den CO2 Fußabdruck verbessert dieses herrliche Sprudelgetränk bei der ganzen Kohlensäure und der schweren Flasche sicher auch nicht. Was soll das ganze dann ? Klären wir vor dem Warum erstmal das Wie. Champagner oder auch Winzersekt, ist im Endeffekt nichts anderes als stiller Wein, der durch Zugabe von Hefe und Futter für die Hefe, also Zucker, eine zweite Gärung auf der Flasche durchmacht. So entsteht Kohlensäure welche sich durch Druck im Wein bindet. Da die Hefen sämtliche Zucker verstoffwechseln, ist der Wein nach diesem Prozess faktisch kompletttrocken. Die Hefe stirbt ab und wird nach mehr oder weniger langer Lagerung in den Flaschenhals gerüttelt und dann raus geschossen, damit der Konsument keine trübes Zeug trinken muss. Man nennt diesen Verfahren Degorgieren. Dabei geht natürlich auch immer etwas vom Wein verloren. Doch keine Panik, dieses Schlückchen wird wieder aufgefüllt. In den meisten Fällen mit einer Mischung aus einer Art Traubenzuckersirup und Wein, der Versand Dosage. Denn auch wenn sie es nicht zugeben wollen, die meisten Weintrinker sind einer kleinen Portion Süße nicht abgeneigt. Früher wurde Champagner meist sehr süß getrunken. Heute ist die meistverkaufte Dosierung Brut, also bis zu 16g Zucker pro Liter. Winzer die einen Zero Dosage Champagner herstellen möchten, lassen den Zucker in der Dosage einfach weg und füllen einfach mit selbigem Champagner auf. Auf dem Etikett ist dann oft Brut Nature oder Ultra Brut zu lesen. Aber nicht immer, denn auch mit nur 1g Zucker pro Liter (was einem Brut Natur entspräche) darf man „Brut“ auf das Etikett schreiben. Ein Untergenrenze sieht das Weingesetz nämlich nicht vor. Manch ein Winzer macht also einen staubtrockenen Champagner, nennt ihn aber „Brut“, weil es sich anscheinend besser verkauft.

 

Meiner Meinung nach, zeichnet sich so langsam ein Trend in die richtig trockene Richtung ab. Und zwar nicht nur bei den kleinen Champagne Winzern, sondern sogar bei so manchem großen Haus. Roederer zum Beispiel hat mittlerweile einen Brut Nature Schäumer im Portfolio der gar nichtmal schlecht ist… 

 

Fragt man Benoit Tarlant warum die meisten seiner Champagner ohne Zucker Zusatz auf den Markt kommen, sagt er nur bedeutungsschwer „Terroir“ ! Er möchte, dass die Herkunft seiner Weine im Glas spürbar wird, unverschleiert vom Zucker. Jahrgang, Klima, Boden. Und Böden gibt es in der Champagne und vor allem im Valley de la Marne wo das Haus Tarlant zu Hause ist, eben nicht nur Kreide, sondern verschiedenste Gesteinsarten von Kalk über Mergel bis Lehm. (Wer sich genauer über Bödengin der Champagneinformieren will, dem lege ich diesen Artikel von Kollege Christoph Raffelt wärmstens ans Herz). 

Einer von Tarlants Vier Jahrgangschampagnern (ausgenommen die Prestige Cuvees) ist der 2003er „La Matinale“ und der einzige der aus einer klassischen Rebsorten Cuvee besteht und nicht, wie die anderen drei aus nur einer Rebsorte. Die Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier Trauben dieses Weines stammen alle aus dem Marne Tal. Benoit Tarlant ist es durch sein biodynamische Arbeitsweise, den alten, tief wurzelnden Reben und hervorragender Laubarbeit gelungen, auch in einem Rekord Hitzejahr wie 2003 einen eleganten, erfrischenden Champagner zu erzeugen. Der Wein wurde 2004 abgefüllt und 10 Jahre später im Juli 2014 degorgiert. Dieses lange Hefelager verleiht dem Champagner mehr Struktur und eine sehr feine Perlage. Riecht man hinein, strömen einem Aromen von weißem Nougat, Apfel, Hefezopf und dem grünen Rand einer Wassermelone entgegen, aber auch eine Note die an Palo Cortado Sherry erinnert. Am Gaumen dann salzig und frisch, nach gelber Grapefruit. Tarlant verzichtet bei allen Champagnern auf den biologischen Säureabbau, was dem „La Matinale“ eine vibrierende Säure verleiht und ihn zu einem Weltklasse Erfrischungsgetränk macht.

 

Ein noch größerer Verfechter des Brut Nature ist Vincent Laval vom, im Örtchen Cumieres in der Nähe vom Epernay gelegenen Weinguts Georges Laval. Hier kommt nahezu die gesamte Jahresproduktion von überschaubaren 9000 Flaschen ohne Dosage auf den Markt. Sein „Basis“ Wein, der Premier Cru Brut Nature ohne Jahrgang, eine Cuvee aus seinen 7 Parzellen in Cumieres wird vorwiegend aus Chardonnay gekelltert. In der Aromatik und im Geschmack unterscheidet er sich deutlich vom „La Matinale“. Riecht man hier hinein kommt einem ein Mix aus Pfirsich, Mandarinenschale, Aprikosentart, Orangenblüten und hellem Tabak entgegen. Man will sofort probieren so einladend ist der Duft. Am Gaumen wieder viel Mandarine und Pfirsich, dazu kommt reifer, roter Apfel und etwas dunkel gebackener Blätterteig. Der Champagner ist etwa fülliger, was dazu führt, das man garnicht merkt, wie trocken er eigentlich ist. Ich warne vor diesem Champagner ausdrücklich: Die Flasche leert sich in Rekordzeit. 

