Champagne Unplugged - Zero Dosage

Champagner ohne Zucker. Zero Dosage. So wie Cola Zero. Klingt fast nach hippen Trends wie Clean Eating oder dem Detox Wahnsinn. Aber keine Angst, Alkohol ist trotzdem drin und den CO2 Fußabdruck verbessert dieses herrliche Sprudelgetränk bei der ganzen Kohlensäure und der schweren Flasche sicher auch nicht. Was soll das ganze dann ? Klären wir vor dem Warum erstmal das Wie. Champagner oder auch Winzersekt, ist im Endeffekt nichts anderes als stiller Wein, der durch Zugabe von Hefe und Futter für die Hefe, also Zucker, eine zweite Gärung auf der Flasche durchmacht. So entsteht Kohlensäure welche sich durch Druck im Wein bindet. Da die Hefen sämtliche Zucker verstoffwechseln, ist der Wein nach diesem Prozess faktisch kompletttrocken. Die Hefe stirbt ab und wird nach mehr oder weniger langer Lagerung in den Flaschenhals gerüttelt und dann raus geschossen, damit der Konsument keine trübes Zeug trinken muss. Man nennt diesen Verfahren Degorgieren. Dabei geht natürlich auch immer etwas vom Wein verloren. Doch keine Panik, dieses Schlückchen wird wieder aufgefüllt. In den meisten Fällen mit einer Mischung aus einer Art Traubenzuckersirup und Wein, der Versand Dosage. Denn auch wenn sie es nicht zugeben wollen, die meisten Weintrinker sind einer kleinen Portion Süße nicht abgeneigt. Früher wurde Champagner meist sehr süß getrunken. Heute ist die meistverkaufte Dosierung Brut, also bis zu 16g Zucker pro Liter. Winzer die einen Zero Dosage Champagner herstellen möchten, lassen den Zucker in der Dosage einfach weg und füllen einfach mit selbigem Champagner auf. Auf dem Etikett ist dann oft Brut Nature oder Ultra Brut zu lesen. Aber nicht immer, denn auch mit nur 1g Zucker pro Liter (was einem Brut Natur entspräche) darf man „Brut“ auf das Etikett schreiben. Ein Untergenrenze sieht das Weingesetz nämlich nicht vor. Manch ein Winzer macht also einen staubtrockenen Champagner, nennt ihn aber „Brut“, weil es sich anscheinend besser verkauft.

 

Meiner Meinung nach, zeichnet sich so langsam ein Trend in die richtig trockene Richtung ab. Und zwar nicht nur bei den kleinen Champagne Winzern, sondern sogar bei so manchem großen Haus. Roederer zum Beispiel hat mittlerweile einen Brut Nature Schäumer im Portfolio der gar nichtmal schlecht ist… 

 

Fragt man Benoit Tarlant warum die meisten seiner Champagner ohne Zucker Zusatz auf den Markt kommen, sagt er nur bedeutungsschwer „Terroir“ ! Er möchte, dass die Herkunft seiner Weine im Glas spürbar wird, unverschleiert vom Zucker. Jahrgang, Klima, Boden. Und Böden gibt es in der Champagne und vor allem im Valley de la Marne wo das Haus Tarlant zu Hause ist, eben nicht nur Kreide, sondern verschiedenste Gesteinsarten von Kalk über Mergel bis Lehm. (Wer sich genauer über Bödengin der Champagneinformieren will, dem lege ich diesen Artikel von Kollege Christoph Raffelt wärmstens ans Herz). 

Einer von Tarlants Vier Jahrgangschampagnern (ausgenommen die Prestige Cuvees) ist der 2003er „La Matinale“ und der einzige der aus einer klassischen Rebsorten Cuvee besteht und nicht, wie die anderen drei aus nur einer Rebsorte. Die Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier Trauben dieses Weines stammen alle aus dem Marne Tal. Benoit Tarlant ist es durch sein biodynamische Arbeitsweise, den alten, tief wurzelnden Reben und hervorragender Laubarbeit gelungen, auch in einem Rekord Hitzejahr wie 2003 einen eleganten, erfrischenden Champagner zu erzeugen. Der Wein wurde 2004 abgefüllt und 10 Jahre später im Juli 2014 degorgiert. Dieses lange Hefelager verleiht dem Champagner mehr Struktur und eine sehr feine Perlage. Riecht man hinein, strömen einem Aromen von weißem Nougat, Apfel, Hefezopf und dem grünen Rand einer Wassermelone entgegen, aber auch eine Note die an Palo Cortado Sherry erinnert. Am Gaumen dann salzig und frisch, nach gelber Grapefruit. Tarlant verzichtet bei allen Champagnern auf den biologischen Säureabbau, was dem „La Matinale“ eine vibrierende Säure verleiht und ihn zu einem Weltklasse Erfrischungsgetränk macht.

 

Ein noch größerer Verfechter des Brut Nature ist Vincent Laval vom, im Örtchen Cumieres in der Nähe vom Epernay gelegenen Weinguts Georges Laval. Hier kommt nahezu die gesamte Jahresproduktion von überschaubaren 9000 Flaschen ohne Dosage auf den Markt. Sein „Basis“ Wein, der Premier Cru Brut Nature ohne Jahrgang, eine Cuvee aus seinen 7 Parzellen in Cumieres wird vorwiegend aus Chardonnay gekelltert. In der Aromatik und im Geschmack unterscheidet er sich deutlich vom „La Matinale“. Riecht man hier hinein kommt einem ein Mix aus Pfirsich, Mandarinenschale, Aprikosentart, Orangenblüten und hellem Tabak entgegen. Man will sofort probieren so einladend ist der Duft. Am Gaumen wieder viel Mandarine und Pfirsich, dazu kommt reifer, roter Apfel und etwas dunkel gebackener Blätterteig. Der Champagner ist etwa fülliger, was dazu führt, das man garnicht merkt, wie trocken er eigentlich ist. Ich warne vor diesem Champagner ausdrücklich: Die Flasche leert sich in Rekordzeit. 