Als Fazit kann ich nur sagen, dass mir Zero Dosage Schaumweine, wenn sie gut gemacht sind sehr viel Spaß machen und ich immer häufiger zum Brut Nature greife. Man trinkt gerne das zweiteoder dritte Glas und es ist manchmal einfacher zu erkennen wo der Wein seinen Ursprung hat. Ich möchte damit auf keinen Fall den klassischen Brut Champagner abwerten. Auf einigen der besten Flaschen meines Lebens waren diese vier Buchstaben zu lesen…

 

Cheers

Von Zalto-Beschützern, lächelnden Schweinen, großen Weinen in noch größeren Flaschen. — Vinaturel Hausmesse 2016

10:30 Uhr. Ich steige am Münchner Bahnhof in den von Vinaturel gecharterten Shuttle-Bus, bei vorbildlichem bayrisch blauem Himmel. Es geht in das knapp 30 km entfernte Berg am Starnberger See. Ich habe mir zwei Tage Urlaub genommen, und bin 645 km mit der Bahn gefahren (Hin und zurück ohne Verspätung in nigelnagelneuen ICEs, kein österreichischer Fotograf/Journalist an Bord) nur um eine Hausmesse eines Weinhändlers zu besuchen. Aber bei der Auflistung der anwesenden Weingüter und Winzern vor Ort, schlug das WeinNerd Herz einfach viel zu hoch. (Dieses sollte im Laufe des späteren Abends noch viel höher schlagen.) Als wir die Autobahn verlassen, und auf einer schmalen Landstraße die letzten Kilometer gen Berg vor uns haben. Fahren wir vorbei an Schönheitskliniken, satten grünen hügeligen Wiesen, bis ins kleinste Detail gepflegten Bauernhäusern und opulenten Villen. Die wie Satelliten einer überzeichneten wunderschön bayrischen Postkarten Idylle, den Starnberger See belagern. Und es kommt einen in den Sinn, das wohl Mutter Natur bei der Erschaffung Bayerns den extra feinen Pinsel rausgeholt hat. 

Am Eingang der Hausmesse erhalte ich ein Zalto Universal Glas zur Verkostung, das schon bei der ersten Instruktion im Bus als äußerst rares Gut vorgewarnt wurde. Im Laufe dieses Tages habe ich mehr Zaltos sterben gesehen, als manche Weinseele es verkraften kann. 

Damit auf dem Gelände von Vinaturel die knapp 500 Besucher und Winzer auch Platz haben, wurden Bestände ausgelagert und mehrere Zelte errichtet. Ich begebe mich als erste in das Festzelt, vorbei am Ausschank von Unertl. Nach Dinkel-Weisse ist mir noch nicht, das wäre in Anbetracht der zeitlichen Ausmaße für diesen Tag unnötiger alkoholischer Ballast. Im Zelt gibt es einen Stand von Pascucci Café, die neben einer Synesso auch mehrere Hario-Drippern aufgebaut haben. Third Wave Coffee meets Fest-Zelt meets Weinverkostung. Ich bin beeindruckt. Ich mache es mir mit sehr guten Weißwürsten vom lokalen Metzger Kandler, Obatzda und einem frisch vor Ort gebackenen Bretzn erstmal bequem und gehe meine Planung für heute durch.  

Champagne

Während andere Stationen auf dieser Hausmesse in Zelten oder dem Lager untergebracht sind, befinden sich die Stände der Winzer aus der Champagne direkt in den Büroräumen. Was auf der einen Seite etwas beengter wirkt, begrenzt hier den Raum für Menschen. So dass es für jeden auf der Messe problemlos im Laufe des Tages möglich war, persönlich das Gespräch zu finden. 

Barbichon:

Extra Brut: Tänzelnde und packende Säure. Großer gemischter Korb von Zitrusfrüchten. Für den kommenden Sommer die Begleitung zum Feierabend. Unkomplizierte aber solider Durstlöscher, um auf warmen Bürgersteigen zu sitzen und den Tag ausklingen zu lassen.


Charles Dufour:

Bistrotage: 
An anderer Stelle wurde ich schon für Salzpflaume / Umeboshi als eines der Aromen belächelt, und ich bleibe dabei. Dazu etwas Schwarzwälder Schinken. Was ich an diesem Champagner so liebe ist seine Wildheit. Das ewig changierende der Aromen in Nase und besonders am Gaumen.

Bulles de Comptoir #4: Die erste Flasche hatte ich im Januar, da war er noch sehr ruppig, kurz nach dem degorgieren. Im März auf der ProWein zeigte er schon so leicht wohin die Reise hingeht. Er wirkt jetzt immer noch leicht verschlossen, hat aber das ruppige und kantige weitgehend abgelegt. Ein großes Glas tut Ihm immer noch sehr gut. Dann wird man schon ein wenig belohnt mit Aromen von Cedri Zitronen, geröstetem Weißbrot, Cassis. Und einer Säure wie ein gebirgskalter Wasserfall der stetig den Gaumen mit ordentlich Druck erfrischt.


Larmandier-Bernier

Longitude (formerly known as Blanc de Blancs): Die Säure am Gaumen das Katana Schwert unter den Champagner. Kompromisslos, minimalistisch und lang. Immer wieder ein großes Vergnügen. 

Terre de Vertus: Im Gegensatz zum Longitude fast üppig. Präsentiert sich seidig fast anschmiegsam mit einem Hauch Marzipan, türkischem Honig und reifen roten Äpfeln. 