Als Fazit kann ich nur sagen, dass mir Zero Dosage Schaumweine, wenn sie gut gemacht sind sehr viel Spaß machen und ich immer häufiger zum Brut Nature greife. Man trinkt gerne das zweiteoder dritte Glas und es ist manchmal einfacher zu erkennen wo der Wein seinen Ursprung hat. Ich möchte damit auf keinen Fall den klassischen Brut Champagner abwerten. Auf einigen der besten Flaschen meines Lebens waren diese vier Buchstaben zu lesen…

 

Cheers

Von Zalto-Beschützern, lächelnden Schweinen, großen Weinen in noch größeren Flaschen. — Vinaturel Hausmesse 2016

10:30 Uhr. Ich steige am Münchner Bahnhof in den von Vinaturel gecharterten Shuttle-Bus, bei vorbildlichem bayrisch blauem Himmel. Es geht in das knapp 30 km entfernte Berg am Starnberger See. Ich habe mir zwei Tage Urlaub genommen, und bin 645 km mit der Bahn gefahren (Hin und zurück ohne Verspätung in nigelnagelneuen ICEs, kein österreichischer Fotograf/Journalist an Bord) nur um eine Hausmesse eines Weinhändlers zu besuchen. Aber bei der Auflistung der anwesenden Weingüter und Winzern vor Ort, schlug das WeinNerd Herz einfach viel zu hoch. (Dieses sollte im Laufe des späteren Abends noch viel höher schlagen.) Als wir die Autobahn verlassen, und auf einer schmalen Landstraße die letzten Kilometer gen Berg vor uns haben. Fahren wir vorbei an Schönheitskliniken, satten grünen hügeligen Wiesen, bis ins kleinste Detail gepflegten Bauernhäusern und opulenten Villen. Die wie Satelliten einer überzeichneten wunderschön bayrischen Postkarten Idylle, den Starnberger See belagern. Und es kommt einen in den Sinn, das wohl Mutter Natur bei der Erschaffung Bayerns den extra feinen Pinsel rausgeholt hat. 

Am Eingang der Hausmesse erhalte ich ein Zalto Universal Glas zur Verkostung, das schon bei der ersten Instruktion im Bus als äußerst rares Gut vorgewarnt wurde. Im Laufe dieses Tages habe ich mehr Zaltos sterben gesehen, als manche Weinseele es verkraften kann. 

Damit auf dem Gelände von Vinaturel die knapp 500 Besucher und Winzer auch Platz haben, wurden Bestände ausgelagert und mehrere Zelte errichtet. Ich begebe mich als erste in das Festzelt, vorbei am Ausschank von Unertl. Nach Dinkel-Weisse ist mir noch nicht, das wäre in Anbetracht der zeitlichen Ausmaße für diesen Tag unnötiger alkoholischer Ballast. Im Zelt gibt es einen Stand von Pascucci Café, die neben einer Synesso auch mehrere Hario-Drippern aufgebaut haben. Third Wave Coffee meets Fest-Zelt meets Weinverkostung. Ich bin beeindruckt. Ich mache es mir mit sehr guten Weißwürsten vom lokalen Metzger Kandler, Obatzda und einem frisch vor Ort gebackenen Bretzn erstmal bequem und gehe meine Planung für heute durch.  

Champagne

Während andere Stationen auf dieser Hausmesse in Zelten oder dem Lager untergebracht sind, befinden sich die Stände der Winzer aus der Champagne direkt in den Büroräumen. Was auf der einen Seite etwas beengter wirkt, begrenzt hier den Raum für Menschen. So dass es für jeden auf der Messe problemlos im Laufe des Tages möglich war, persönlich das Gespräch zu finden. 

Barbichon:

Extra Brut: Tänzelnde und packende Säure. Großer gemischter Korb von Zitrusfrüchten. Für den kommenden Sommer die Begleitung zum Feierabend. Unkomplizierte aber solider Durstlöscher, um auf warmen Bürgersteigen zu sitzen und den Tag ausklingen zu lassen.


Charles Dufour:

Bistrotage: 
An anderer Stelle wurde ich schon für Salzpflaume / Umeboshi als eines der Aromen belächelt, und ich bleibe dabei. Dazu etwas Schwarzwälder Schinken. Was ich an diesem Champagner so liebe ist seine Wildheit. Das ewig changierende der Aromen in Nase und besonders am Gaumen.

Bulles de Comptoir #4: Die erste Flasche hatte ich im Januar, da war er noch sehr ruppig, kurz nach dem degorgieren. Im März auf der ProWein zeigte er schon so leicht wohin die Reise hingeht. Er wirkt jetzt immer noch leicht verschlossen, hat aber das ruppige und kantige weitgehend abgelegt. Ein großes Glas tut Ihm immer noch sehr gut. Dann wird man schon ein wenig belohnt mit Aromen von Cedri Zitronen, geröstetem Weißbrot, Cassis. Und einer Säure wie ein gebirgskalter Wasserfall der stetig den Gaumen mit ordentlich Druck erfrischt.


Larmandier-Bernier

Longitude (formerly known as Blanc de Blancs): Die Säure am Gaumen das Katana Schwert unter den Champagner. Kompromisslos, minimalistisch und lang. Immer wieder ein großes Vergnügen. 

Terre de Vertus: Im Gegensatz zum Longitude fast üppig. Präsentiert sich seidig fast anschmiegsam mit einem Hauch Marzipan, türkischem Honig und reifen roten Äpfeln. 


Vouette & Sorbée


Blanc d'Argile: Nasse Tafelkreide galore. Ein wenig Pariser Bäckerei am morgen. Ultra minimalistisch. Und dabei trotzdem so faszinierend animierend, immer noch ein Glas mehr trinken zu wollen. 

Saignée de Sorbée Rosé Extra Brut: Gefriergetrocknete Erdbeeren, Bunter Strauß einer Wildblumenwiese im Spätsommer. Ein wenig nasse Waldbodenerde. Wild, exotisch immer ein wenig schwebend und nie so richtig einzuordnen. Wird niemals everybody's darling, meiner schon.


Tarlant

Cuvée La Matinale 2003:
Ein sehr bescheidener Jahrgang, und laut Benoit Tarlant für Ihn momentan sein Liebling, gerade weil er sich dennoch so gut entwickelt hat. Er tanzt auch ein wenig aus der Tarlantschen Reihe, mit seinen Anklängen von Sherry und Calvados. Aber dennoch mit einer richtig knackigen Säure und einer sehr guten Struktur. 

Deutschland

Mitten zwischen Versandbereich und Hochregallager befinden sich die deutschen Winzer. Dicht belagert natürlich Peter Jakob Kühn, Wittmann, Christmann oder Clemens Busch. Da ich alle auf Verkostungen in den letzten Monaten schon ausgiebig notiert habe, spare ich mir diese heute. Nur so viel, der 2014 Fahrlay von Clemens Busch, ist für mich einer der schönsten trockenen Rieslinge der letzten Jahre, bei dem ich immer wieder Gänsehaut bekomme. Grazil, unendlich komplex und sehr berührend. 

Odinstal:

Riesling Sekt Brut Nature: German Kargheit. Während andernorts gerne der Vergleich zum Champagner bei Sekt erhoben wird. Ist dieser Sekt genau das Gegenteil von gefälliger opulenter Eleganz. Dabei aber mit einem ungehörigen Trinkfluß ausgestattet, der sich wie ein roter Faden durch die ganze Kollektion zieht. 

Riesling Basalt 2014: Kein Wein der durch seine Primärfrucht sich jetzt schon anbiedert. Sondern zutiefst dichte Mineralität, mit einem Meer nasser Steine, und feine Würzigkeit. Abwarten heißt es hier und sich in ein paar Jahren umso mehr freuen.