Vouette & Sorbée


Blanc d'Argile: Nasse Tafelkreide galore. Ein wenig Pariser Bäckerei am morgen. Ultra minimalistisch. Und dabei trotzdem so faszinierend animierend, immer noch ein Glas mehr trinken zu wollen. 

Saignée de Sorbée Rosé Extra Brut: Gefriergetrocknete Erdbeeren, Bunter Strauß einer Wildblumenwiese im Spätsommer. Ein wenig nasse Waldbodenerde. Wild, exotisch immer ein wenig schwebend und nie so richtig einzuordnen. Wird niemals everybody's darling, meiner schon.


Tarlant

Cuvée La Matinale 2003:
Ein sehr bescheidener Jahrgang, und laut Benoit Tarlant für Ihn momentan sein Liebling, gerade weil er sich dennoch so gut entwickelt hat. Er tanzt auch ein wenig aus der Tarlantschen Reihe, mit seinen Anklängen von Sherry und Calvados. Aber dennoch mit einer richtig knackigen Säure und einer sehr guten Struktur. 

Deutschland

Mitten zwischen Versandbereich und Hochregallager befinden sich die deutschen Winzer. Dicht belagert natürlich Peter Jakob Kühn, Wittmann, Christmann oder Clemens Busch. Da ich alle auf Verkostungen in den letzten Monaten schon ausgiebig notiert habe, spare ich mir diese heute. Nur so viel, der 2014 Fahrlay von Clemens Busch, ist für mich einer der schönsten trockenen Rieslinge der letzten Jahre, bei dem ich immer wieder Gänsehaut bekomme. Grazil, unendlich komplex und sehr berührend. 

Odinstal:

Riesling Sekt Brut Nature: German Kargheit. Während andernorts gerne der Vergleich zum Champagner bei Sekt erhoben wird. Ist dieser Sekt genau das Gegenteil von gefälliger opulenter Eleganz. Dabei aber mit einem ungehörigen Trinkfluß ausgestattet, der sich wie ein roter Faden durch die ganze Kollektion zieht. 

Riesling Basalt 2014: Kein Wein der durch seine Primärfrucht sich jetzt schon anbiedert. Sondern zutiefst dichte Mineralität, mit einem Meer nasser Steine, und feine Würzigkeit. Abwarten heißt es hier und sich in ein paar Jahren umso mehr freuen.

Luckert - Zehnthof und Stevan Vetter
haben Ihre Stände direkt nebeneinander. Für den Verkoster ein fließender Übergang von Herkunftstypizität der neuen großen fränkischen Art und Nouvelle Vague des Silvaner. 

Luckert - Zehnthof:

Sonnenberg Silvaner - Gelbkalk 2014: Eine enorme Saftigkeit gepaart mit Würze von Fenchelsamen und Kerala Pfeffer. Das ist Silvaner den ich wieder lieben gelernt habe und der auch blind nichts anderes sein möchte.

Stevan Vetter: 

Sylvaner CK 2014:
Und hier das genaue Gegenteil, nichts deutet auf Silvaner hin, und dennoch ein sehr faszinierendes Stück Wein. Kühl, schwerelos. Wie minimalistische elektronische Musik in der es nur einen monotonen Beat gibt, hier und da tauchen unerwartet Töne auf die im Gesamten ein Bild erzeugen. Schwer zu fassen, benötigt Zeit und belohnt dafür umso mehr. 

Österreich und Italien

Ich begebe mich wieder nach draußen, an Frankeich und Spanien erstmal vorbei und in das Zelt der Winzer aus Österreich und Italien. Es ist später mittag, und ich hatte es mir deutlich wärmer unter der Zeltplane vorgestellt. An mir ziehen immer wieder unermüdlich Mitarbeiter von Vinaturel vorbei, leeren Spuckis aus, füllen Eis und Wasser nach. Auch hier sind an den „HotSpot Winzern“ viele Verkoster, aber jeder macht irgendwie für jeden und sein Glas Platz. 

Österreich:

HM Lang:

Riesling, Riede Steiner Schreck 2013: 
Im ersten Moment wirkt er fast barock, um dann ganz schnell den Dreh zu einem sehr kompakten und schlanken Wein hinzubekommen. Extrem dicht, stoffig, und eine sehr moderate Säure. Es tun sich enorm viele Schichten auf die erforscht werden wollen. Brauch Zeit zur Reife, und dann wieder Zeit um an einem langen Abend langsam getrunken werden zu wollen.

Meinklang: 

Prosa Rosé:
Um es mit den Worten vom Kollegen Riesling Roboter zu sagen, das holt mich total ab. Ein Sack voller roter Früchte, und eine Menge Spaß. Und das zu einem Preis, wo es dann an einem warmen Abend auch sehr viel mehr Flaschen sein dürfen. 

Muthenthaler:

Vießlinger Stern 2013:
Wachau wie sie eigentlich viel mehr sein sollte, und mich vor ein paar Jahren direkt angefixt hat. Präzise, karg und eine enorme Würzigkeit gepaart mit einer äußert straffen und packenden Säure. Wirkt 2013 ein wenig üppiger als die Jahre davor, aber den Speck sollte er mit mehr Reife die Ihm absolut zusteht verlieren.

Andreas Tscheppe:

Ein paar einleitende Worte, nach Jahren davor mit dem Rhombenspanner und Hagel, kam es dieses Jahr für Tscheppe mit dem Frost wieder knüppeldick. Es wird wenn überhaupt 2016 nur Mikro Mengen geben. 