Luckert - Zehnthof und Stevan Vetter
haben Ihre Stände direkt nebeneinander. Für den Verkoster ein fließender Übergang von Herkunftstypizität der neuen großen fränkischen Art und Nouvelle Vague des Silvaner. 

Luckert - Zehnthof:

Sonnenberg Silvaner - Gelbkalk 2014: Eine enorme Saftigkeit gepaart mit Würze von Fenchelsamen und Kerala Pfeffer. Das ist Silvaner den ich wieder lieben gelernt habe und der auch blind nichts anderes sein möchte.

Stevan Vetter: 

Sylvaner CK 2014:
Und hier das genaue Gegenteil, nichts deutet auf Silvaner hin, und dennoch ein sehr faszinierendes Stück Wein. Kühl, schwerelos. Wie minimalistische elektronische Musik in der es nur einen monotonen Beat gibt, hier und da tauchen unerwartet Töne auf die im Gesamten ein Bild erzeugen. Schwer zu fassen, benötigt Zeit und belohnt dafür umso mehr. 

Österreich und Italien

Ich begebe mich wieder nach draußen, an Frankeich und Spanien erstmal vorbei und in das Zelt der Winzer aus Österreich und Italien. Es ist später mittag, und ich hatte es mir deutlich wärmer unter der Zeltplane vorgestellt. An mir ziehen immer wieder unermüdlich Mitarbeiter von Vinaturel vorbei, leeren Spuckis aus, füllen Eis und Wasser nach. Auch hier sind an den „HotSpot Winzern“ viele Verkoster, aber jeder macht irgendwie für jeden und sein Glas Platz. 

Österreich:

HM Lang:

Riesling, Riede Steiner Schreck 2013: 
Im ersten Moment wirkt er fast barock, um dann ganz schnell den Dreh zu einem sehr kompakten und schlanken Wein hinzubekommen. Extrem dicht, stoffig, und eine sehr moderate Säure. Es tun sich enorm viele Schichten auf die erforscht werden wollen. Brauch Zeit zur Reife, und dann wieder Zeit um an einem langen Abend langsam getrunken werden zu wollen.

Meinklang: 

Prosa Rosé:
Um es mit den Worten vom Kollegen Riesling Roboter zu sagen, das holt mich total ab. Ein Sack voller roter Früchte, und eine Menge Spaß. Und das zu einem Preis, wo es dann an einem warmen Abend auch sehr viel mehr Flaschen sein dürfen. 

Muthenthaler:

Vießlinger Stern 2013:
Wachau wie sie eigentlich viel mehr sein sollte, und mich vor ein paar Jahren direkt angefixt hat. Präzise, karg und eine enorme Würzigkeit gepaart mit einer äußert straffen und packenden Säure. Wirkt 2013 ein wenig üppiger als die Jahre davor, aber den Speck sollte er mit mehr Reife die Ihm absolut zusteht verlieren.

Andreas Tscheppe:

Ein paar einleitende Worte, nach Jahren davor mit dem Rhombenspanner und Hagel, kam es dieses Jahr für Tscheppe mit dem Frost wieder knüppeldick. Es wird wenn überhaupt 2016 nur Mikro Mengen geben. 

Grüne Libelle 2013: Man möchte diese Wein direkt austrinken aber seine fordernde Art bremst den Gaumen dauernd aus. Welch Konflikt für die Seele. Und nebenbei der erste Gänsehaut Moment des Tages. Kaufen, weglegen, und in schwachen Momenten eine Flasche naschen und sich schuldig fühlen. 

Italien:


Ich beiße mir in den Hintern weil ich es an diesem Tage nicht geschafft habe, Ca'La Bionda und Roagna zu verkosten, wird nachgeholt. 

Valfaccenda:

Arzigh:
3-4 Tage auf der Maische, und Arneis steht dies wie der Arsch auf Eimer. Eine feine Säure, hier etwas Tannin da etwas Salz und das im schönsten Kleid der ganzen Hausmesse. Leider nur etwas über 600 Flaschen. Zweiter Gänsehautmoment des Tages. 

Spanien und Frankreich

Zurück ins Weinlager von Vinaturel, kurz vor dem Eingang wurde ein weiteres Zelt errichtet was Spanien beheimatet. 

Spanien:

Celler Credo:

Miranius: Recaredo kann auch still, frische Frühlingswiese, würzig pfeffrige Frucht. Perfekter Wein um Mediterrane Küche für wenig Geld zu begleiten. 

Terroir al Limit:

Terroir Historic Negre:
Ein Wein der aus der Idee heraus entstand, wieder einen grundsoliden Wein auf Basis einer Kooperative zu machen. Diese wird in den nächsten Jahrgängen auch nicht mehr den Namen von Terroir al Limit zieren sondern der Kooperative. Man hat hier sozusagen Nachhilfe gegeben. Und die hat sich mehr als gelohnt. Reife Kirsche, Pflaumen, etwas Thymian und Rosmarin. Schon sehr feines Tannin. Lockere 18 Euro. 

Frankreich:

Während ich bei Albert Mann und Zind-Humbrecht einfach öfters nur niederknien wollte. Blieb ich dann auch im Burgund hängen. Potel hatte ich schon Tage zuvor bei Kollege Werzl im Restaurant getrunken, und bei Château de Béru nahm mich kurz der Richard Yoder zur Seite.


Château de Béru: 

Béru Chablis Clos Béru Monopole:
Beispielhaft für die ganze Kollektion von
Athénaïs de Béru. Reifes Steinobst, sehr feine Würze und Mineralität, die mit ordentlich Nachdruck den Gaumen antanzt. Das hat Kraft und Wucht, aber niemals grob und klotzig sondern grazil und elegant. Das war Liebe auf den ersten Schluck...

18:28 Das Schwein lächelt seelig

Es war ein langer Tag, mit vielen neuen Eindrücken und vertiefen bestehender. Während einige noch weiter verkosten, gönne ich mir endlich auf der Terasse des Festzeltes ein Dinkel Weisse. Es spült meine Geschmackspapillen, enlässt Sie in den Feierabend, befreit jegliche Reste von allen Weinen dieses Tages. Am Horizont zwischen den Bäumen sind deutlich die Alpen zu erkennen, die sich langsam in ein zartes Rosa tauchen. Im Kontrast der langsam dämmernde Himmel. Ja, die Landschaft in der ich mich heute befinde kehrt wieder zurück in das Bewusstsein. Gang raus, und ich begebe mich zum Schwein, das neben dem Angus Rind ein Tag zuvor den Weg von Meinklang nach Berg fand. Und den ganzen Tag seine Runden drehte.

Bier, Salz und Fett, bescheren mir direkt ein Lächeln beim Anblick des Tellers vor mir. 



19:30 Große Flaschen und Wortfetzen wie Honig.

Wir sitzen gemeinsam auf der Terrasse, lassen den Tag nochmal vorbeiziehen. Reden über Weine, über die Frost-Kapriole des noch so jungen Weinjahres 2016. Am Tisch neben uns sitzen Sophie und Pierre Larmandier, Charles Dufour, Barbichon, Athénaïs de Béru, die eine Hälfte von Vouette & Sorbée, Benoit Tarlant, Nicolas Potel und weitere. Und während wir die „Reste“ der Sepp Muster Verkostungsweine trinken, mit einer um sich unsterblich zu verlieben guten Erde. Werden am Nachbartisch die ersten großen Flaschen geöffnet unter Bewunderung unseres. 

Und es dauert auch nicht lange, bis wir einen tischübergreifenden Flaschentausch vollziehen. Man kommt ins Quergespräch über Bänke und Tische hinweg. Immer mehr Flaschen tauchen auf, und ich gerate in Gläser Stress, ich möchte gerade alles auf einmal probieren, aber auch nicht schneller trinken. Clemens Busch gesellt sich zu uns, und dann noch Peter Jakob Kühn. Die Kühle des noch jungen Frühlings holt uns etwas ein, aber ich sitze wie der kleine Junge im Süßwarengeschäft und genieße den Moment, die Auswahl der im Shuffle Modus vorbeikommenden Weine, die Wortfetzen angeregter Gespräche...

Mein letzter Schluck an diesem Abend? Mit Benoit Tarlant ein Glas Cuveé Louis.

An dieser Stelle nochmals Danke an alle von Vinaturel, für die super Planung im voraus, die Newsletter die penibel mit allen wichtigen Informationen ausgestattet waren. Den ganzen Tag. Ich habe selten so viele entspannte Menschen Wein verkosten gesehen. Das war gelinde gesagt großartig! 

Hey Enste reicht es mal nicht mit den superlativen? Gab es nichts aber so gar nichts zu meckern? Doch, ich habe 40 Euro für Lose versenkt und nur Nieten gehabt. Die Glücksfee hat an den Tag keinen guten Job gemacht, aber es war für einen mehr als guten Zweck!

Wein Roadtrip Tag 3: Von Flöhrsheim-Dalsheim nach Mainz. Deutscher Champagner, Porphyr und kein Hotel.

Nach so einem Abend, kann man am nächsten Tag eigentlich nur aufhören oder mit einer morgendlichen Sektprobe bei einem der besten Versekter Deutschlands in den Tag starten. Also sitzen wir um 10.00 Uhr bei bei Chef Bubble-Maker Volker Raumland und seiner Frau am Tisch und die ersten Korken ploppen aus den Flaschen. Nebenbei bemerkt in einem der schönsten Anwesen die ich je gesehen habe. Der Hausherr erklärt uns seine Art der Sektbereitung. Ihm geht es um Harmonie und dazu gehört auch, dass die meisten seiner Grundweine die malolaktische Gärung durchlaufen um die etwas spitzere Apfelsäure in Weinsäure umzuwandeln. Zucker braucht Volker Raumland um Harmonie zu erreichen eher wenig. Auf nahezu allen Etiketten ist zwar Brut zu lesen, doch das hat vermarktungstechnische Gründe, denn viele dieser Sekte bewegen sich im extra Brut oder sogar Zero Dosage Bereich. Nachdem wir die Haus-Cuvees Marie Louise und Katharina, benannt nach seinen Töchtern, verkostet haben, geht es eine Stufe höher in den Prestige Bereich. Der Sekt Guru Raumland kommt in fahrt und wir immer redseliger, was daran liegt, dass wir oft zu einem Thema abschweifen, welches die Raumlands seit vielen Jahren begeistert wie kein zweites. Champagner. Wir reden über Winzerchampagner und kleine Häuser, Entdeckungen und Geheimtipps. Volker Raumland merkt, dass er mit Pascal und mir, zwei Champagne Freaks am Tisch hat und zieht das Champagner Handbuch von Eichelmann aus dem Regal, um uns seine Favoriten zu zeigen und wir suchen unsere raus.

 

Im Glas befindet sich mittlerweile die wohl bekannteste Cuvee des Hause, der Triumvirat. Aktueller Jahrgang 2009. Üppig, nussig, weißer Pfirsich, ausladend. Man spürt das warme Jahr. Trotzdem elegant. Noch besser gefällt mir der 2008er Riesling Prestige. Schlank und straff, trocken mit irrem Zug. Volker Raumland erzählt uns nebenbei dass er sich in den nächsten Jahren noch mehr auf seine eigenen Sektkreationen konzentrieren möchte und die Lohnversektung runter schrauben will. 

 

Als nächstes gibt es ein Highlight ins Glas. Chardonnay 2004 aus der Spitze der Qualitätspyramide, der Vintage Serie. Die Sekte aus dieser Reihe lagern mind. 10 Jahre auf der Hefe uns stammen aus der Dalsheimer Lage Bürgel. Die Raumlands denken drüber nach die Vintage Weine bald als Deutschen Sekt b. A. mit Nennung der Einzellage auf den Markt zu bringen um auch die Herkunft in den Vordergrund zu stellen. Ich halte dies für einen logischen Schritt, da es dem deutschen Trend und auch dem Vorbild Champagne entspricht. Der Wein jedenfalls ist groß. Geröstete Haselnüsse, Süßholz, Orangenschale, weißer Nougat, Nutella, gradlinig mit toller Struktur. Wir quatschen weiter über Schaumwein und Volker (wir sind mittlerweile beim Du), erzählt über einen interessanten Beratungsauftrag in England und das dortige Potential für guten Sekt. Ich berichte von meinen Londoner Erfahrungen mit dem Sektgut Ridgeview in Essex und Pascal beichtet, dass er noch nie britischen Wein verkostet hat. Sekunden später schießt der Korken aus einer Flasche Ridgeview Blanc de Noir, die Volker von wer weiß wo hergezaubert hat. Nicht die Qualität der Raumland Sekte, aber trotzdem sehr gutes Zeug. Wir könnten noch den ganzen Tag an diesem Tisch sitzen, trinken und diskutieren und ich glaube Volker auch. Doch wir sind mal wieder eine halbe Stunde hinter der Zeit müssen weiter. 