Grüne Libelle 2013: Man möchte diese Wein direkt austrinken aber seine fordernde Art bremst den Gaumen dauernd aus. Welch Konflikt für die Seele. Und nebenbei der erste Gänsehaut Moment des Tages. Kaufen, weglegen, und in schwachen Momenten eine Flasche naschen und sich schuldig fühlen. 

Italien:


Ich beiße mir in den Hintern weil ich es an diesem Tage nicht geschafft habe, Ca'La Bionda und Roagna zu verkosten, wird nachgeholt. 

Valfaccenda:

Arzigh:
3-4 Tage auf der Maische, und Arneis steht dies wie der Arsch auf Eimer. Eine feine Säure, hier etwas Tannin da etwas Salz und das im schönsten Kleid der ganzen Hausmesse. Leider nur etwas über 600 Flaschen. Zweiter Gänsehautmoment des Tages. 

Spanien und Frankreich

Zurück ins Weinlager von Vinaturel, kurz vor dem Eingang wurde ein weiteres Zelt errichtet was Spanien beheimatet. 

Spanien:

Celler Credo:

Miranius: Recaredo kann auch still, frische Frühlingswiese, würzig pfeffrige Frucht. Perfekter Wein um Mediterrane Küche für wenig Geld zu begleiten. 

Terroir al Limit:

Terroir Historic Negre:
Ein Wein der aus der Idee heraus entstand, wieder einen grundsoliden Wein auf Basis einer Kooperative zu machen. Diese wird in den nächsten Jahrgängen auch nicht mehr den Namen von Terroir al Limit zieren sondern der Kooperative. Man hat hier sozusagen Nachhilfe gegeben. Und die hat sich mehr als gelohnt. Reife Kirsche, Pflaumen, etwas Thymian und Rosmarin. Schon sehr feines Tannin. Lockere 18 Euro. 

Frankreich:

Während ich bei Albert Mann und Zind-Humbrecht einfach öfters nur niederknien wollte. Blieb ich dann auch im Burgund hängen. Potel hatte ich schon Tage zuvor bei Kollege Werzl im Restaurant getrunken, und bei Château de Béru nahm mich kurz der Richard Yoder zur Seite.


Château de Béru: 

Béru Chablis Clos Béru Monopole:
Beispielhaft für die ganze Kollektion von
Athénaïs de Béru. Reifes Steinobst, sehr feine Würze und Mineralität, die mit ordentlich Nachdruck den Gaumen antanzt. Das hat Kraft und Wucht, aber niemals grob und klotzig sondern grazil und elegant. Das war Liebe auf den ersten Schluck...

18:28 Das Schwein lächelt seelig

Es war ein langer Tag, mit vielen neuen Eindrücken und vertiefen bestehender. Während einige noch weiter verkosten, gönne ich mir endlich auf der Terasse des Festzeltes ein Dinkel Weisse. Es spült meine Geschmackspapillen, enlässt Sie in den Feierabend, befreit jegliche Reste von allen Weinen dieses Tages. Am Horizont zwischen den Bäumen sind deutlich die Alpen zu erkennen, die sich langsam in ein zartes Rosa tauchen. Im Kontrast der langsam dämmernde Himmel. Ja, die Landschaft in der ich mich heute befinde kehrt wieder zurück in das Bewusstsein. Gang raus, und ich begebe mich zum Schwein, das neben dem Angus Rind ein Tag zuvor den Weg von Meinklang nach Berg fand. Und den ganzen Tag seine Runden drehte.

Bier, Salz und Fett, bescheren mir direkt ein Lächeln beim Anblick des Tellers vor mir. 



19:30 Große Flaschen und Wortfetzen wie Honig.

Wir sitzen gemeinsam auf der Terrasse, lassen den Tag nochmal vorbeiziehen. Reden über Weine, über die Frost-Kapriole des noch so jungen Weinjahres 2016. Am Tisch neben uns sitzen Sophie und Pierre Larmandier, Charles Dufour, Barbichon, Athénaïs de Béru, die eine Hälfte von Vouette & Sorbée, Benoit Tarlant, Nicolas Potel und weitere. Und während wir die „Reste“ der Sepp Muster Verkostungsweine trinken, mit einer um sich unsterblich zu verlieben guten Erde. Werden am Nachbartisch die ersten großen Flaschen geöffnet unter Bewunderung unseres. 

Und es dauert auch nicht lange, bis wir einen tischübergreifenden Flaschentausch vollziehen. Man kommt ins Quergespräch über Bänke und Tische hinweg. Immer mehr Flaschen tauchen auf, und ich gerate in Gläser Stress, ich möchte gerade alles auf einmal probieren, aber auch nicht schneller trinken. Clemens Busch gesellt sich zu uns, und dann noch Peter Jakob Kühn. Die Kühle des noch jungen Frühlings holt uns etwas ein, aber ich sitze wie der kleine Junge im Süßwarengeschäft und genieße den Moment, die Auswahl der im Shuffle Modus vorbeikommenden Weine, die Wortfetzen angeregter Gespräche...

Mein letzter Schluck an diesem Abend? Mit Benoit Tarlant ein Glas Cuveé Louis.

An dieser Stelle nochmals Danke an alle von Vinaturel, für die super Planung im voraus, die Newsletter die penibel mit allen wichtigen Informationen ausgestattet waren. Den ganzen Tag. Ich habe selten so viele entspannte Menschen Wein verkosten gesehen. Das war gelinde gesagt großartig! 

Hey Enste reicht es mal nicht mit den superlativen? Gab es nichts aber so gar nichts zu meckern? Doch, ich habe 40 Euro für Lose versenkt und nur Nieten gehabt. Die Glücksfee hat an den Tag keinen guten Job gemacht, aber es war für einen mehr als guten Zweck!

Wein Roadtrip Tag 3: Von Flöhrsheim-Dalsheim nach Mainz. Deutscher Champagner, Porphyr und kein Hotel.

Nach so einem Abend, kann man am nächsten Tag eigentlich nur aufhören oder mit einer morgendlichen Sektprobe bei einem der besten Versekter Deutschlands in den Tag starten. Also sitzen wir um 10.00 Uhr bei bei Chef Bubble-Maker Volker Raumland und seiner Frau am Tisch und die ersten Korken ploppen aus den Flaschen. Nebenbei bemerkt in einem der schönsten Anwesen die ich je gesehen habe. Der Hausherr erklärt uns seine Art der Sektbereitung. Ihm geht es um Harmonie und dazu gehört auch, dass die meisten seiner Grundweine die malolaktische Gärung durchlaufen um die etwas spitzere Apfelsäure in Weinsäure umzuwandeln. Zucker braucht Volker Raumland um Harmonie zu erreichen eher wenig. Auf nahezu allen Etiketten ist zwar Brut zu lesen, doch das hat vermarktungstechnische Gründe, denn viele dieser Sekte bewegen sich im extra Brut oder sogar Zero Dosage Bereich. Nachdem wir die Haus-Cuvees Marie Louise und Katharina, benannt nach seinen Töchtern, verkostet haben, geht es eine Stufe höher in den Prestige Bereich. Der Sekt Guru Raumland kommt in fahrt und wir immer redseliger, was daran liegt, dass wir oft zu einem Thema abschweifen, welches die Raumlands seit vielen Jahren begeistert wie kein zweites. Champagner. Wir reden über Winzerchampagner und kleine Häuser, Entdeckungen und Geheimtipps. Volker Raumland merkt, dass er mit Pascal und mir, zwei Champagne Freaks am Tisch hat und zieht das Champagner Handbuch von Eichelmann aus dem Regal, um uns seine Favoriten zu zeigen und wir suchen unsere raus.

 

Im Glas befindet sich mittlerweile die wohl bekannteste Cuvee des Hause, der Triumvirat. Aktueller Jahrgang 2009. Üppig, nussig, weißer Pfirsich, ausladend. Man spürt das warme Jahr. Trotzdem elegant. Noch besser gefällt mir der 2008er Riesling Prestige. Schlank und straff, trocken mit irrem Zug. Volker Raumland erzählt uns nebenbei dass er sich in den nächsten Jahren noch mehr auf seine eigenen Sektkreationen konzentrieren möchte und die Lohnversektung runter schrauben will. 

 

Als nächstes gibt es ein Highlight ins Glas. Chardonnay 2004 aus der Spitze der Qualitätspyramide, der Vintage Serie. Die Sekte aus dieser Reihe lagern mind. 10 Jahre auf der Hefe uns stammen aus der Dalsheimer Lage Bürgel. Die Raumlands denken drüber nach die Vintage Weine bald als Deutschen Sekt b. A. mit Nennung der Einzellage auf den Markt zu bringen um auch die Herkunft in den Vordergrund zu stellen. Ich halte dies für einen logischen Schritt, da es dem deutschen Trend und auch dem Vorbild Champagne entspricht. Der Wein jedenfalls ist groß. Geröstete Haselnüsse, Süßholz, Orangenschale, weißer Nougat, Nutella, gradlinig mit toller Struktur. Wir quatschen weiter über Schaumwein und Volker (wir sind mittlerweile beim Du), erzählt über einen interessanten Beratungsauftrag in England und das dortige Potential für guten Sekt. Ich berichte von meinen Londoner Erfahrungen mit dem Sektgut Ridgeview in Essex und Pascal beichtet, dass er noch nie britischen Wein verkostet hat. Sekunden später schießt der Korken aus einer Flasche Ridgeview Blanc de Noir, die Volker von wer weiß wo hergezaubert hat. Nicht die Qualität der Raumland Sekte, aber trotzdem sehr gutes Zeug. Wir könnten noch den ganzen Tag an diesem Tisch sitzen, trinken und diskutieren und ich glaube Volker auch. Doch wir sind mal wieder eine halbe Stunde hinter der Zeit müssen weiter. 

 

Next Stop Siefersheim. Da wo Rheinhessen etwas rauer und kühler ist. Und noch einen großen Unterschied gibt es zum Rest des eher Lehm und Kalk dominierten Anbaugebiets, den Boden. Hier endet ein von der Nahe kommendes Porphyr Band, ein brüchiges Vulkangestein, welches die Weine hier prägt. Wir besuchen das erste Haus am Platz, Weingut Wagner-Stempel. Betriebsleiter Oliver empfängt uns und wir steigen in den Landrover und fahren auf über 200 Meter auf die Spitzenlage des Weingutes, die Heerkretz. Für rheinhessische Verhältnisse eine Steillage. An mehreren Stellen treten Porphyr Brocken zu Tage. Oliver erzählt von der mühsamen Arbeit der Rückgewinnung dieser Lage von der Natur, denn ein Teil der Herrkretz war komplett mit Büschen und Bäumen überzogen. Oliver zeigt uns sogar einen Einblick in den felsigen Boden der Region, denn wir halten auf der Rückfahrt an einem Steinbruch. Hier wird deutlich wie massiv das Vulkanische Gestein ist und wie dünn die Bodenauflage. 