 

Next Stop Siefersheim. Da wo Rheinhessen etwas rauer und kühler ist. Und noch einen großen Unterschied gibt es zum Rest des eher Lehm und Kalk dominierten Anbaugebiets, den Boden. Hier endet ein von der Nahe kommendes Porphyr Band, ein brüchiges Vulkangestein, welches die Weine hier prägt. Wir besuchen das erste Haus am Platz, Weingut Wagner-Stempel. Betriebsleiter Oliver empfängt uns und wir steigen in den Landrover und fahren auf über 200 Meter auf die Spitzenlage des Weingutes, die Heerkretz. Für rheinhessische Verhältnisse eine Steillage. An mehreren Stellen treten Porphyr Brocken zu Tage. Oliver erzählt von der mühsamen Arbeit der Rückgewinnung dieser Lage von der Natur, denn ein Teil der Herrkretz war komplett mit Büschen und Bäumen überzogen. Oliver zeigt uns sogar einen Einblick in den felsigen Boden der Region, denn wir halten auf der Rückfahrt an einem Steinbruch. Hier wird deutlich wie massiv das Vulkanische Gestein ist und wie dünn die Bodenauflage. 

 

Zurück am wunderschönen Weingut Verkosten wir mit Chef Daniel Wagner die aktuelle Kollektion. 2015 ist stark. Eine kühle knackige Scheurebe macht mir richtig Spass, hatte ich garnicht auf dem Schirm. Der Siefersheimer Ortsriesling Porphyr gehört für mich jedes Jahr zu den besten Weinen in seiner Kategorie. Auch 2015. Grapefruit, Limette, Grüner Apfel, Salz und dieses unverkennbar Rauchige, was ich einfach mal auf das Vulkangestein schiebe. Auch die gereifte Version aus 2012, die quasi als Reserve jetzt wieder auf den Markt kommt, weißt diese Note auf und ist schon runder und in sich ruhend, aber mit vibrierender Säure und Spannung. Das GG aus der Heerkretz ist der Ortsriesling in dichter und komplexerer Form mit noch mehr Grip. Ein Wein der in jeden Keller gehört !

 

Und schon sind wir wieder auf der Strasse, jetzt Richtung Mainz. Doch vorher machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Bodenheim beim Weingut Kühling-Gillot bzw. Battenfeld-Spanier. Vertriebsleiter Frank Schuber empfängt uns in der modernen und sehr eindrucksvollen…Probierstube..? Ne, eher Eventlocation. Auch hier eine durchweg starke Kollektion. Sehr gut gefallen mir die Restsüßen Weine vom Roten Hang, sowie das extrem unfruchtige, karge undsteinige Große Gewächs aus dem Schwarzen Herrgott von H.O. Spanier. 

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Wieder im Auto. Wir fahren grade in Mainz ein. Wer jetzt beim lesen, das Gefühl bekommt wir seien etwas gehetzt, der irrt nicht. Blame it on Raumland :) Wir haben ein Date mit Jungwinzer und Shootingstar Tobias Knewitz in einer Weinbar. Ich bin zum ersten mal mit dem Auto in Mainz und so sehr ich die Stadt mag, muss ich sagen es ist die Hölle. Null Parkplätze und 8 Millionen Einbahnstraßen. Naja sei es drum, nach einer halben Stunde Parkplatzsuche sitzen wir im Laurenz und ich fühle mich sofort wohl. Nette Leute, gemütlicher Laden, super Küche und absoluter Fokus auf rheinhessische Weine. Wir probieren Weißburgunder und Chardonnay Fassproben von Mr. Knewitz aus Appenheim. Erstaunlich die Unterschiede der einzelnen Fässer. Wir verkosten, diskutieren und genießen das Essen. Nebenbei frage ich einen Mitarbeiter des Laurenz ob er uns ein Hotel für die Nacht empfehlen könnte. Hilfsbereit verspricht er, sich um ein Zimmer für uns zu kümmern. Nach einer halben Stunde kommt er mit schlechten Nachrichten zurück. Es gibt an diesem Tag kein einziges Zimmer mehr in der ganzen Stadt. Das Internet bestätigt seine Aussage. Shit ! Fahren geht auch nicht mehr. Wir suchen weiter, telefonieren rum. Irgendwann bekommt der Geschäftsführer des Laurenz Andreas, Wind von unserem Problem und lädt uns kurzerhand ein in seinem Gästezimmer zu nächtigen ! Das nenne ich echte Gastfreundschaft ! Wir packen den Winzer ein und laufen zu unserer Schlafstätte. Nach ein paar Bierchen, muss dann noch eine Flasche 2009er Kabinett aus der Sonnenuhr von J.J. Prüm dran glauben. Geht halt immer. Aber auch die Folgeflasche 2015er Kabinett vom Niersteiner Winzer Kai Schätzel ist großartig. Riesen Dank an Andreas !!!

 

So jetzt ist endlich Schluss mit den Reiseberichten. Danke an alle Winzer die wir besuchen durften. Überall wurden wir herzlich empfangen und man hat sich viel Zeit genommen, obwohl wir ständig zu spät waren. Danke auch an Marc Weinreich für den Schlafplatz und danke an Pascal, du warst der beste Roadtrip Buddy !

Wein Roadtrip Tag 2: Von Oestrich-Winkel nach Flöhrsheim-Dalsheim. Biodynamie, Sekt und Prince George.

Morgens geht es mit leichtem Hangover, aber bei strahlendem Sonnenschein von Winnigen aus los Richtung Rheingau, genauer gesagt nach Oestrich-Winkel zum Weingut Peter Jakob Kühn. natürlich sind wir zeitlich mal wieder hinten dran, so das wir beim Weingut anrufen müssen um unsere Verspätung zu entschuldigen. Ein Prozess der sich diesen und auch nächsten Tag wie ein roter Faden durch unsere Tour ziehen sollte…

 

Dank unseres Navigationssystems sind wir nach einer kurzen Fahrt mit der Fähre über den Rhein um ca. 10.30 am Ziel und werden herzlichst von Frau Kühn empfangen, die uns direkt bittet in ihr Auto zu steigen und ab gehts in die Weinberge. Den ersten Halt machen wir an einer Wiese nahe dem als Erste Lage klassifizierten Wingert Hallgartener Hendelberg in dem die Kühns einige Hektar besitzen. Auf dieser Wiese lagert einer der, wie Frau Kühn uns erklärt, wichtigsten Säulen der biodynamischen Bewirtschaftung, der Kompost. 50 Tonnen kontrolliert fermentierender Mix aus Heu, Ästen, Mist und Trester. Wer bei diesem Bild die Nase rümpft irrt gewaltig. Frau Kühn greift in den Haufen hinein und lässt uns an der dunklen Erde riechen. Sie duftet nach Waldboden und Herbstlaub. Es erinnert mich ein wenig an gereiften Barolo. 

 

 

Wir fahren weiter hinunter Richtung Rhein, halten hier und dort an, genießen die Ruhe und die Aussicht und Frau Kühn bringt uns redegewandt und emphatisch die Philosophie des Demeter zertifizierten Weingutes nahe. Spricht über die Unterschiede der vorherrschenden Bodentypen Schiefer und Quarzit, erklärt uns Rebschnitt und Laubarbeit und weißt auf Besonderheiten der einzelnen Lagen hin. Ich könnte stundenlang zuhören. Am Ende stehen wir fast am Rheinufer in der Lage Sankt Nikolaus, die früher mal der Kirche gehörte und nach dem Heiligen, dessen Statue am Rand des Weingartens steht, benannt worden ist. Aus einer Parzelle dieser Lage mit sehr alten Rebstöcken, kommt auch der berühmte Riesling „Schlehdorn“, der als PJK Unikat auf den Markt kommt. 