 

Zurück am wunderschönen Weingut Verkosten wir mit Chef Daniel Wagner die aktuelle Kollektion. 2015 ist stark. Eine kühle knackige Scheurebe macht mir richtig Spass, hatte ich garnicht auf dem Schirm. Der Siefersheimer Ortsriesling Porphyr gehört für mich jedes Jahr zu den besten Weinen in seiner Kategorie. Auch 2015. Grapefruit, Limette, Grüner Apfel, Salz und dieses unverkennbar Rauchige, was ich einfach mal auf das Vulkangestein schiebe. Auch die gereifte Version aus 2012, die quasi als Reserve jetzt wieder auf den Markt kommt, weißt diese Note auf und ist schon runder und in sich ruhend, aber mit vibrierender Säure und Spannung. Das GG aus der Heerkretz ist der Ortsriesling in dichter und komplexerer Form mit noch mehr Grip. Ein Wein der in jeden Keller gehört !

 

Und schon sind wir wieder auf der Strasse, jetzt Richtung Mainz. Doch vorher machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Bodenheim beim Weingut Kühling-Gillot bzw. Battenfeld-Spanier. Vertriebsleiter Frank Schuber empfängt uns in der modernen und sehr eindrucksvollen…Probierstube..? Ne, eher Eventlocation. Auch hier eine durchweg starke Kollektion. Sehr gut gefallen mir die Restsüßen Weine vom Roten Hang, sowie das extrem unfruchtige, karge undsteinige Große Gewächs aus dem Schwarzen Herrgott von H.O. Spanier. 

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Wieder im Auto. Wir fahren grade in Mainz ein. Wer jetzt beim lesen, das Gefühl bekommt wir seien etwas gehetzt, der irrt nicht. Blame it on Raumland :) Wir haben ein Date mit Jungwinzer und Shootingstar Tobias Knewitz in einer Weinbar. Ich bin zum ersten mal mit dem Auto in Mainz und so sehr ich die Stadt mag, muss ich sagen es ist die Hölle. Null Parkplätze und 8 Millionen Einbahnstraßen. Naja sei es drum, nach einer halben Stunde Parkplatzsuche sitzen wir im Laurenz und ich fühle mich sofort wohl. Nette Leute, gemütlicher Laden, super Küche und absoluter Fokus auf rheinhessische Weine. Wir probieren Weißburgunder und Chardonnay Fassproben von Mr. Knewitz aus Appenheim. Erstaunlich die Unterschiede der einzelnen Fässer. Wir verkosten, diskutieren und genießen das Essen. Nebenbei frage ich einen Mitarbeiter des Laurenz ob er uns ein Hotel für die Nacht empfehlen könnte. Hilfsbereit verspricht er, sich um ein Zimmer für uns zu kümmern. Nach einer halben Stunde kommt er mit schlechten Nachrichten zurück. Es gibt an diesem Tag kein einziges Zimmer mehr in der ganzen Stadt. Das Internet bestätigt seine Aussage. Shit ! Fahren geht auch nicht mehr. Wir suchen weiter, telefonieren rum. Irgendwann bekommt der Geschäftsführer des Laurenz Andreas, Wind von unserem Problem und lädt uns kurzerhand ein in seinem Gästezimmer zu nächtigen ! Das nenne ich echte Gastfreundschaft ! Wir packen den Winzer ein und laufen zu unserer Schlafstätte. Nach ein paar Bierchen, muss dann noch eine Flasche 2009er Kabinett aus der Sonnenuhr von J.J. Prüm dran glauben. Geht halt immer. Aber auch die Folgeflasche 2015er Kabinett vom Niersteiner Winzer Kai Schätzel ist großartig. Riesen Dank an Andreas !!!

 

So jetzt ist endlich Schluss mit den Reiseberichten. Danke an alle Winzer die wir besuchen durften. Überall wurden wir herzlich empfangen und man hat sich viel Zeit genommen, obwohl wir ständig zu spät waren. Danke auch an Marc Weinreich für den Schlafplatz und danke an Pascal, du warst der beste Roadtrip Buddy !

Wein Roadtrip Tag 2: Von Oestrich-Winkel nach Flöhrsheim-Dalsheim. Biodynamie, Sekt und Prince George.

Morgens geht es mit leichtem Hangover, aber bei strahlendem Sonnenschein von Winnigen aus los Richtung Rheingau, genauer gesagt nach Oestrich-Winkel zum Weingut Peter Jakob Kühn. natürlich sind wir zeitlich mal wieder hinten dran, so das wir beim Weingut anrufen müssen um unsere Verspätung zu entschuldigen. Ein Prozess der sich diesen und auch nächsten Tag wie ein roter Faden durch unsere Tour ziehen sollte…

 

Dank unseres Navigationssystems sind wir nach einer kurzen Fahrt mit der Fähre über den Rhein um ca. 10.30 am Ziel und werden herzlichst von Frau Kühn empfangen, die uns direkt bittet in ihr Auto zu steigen und ab gehts in die Weinberge. Den ersten Halt machen wir an einer Wiese nahe dem als Erste Lage klassifizierten Wingert Hallgartener Hendelberg in dem die Kühns einige Hektar besitzen. Auf dieser Wiese lagert einer der, wie Frau Kühn uns erklärt, wichtigsten Säulen der biodynamischen Bewirtschaftung, der Kompost. 50 Tonnen kontrolliert fermentierender Mix aus Heu, Ästen, Mist und Trester. Wer bei diesem Bild die Nase rümpft irrt gewaltig. Frau Kühn greift in den Haufen hinein und lässt uns an der dunklen Erde riechen. Sie duftet nach Waldboden und Herbstlaub. Es erinnert mich ein wenig an gereiften Barolo. 

 

 

Wir fahren weiter hinunter Richtung Rhein, halten hier und dort an, genießen die Ruhe und die Aussicht und Frau Kühn bringt uns redegewandt und emphatisch die Philosophie des Demeter zertifizierten Weingutes nahe. Spricht über die Unterschiede der vorherrschenden Bodentypen Schiefer und Quarzit, erklärt uns Rebschnitt und Laubarbeit und weißt auf Besonderheiten der einzelnen Lagen hin. Ich könnte stundenlang zuhören. Am Ende stehen wir fast am Rheinufer in der Lage Sankt Nikolaus, die früher mal der Kirche gehörte und nach dem Heiligen, dessen Statue am Rand des Weingartens steht, benannt worden ist. Aus einer Parzelle dieser Lage mit sehr alten Rebstöcken, kommt auch der berühmte Riesling „Schlehdorn“, der als PJK Unikat auf den Markt kommt. 

 

Zurück im Weingut dürfen wir mit der Familie zu Mittag essen und schnell wird klar, dass Biodynamie bei den Kühns nicht im Wingert endet, sondern in alles Bereichen gelebt wird. Während wir die aktuelle Kollektion verkosten, spricht Peter Kühn Junior davon, wie ihn die naturnahe Arbeitswiese im positiven Sinne dazu zwingt, sich im Detail und über das ganze Jahr mit jedem einzelnen Rebstock intensiv zu beschäftigen. So weiß er mittlerweile sehr gut, was er von welcher Lage erwarten kann.

 

Zum Abschluss verkosten wir mit Frau Kühn auf der Terrasse noch eine Flasche 2010er Riesling Sankt Nikolaus, welches noch das alte Etikett trägt welches ich so liebe. Der Wein zeigt sich würzig und intensiv, mit kühler Aromatik und salziger Mineralität. Ein Leichtathlet, aber sicher kein Sprinter. Wir bedanken uns für diese unvergesslichen Stunden und brechen auf nach Geisenheim.

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In der Stadt mit der wahrscheinlich bekanntesten Weinbau Universität der Welt gibt es ein Weingut oder besser Sektgut, welches in meiner Wahrnehmung immer noch ein Geheimtipp ist. Norbert Bardong, unterstützt von seiner super netten Frau Renate, macht hier seit vielen Jahren kompromisslos und ausschließlich Sekt. Langes Hefelager und der Verzicht auf biologischen Säureabbau sind das Markenzeichen des bärtigen Hünen, dem auch viele andere Weingüter ihre Grundweine zur Versektung anvertrauen. Renate führt uns eine Wendeltreppe in der tiefen Keller hinab, wo zig tausende Flaschen Sur Latte lagern, damit die Hefe ihnen Struktur und Aroma verleiht. Die alten Gewölbe sind wirklich eindrucksvoll und so groß, dass hier regelmässig Veranstaltungen stattfinden. 

 

 

Wieder zurück im Tageslicht verkosten wir die frisch degorgierten Sekte des Hauses. Am besten gefällt mir der 2004er Spätburgunder Sekt aus dem Assmannshauser Frankenthal. Aber nix Blanc de Noir…Rotsekt ! Ein Sektstil mit Seltenheitswert. Riecht man hier rein, denk man sofort an Pinot Noir. Sauerkirsche, Walderdbeere, Rauch, am Gaumen mit feinem Tannen und dichtem Mousseux und am wichtigsten: knochentrocken. Genauso begeistert bin ich (wie immer) vom Riesling Brut Reserve. Bis zu 15 Jahren Hefelager beschert diesem Schäumer eine wahnsinnig feine Perlage und ein irres Aromenfeuerwerk und das für lächerlich wenig Geld…nur so am Rande.

 

Weiter gehts zu einem Kurzbesuch zu Theresa Breuer. Wir sind mal wieder mit ordentlich Verspätung unterwegs und verkosten nach einem schnellen Kellerrundgang daher nur die Rieslinge des Traditionshauses. Die 14er sind grade erstaunlich zugänglich, doch wie ich die Breuer Rieslinge aus den Lagen Nonnenberg und Schlossberg kenne, werden sie für die nächsten Jahre erstmal untertauchen um nach 10 Jahren zu zeigen, dass sie zu den besten trockenen Weinen Deutschlands gehören. Erste Anzeichen dafür zeigt der 2007er Berg Rottland. Saftig, mit viel Grapefruit, anregender Bitternis und dunkler Mineralität. Wir wären gerne länger geblieben um mit der entspannten Hausherrin zu plaudern, doch haben wir noch eine gute Stunde Fahrt vor uns und wollen unseren nächsten Termin auf keinen Fall verpassen…