 

Zurück im Weingut dürfen wir mit der Familie zu Mittag essen und schnell wird klar, dass Biodynamie bei den Kühns nicht im Wingert endet, sondern in alles Bereichen gelebt wird. Während wir die aktuelle Kollektion verkosten, spricht Peter Kühn Junior davon, wie ihn die naturnahe Arbeitswiese im positiven Sinne dazu zwingt, sich im Detail und über das ganze Jahr mit jedem einzelnen Rebstock intensiv zu beschäftigen. So weiß er mittlerweile sehr gut, was er von welcher Lage erwarten kann.

 

Zum Abschluss verkosten wir mit Frau Kühn auf der Terrasse noch eine Flasche 2010er Riesling Sankt Nikolaus, welches noch das alte Etikett trägt welches ich so liebe. Der Wein zeigt sich würzig und intensiv, mit kühler Aromatik und salziger Mineralität. Ein Leichtathlet, aber sicher kein Sprinter. Wir bedanken uns für diese unvergesslichen Stunden und brechen auf nach Geisenheim.

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In der Stadt mit der wahrscheinlich bekanntesten Weinbau Universität der Welt gibt es ein Weingut oder besser Sektgut, welches in meiner Wahrnehmung immer noch ein Geheimtipp ist. Norbert Bardong, unterstützt von seiner super netten Frau Renate, macht hier seit vielen Jahren kompromisslos und ausschließlich Sekt. Langes Hefelager und der Verzicht auf biologischen Säureabbau sind das Markenzeichen des bärtigen Hünen, dem auch viele andere Weingüter ihre Grundweine zur Versektung anvertrauen. Renate führt uns eine Wendeltreppe in der tiefen Keller hinab, wo zig tausende Flaschen Sur Latte lagern, damit die Hefe ihnen Struktur und Aroma verleiht. Die alten Gewölbe sind wirklich eindrucksvoll und so groß, dass hier regelmässig Veranstaltungen stattfinden. 

 

 

Wieder zurück im Tageslicht verkosten wir die frisch degorgierten Sekte des Hauses. Am besten gefällt mir der 2004er Spätburgunder Sekt aus dem Assmannshauser Frankenthal. Aber nix Blanc de Noir…Rotsekt ! Ein Sektstil mit Seltenheitswert. Riecht man hier rein, denk man sofort an Pinot Noir. Sauerkirsche, Walderdbeere, Rauch, am Gaumen mit feinem Tannen und dichtem Mousseux und am wichtigsten: knochentrocken. Genauso begeistert bin ich (wie immer) vom Riesling Brut Reserve. Bis zu 15 Jahren Hefelager beschert diesem Schäumer eine wahnsinnig feine Perlage und ein irres Aromenfeuerwerk und das für lächerlich wenig Geld…nur so am Rande.

 

Weiter gehts zu einem Kurzbesuch zu Theresa Breuer. Wir sind mal wieder mit ordentlich Verspätung unterwegs und verkosten nach einem schnellen Kellerrundgang daher nur die Rieslinge des Traditionshauses. Die 14er sind grade erstaunlich zugänglich, doch wie ich die Breuer Rieslinge aus den Lagen Nonnenberg und Schlossberg kenne, werden sie für die nächsten Jahre erstmal untertauchen um nach 10 Jahren zu zeigen, dass sie zu den besten trockenen Weinen Deutschlands gehören. Erste Anzeichen dafür zeigt der 2007er Berg Rottland. Saftig, mit viel Grapefruit, anregender Bitternis und dunkler Mineralität. Wir wären gerne länger geblieben um mit der entspannten Hausherrin zu plaudern, doch haben wir noch eine gute Stunde Fahrt vor uns und wollen unseren nächsten Termin auf keinen Fall verpassen…

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Wir verlassen den Rheingau Richtung Süden und entern Rheinhessen, denn wir haben eine Audienz beim Papst: Klaus Peter Keller. Der Winzer aus Flöhrsheim-Dalsheim im Wonnegau genießt nicht nur in Deutschland absoluten Kultstatus. Als wir angekommen gehts mit Klaus Peter direkt ein seinen Bulli und wir brettern los in die Weinberge. Keller fährt mit uns zu erst in seine Westhofener Top Lagen Morsten, Kirchspiel und Abts Erde und erzählt nebenbei von seiner Leidenschaft zu gutem Essen und die Wichtigkeit seiner Herkunft, aber es geht natürlich auch um Weinbau. Keller lässt kein Zweifel, der heilige Gral für ihn, ist das Burgund. Top selektioniertes Rebmaterial, hohe Stockdichte, alte Reben und das genaue Herausarbeiten der einzelnen Lagen sind für ihn das wichtigste. Das wendet Keller auch konsequent auf seine Rieslinge an. Wir fahren mittlerweile wieder Richtung Weingut, vorbei an den Lagen Hubacker und Bürgel, wo Keller einige alte Spätburgunder Anlagen besitzt. Spätburgunder ist sowieso ein Herzensangelegenheit für Klaus Peter Keller der gut drauf ist und viel lacht, aber aus seinem Perfektionismus in Sachen Wein keinen Hehl macht. Nur wenn wir mal wieder an einer mit Glyphosat oder ähnlichem abgespritzten Rebzeile entlang fahren, wo das verbrannt wirkende Grass in gelben Warnfarben leuchtet, schüttelt Keller den Kopf. Ein Bild welches mir in Rheinhessen leider sehr oft aufgefallen ist.

 

Zurück am Weingut schlittern wir unerwartet in einen wirklich legendären Abend. Klaus Peter lädt uns bei sich zum Abendessen ein, doch es ist nicht nur einfach ein Dinner mit der Familie, sondern ein Testessen für ein großes Event, welches die Kellers veranstalten wollen. Ich will nicht zu viel verraten, aber einige Sterneköche aus Rheinhessen sind schon in der wahnsinnig gut ausgestatteten Küche zu Gange um uns den ganzen Abend mit wunderbaren Speisen zu verwöhnen. Unsere Aufgabe: Die passenden Weine für die einzelnen Gänge zu finden. Mit uns am großen Tisch sitzen Weinhändler, die Köche und Freunde der Familie, darunter Caro Maurer, MW. 

Klaus Peter eröffnet den Abend mit einem Krug Vintage 2002. Und ich werde zum ersten, aber nicht zum letzten mal an diesem Abend ohnmächtig vor Freude. Was ein Champagner ! Dicht, füllig und trotzdem elegant. Brioche, Apfelkuchen, Pfirsich, geröstete Nüsse…all that Jazz. 