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Wir verlassen den Rheingau Richtung Süden und entern Rheinhessen, denn wir haben eine Audienz beim Papst: Klaus Peter Keller. Der Winzer aus Flöhrsheim-Dalsheim im Wonnegau genießt nicht nur in Deutschland absoluten Kultstatus. Als wir angekommen gehts mit Klaus Peter direkt ein seinen Bulli und wir brettern los in die Weinberge. Keller fährt mit uns zu erst in seine Westhofener Top Lagen Morsten, Kirchspiel und Abts Erde und erzählt nebenbei von seiner Leidenschaft zu gutem Essen und die Wichtigkeit seiner Herkunft, aber es geht natürlich auch um Weinbau. Keller lässt kein Zweifel, der heilige Gral für ihn, ist das Burgund. Top selektioniertes Rebmaterial, hohe Stockdichte, alte Reben und das genaue Herausarbeiten der einzelnen Lagen sind für ihn das wichtigste. Das wendet Keller auch konsequent auf seine Rieslinge an. Wir fahren mittlerweile wieder Richtung Weingut, vorbei an den Lagen Hubacker und Bürgel, wo Keller einige alte Spätburgunder Anlagen besitzt. Spätburgunder ist sowieso ein Herzensangelegenheit für Klaus Peter Keller der gut drauf ist und viel lacht, aber aus seinem Perfektionismus in Sachen Wein keinen Hehl macht. Nur wenn wir mal wieder an einer mit Glyphosat oder ähnlichem abgespritzten Rebzeile entlang fahren, wo das verbrannt wirkende Grass in gelben Warnfarben leuchtet, schüttelt Keller den Kopf. Ein Bild welches mir in Rheinhessen leider sehr oft aufgefallen ist.

 

Zurück am Weingut schlittern wir unerwartet in einen wirklich legendären Abend. Klaus Peter lädt uns bei sich zum Abendessen ein, doch es ist nicht nur einfach ein Dinner mit der Familie, sondern ein Testessen für ein großes Event, welches die Kellers veranstalten wollen. Ich will nicht zu viel verraten, aber einige Sterneköche aus Rheinhessen sind schon in der wahnsinnig gut ausgestatteten Küche zu Gange um uns den ganzen Abend mit wunderbaren Speisen zu verwöhnen. Unsere Aufgabe: Die passenden Weine für die einzelnen Gänge zu finden. Mit uns am großen Tisch sitzen Weinhändler, die Köche und Freunde der Familie, darunter Caro Maurer, MW. 

Klaus Peter eröffnet den Abend mit einem Krug Vintage 2002. Und ich werde zum ersten, aber nicht zum letzten mal an diesem Abend ohnmächtig vor Freude. Was ein Champagner ! Dicht, füllig und trotzdem elegant. Brioche, Apfelkuchen, Pfirsich, geröstete Nüsse…all that Jazz. 

 

Dann folgte der erste Kellerwein, eine 2015er Scheurebe aus alten Reben. Karg, straff und frisch, tonnenweise Cassis. Perfekter Partner zu Fisch und Austern wie wir beweisen werden. Danach zieht KP Keller eine Flasche Riesling Pettental aus dem Jahr 2012 aus dem Hut. Der Wein ist schlank und doch merkt man ihm die warme Würze des Roten Hangs bei Nierstein sofort an. 

Zum nächsten Gang hält Klaus Peter einen Riesling G-Max für die beste Wahl. Naja was soll ich sagen…ich habe sicher nicht protestiert. Wir probieren ohne den Jahrgang zu kennen. Ich tippe auf 2009. Etwas kräftiger, komplex, salzig, saftig, geile Säure. Zu unser aller Überraschung ist es 2003. Eines der heißesten Jahre der Weinbaugeschichte. Viele Weine dieses Jahrgangs sind fett und schon sehr weit in der Entwicklung. Dieser immer noch ein Baby. Auf meine Frage, wie er es geschafft habe bei dieser Gluthitze einen Wein mit Frische und Eleganz auf die Flasche zu bringen, antwortet Keller, dass Beschattung in diesem Jahr das wichtigste war. Er habe früh reagiert und das Laub doppelt und dreifach schützend vor die Trauben gezogen, zudem helfen die alter Reben dem Hitzestress entgegen zu wirken. 

 

Der nächste Wein den KP kredenzt ist ein Silvaner aus dem Jahrgang 2004. Erdig, burgundisch mit feinstem Holzeinsatz, cremig, nach Birne und Gartenkräutern. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann stammt der Wein von 70 Jahre alten Reben, welche Keller aber mittlerweile auf Riesling umveredelt hat. Ein Wein also, den es in der Form nicht mehr geben wird. Mit einem Wein den man eigentlich nicht kaufen kann geht es weiter: Morstein 2012 und 2013 als Fassprobe, aber kein Riesling sondern Spätburgunder ! Fein fruchtig mit Noten von Sauerkirschen, Roter Johannisbeere und Tannenholz. Extrem langer, kalkiger Nachhall. Es macht Spass diesen Pinot in seiner Jugendlichen Phase zu trinken und trotzdem birgt der Wein Potential für Dekaden. Pinot heißt übrigens auch der Hund der Kellers, der sich ab und zu mal ein paar Streicheleinheiten abholen kommt. 

 

Als nächstes wird der Restzuckergehalt etwas erhöht und es gibt wieder einen Tropfen, den man wahrscheinlich nie wieder in seinem Leben trinken wird. Riesling Kabinett -H- aus dem Jahrgang 2013. Das H steht für die Lage Hipping am Roten Hang. Erinnert irgendwie an die Mosel, nur ein Hauch kräftigerr, aber mit unglaublichen Zug. Warum kann man diesen Wein nicht kaufen ? Weil das die englische Königsfamilie zur Geburt von Baby George bereits getan hat. Und zwar alle 1300 Flaschen, persönlich übergeben von Klaus Peter Keller. Genauso geschehen mit dem noch strafferen und schwebenden 2015ner. (Wahrscheinlich ist der 16er schon reserviert:). 

 

Es folgen noch einige Weine, doch ich konnte mir nicht mehr alles merken. Am Ende bleibt mir nur der ganzen Familie Keller für ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft meinen aller grössten Dank auszusprechen. Und auch ein dickes Kompliment an die Köche für diese hervorragende Leistung. Chapeau !