 

Dann folgte der erste Kellerwein, eine 2015er Scheurebe aus alten Reben. Karg, straff und frisch, tonnenweise Cassis. Perfekter Partner zu Fisch und Austern wie wir beweisen werden. Danach zieht KP Keller eine Flasche Riesling Pettental aus dem Jahr 2012 aus dem Hut. Der Wein ist schlank und doch merkt man ihm die warme Würze des Roten Hangs bei Nierstein sofort an. 

Zum nächsten Gang hält Klaus Peter einen Riesling G-Max für die beste Wahl. Naja was soll ich sagen…ich habe sicher nicht protestiert. Wir probieren ohne den Jahrgang zu kennen. Ich tippe auf 2009. Etwas kräftiger, komplex, salzig, saftig, geile Säure. Zu unser aller Überraschung ist es 2003. Eines der heißesten Jahre der Weinbaugeschichte. Viele Weine dieses Jahrgangs sind fett und schon sehr weit in der Entwicklung. Dieser immer noch ein Baby. Auf meine Frage, wie er es geschafft habe bei dieser Gluthitze einen Wein mit Frische und Eleganz auf die Flasche zu bringen, antwortet Keller, dass Beschattung in diesem Jahr das wichtigste war. Er habe früh reagiert und das Laub doppelt und dreifach schützend vor die Trauben gezogen, zudem helfen die alter Reben dem Hitzestress entgegen zu wirken. 

 

Der nächste Wein den KP kredenzt ist ein Silvaner aus dem Jahrgang 2004. Erdig, burgundisch mit feinstem Holzeinsatz, cremig, nach Birne und Gartenkräutern. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann stammt der Wein von 70 Jahre alten Reben, welche Keller aber mittlerweile auf Riesling umveredelt hat. Ein Wein also, den es in der Form nicht mehr geben wird. Mit einem Wein den man eigentlich nicht kaufen kann geht es weiter: Morstein 2012 und 2013 als Fassprobe, aber kein Riesling sondern Spätburgunder ! Fein fruchtig mit Noten von Sauerkirschen, Roter Johannisbeere und Tannenholz. Extrem langer, kalkiger Nachhall. Es macht Spass diesen Pinot in seiner Jugendlichen Phase zu trinken und trotzdem birgt der Wein Potential für Dekaden. Pinot heißt übrigens auch der Hund der Kellers, der sich ab und zu mal ein paar Streicheleinheiten abholen kommt. 

 

Als nächstes wird der Restzuckergehalt etwas erhöht und es gibt wieder einen Tropfen, den man wahrscheinlich nie wieder in seinem Leben trinken wird. Riesling Kabinett -H- aus dem Jahrgang 2013. Das H steht für die Lage Hipping am Roten Hang. Erinnert irgendwie an die Mosel, nur ein Hauch kräftigerr, aber mit unglaublichen Zug. Warum kann man diesen Wein nicht kaufen ? Weil das die englische Königsfamilie zur Geburt von Baby George bereits getan hat. Und zwar alle 1300 Flaschen, persönlich übergeben von Klaus Peter Keller. Genauso geschehen mit dem noch strafferen und schwebenden 2015ner. (Wahrscheinlich ist der 16er schon reserviert:). 

 

Es folgen noch einige Weine, doch ich konnte mir nicht mehr alles merken. Am Ende bleibt mir nur der ganzen Familie Keller für ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft meinen aller grössten Dank auszusprechen. Und auch ein dickes Kompliment an die Köche für diese hervorragende Leistung. Chapeau ! 

Wein Roadtrip Tag 1: Von Reil nach Winningen. Steillagen, Riesling und Schiefer

Ich hatte mir schon lange vorgenommen mal wieder eine Tour durch ein paar deutsche Weinanbaugebiete zu machen, doch irgendwie kam immer etwas dazwischen. Nach ein paar Wochen Planung hat es dann endlich geklappt. Zusammen mit meinem Berufskollegen und Kumpel Pascal Kunert aus dem Reinstoff in Berlin ging es am Sonntag von Bochum aus los Richting Mosel. Das Timing war gut. Die meisten 2015er Guts- und Ortsweine waren gefüllt und das Wetter hätte besser nicht sein können.

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Unser erster Stop war Reil. Reil ist sicher nicht die bekannteste Gemeinde an der Mosel, doch verfügt das Örtchen über einige hervorragende Lagen und über ein ganz besonderes Weingut. Das Weingut Melsheimer. Besonders an diesem Gut ist, dass Torsten Melsheimer, der das Weingut 1995 von seinem Vater übernommen hat, recht schnell auf biologischen, danach sogar auf biodynamischen Weinbau umgestellt hat und mittlerweile sogar Demeter zertifiziert ist. Und das ist wirklich selten an der kühlen Mosel.

 

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Da Torsten Melsheimer grade in Italien war, wurden wir von seinem Vater Eberhard empfangen. Während wir in der mit Geweihen behangenen Probierstube die ausschließlich aus Riesling gekelterten Weine verkosten, plaudert der sympathische Senior über alte Zeiten und die für ihn nicht immer einfache Umstellung auf biodynamischen Weinbau. Nicht ohne Stolz gibt er aber gerne zu, dass die Weine, seit sein Sohn das Zepter in der Hand hat, immer besser geworden sind. Die Melsheimer Weine eint Leichtigkeit, Präzision und Langlebigkeit. Torsten Melsheimer baut seine Rieslinge in sehr alten Fuder Fässern aus, danach kommen sie unfiltriert und mit wenig Schwefel auf die Flasche. Der 2014er Kabinett aus der Steillage Mullay-Hofberg präsentiert sich würzig, straff und mit feinem Schmelz. 2015er gibt es so gut wie garnicht zu verkosten, da sie noch im Fass schlummern. Sie brauchen Zeit und gären oft etwas länger.

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Dann geht es runter in den 400 Jahre alten Keller, vorbei an feuchten Wänden und schwarzen Fudern. Wir entdecken auch paar kleinere, neue Holzfässer mit der Aufschrift LBV. Da uns schon einige leere Vintage Portwein Flasche aufgefallen waren, fragen wir nach. Und tatsächlich: Inspiriert von Dirk Niepoort macht Torsten Melsheimer eine Art Portwein. Aber natürlich aus Riesling.

 

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Am Ende des Kellers dürfen wir die Schatzkammer betreten, hier lagern Jahrgänge die bis zurück in die 40er reichen. Aber nicht nur Weine aus eigener Produktion, sondern aus aller Welt ruhen hier und zeigen die Offenheit und Neugier der Melsheimers. Ich frage, ob wir noch das Naturwein Projekt von Torsten Melsheimer probieren dürften, den ungeschwefelten Retro Vade. Während der Senior einschenkt, erzählt er uns, dass er sich an diese Art der Weinbereitung noch nicht gewöhnt habe und sich damit etwas schwer tue. Nachdem wir diesen herrlich leichten, unverkopften Vin Naturel probiert haben, gesteht er uns etwas erstaunt, dass es ihm heute doch ganz gutschmecke.

 

Wir verabschieden uns und fahren bei strahlendem Sonnenschein ein paar Örtchen weiter ins altehrwürdige Traben-Trabach zum Weingut Weiser-Künstler. Konstantin Weiser und Alexandra Künstler geben dem Weingut seit 2005 Namen und Seele. Das sympathische Pärchen hat sich ganz dem Riesling verschrieben, diese stammen vorwiegend aus den Enkircher Lagen Ellergrub und Zepwingert. Das Weingut Weiser-Künstler befindet sich zurzeit in Umstellung aus biodynamische Bewirtschaftung, was für beide einfach der nächste logische Schritt war. Wir probieren die ersten gefüllten 2015er und einige Fassproben und sprechen über den Jahrgang. Warm war es und trocken. Doch die alten, zum Teil wurzelechten Reben stecken das gut weg, berichtet Konstantin. Die Weine aus 2015 haben Kraft und Dichte, aber trotzdem eine wunderbar straffe Säure. Die restsüßen Wein präsentieren sich sehr rein und klar, alles bis hin zur Beerenauslese mit ordentlich Trinkfluss. Ist der Kabinett aus der neu erworbenen Lage Wolfer Sonnenlay noch saftig und verspielt mit viel Stachelbeer und Brennnessel Aroma, zeigt sich die Ellergrub absolut präzise, mineralisch, kühl und karg, mit pikanter Säure und Nerv. Ich muss es vorwegnehmen. Das ist das beste was ich von diesem Prädikat die nächsten Tage im Glas haben werde.

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Dann geht es in die Schiefer-Steillagen der Ellergrub. Ein imposanter, terrassierter Weinberg. Wir arbeiten uns die steilen Stufen hoch, überall sprießen Wildkräuter der Sonne entgegen und es duftet nach Frühling. Alexandra erzählt uns über die mühevolle Weinbergsarbeit. Alles ist Handarbeit. Bodenpflege, Rebschnitt und Pflege, Ernte. Alles. Sogar das unbeliebte Insekt, der Traubenwickler wird Nachts im Schein der Taschenlampe per Hand abgesucht. Vielen Dank für diesen tollen Ein- und Ausblick !

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Letzter stop für diesen Tag machen wir bei Bochumer Dauergast Matthias Knebel in Winningen. Wir sitzen zusammen am Tisch, Matthias tischt Wurst und Käse auf und wir probieren die frisch gefüllten Weine. 2015 bescherte Matthias, neben durchweg guter Qualität, auch endlich etwas mehr Menge. Denn in den letzten beiden Jahrgängen musste sehr viel selektiert werden, um am Ende gesunde Trauben aus die Kelter zu bekommen und das ist Knebel trotz des immensen Aufwandes sehr wichtig.

Wir verkosten uns über den würzigen, fülligen und trotzdem straffen Riesling "Von den Terrassen" zu den Prädikaten. Spät- und Auslese präsentieren sich strukturiert und sauber und lassen sich trinken wie eine Limo. Selbst die 15er Trockenbeerenauslese aus dem Winninger Röttgen ist kein Süsswein zum nippen und meditieren. Mit "nur" 180g Restzucker, glasklar und mit keinerlei Botrytis Noten macht sie nicht satt. Wir trinken die ganze Flasche. Als krassen Kontrast, aber nicht minder spannend öffnet Matthias ein Flasche Röttgen TBA aus dem Oechsle Rekord Jahrgang 2011. Altgolden und dick wie Öl duftet sie nach Datteln, Tabak, getrockneten Aprikosen und Waldhonig. Ein irres Elixier, mundfüllend mit Minuten langem Abgang. Später verkosten wir noch eine Flasche 1996er TBA die noch Matthias Vater gekeltert und mit sehr wenig Schwefel abgefüllt hat. Die Frucht ist in den Hintergrund getreten, doch Säure und Zucker halten diesen Wein am Leben. Rauchig, nach Rosinen und Morcheln und zupackend am Gaumen. Danke.

Mit Zuckerschock fallen wir ins Bett um am nächsten Tag Richtung Rheingau aufzubrechen...

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Über ein Kleinod in Ayl, einem Besuch im Zilliken Valley und einem Drive by Shooting am Scharzhofberg. Ein Reisebericht von der Saar.

Als wir nach dreistündiger Fahrt als ersten Vorboten dieses Familien Kurzurlaubes den Wiltinger Saarbogen erblicken, wird einem wieder bewusst wie Steil eigentlich Steillage ist, und wie mühsam und kräftezehrend der Erhalt und die Bewirtschaftung dieser ist, es mag pathetisch klingen, aber in diesem Moment lehrt einen das wieder Demut, man vergisst viel zu schnell den Aufwand wenn man abends eine Flasche Wein aufzieht und sich dazu oft nur auf sensorische Merkmale eines Weines konzentriert, daher ist dieser Besuch auch gut für die kalibrierung der Wertschätzung. Ich war viel zu lange nicht mehr in einem Weinanbaugebiet, dazwischen lag ein zu voller beruflicher Terminkalender und Vater werden, und ich merke wie beim Anblick der ersten Weinberge und in Gedanken über das geplante Programm der nächsten Tage, mein Herz ein wenig schneller schlägt, an diesem grauen nasskalten Gründonnerstag.

 

Unser Ziel, und Ausgangspunkt für die nächsten Tage ist Ayl genauer gesagt das Weinhotel Ayler Kupp das mitten auf dem Weingut Peter Lauer liegt. Betrieben wird es seit knapp zwei Jahren von Jörg und Laura Diekert. Jörg Diekert hat bei Christian Bau gearbeitet, und im Hotel Jagdhof Glashütte im Jahre 2011 einen Michelin Stern erkocht, Laura Diekert war u.a. an renommierten Stationen wie das La Table in Hohensyburg und im Restaurant Zur Traube tätig.

Klingt auf den ersten Blick nach Ambitionen sich ganz nach oben in die Restaurantführer dieser Republik zu erkochen, eventuell noch mit Subvention eines Weingutes von Welt und immer hart an der Grenze der Rentabilität? Genau das Gegenteil ist der Fall, hier erwartet den Gast kein Protz Geschirr, Luxus Zutaten aus aller Welt, 15 Elementen auf dem Teller oder gar ein stocksteifes Protokoll des Service. 

Familie Diekerts Konzept ist so einfach und doch so unschlagbar charmant, Jörg Diekert bezieht einen Hauptteil seiner Zutaten aus der Region oder nutzt die Nähe zu Frankreich, kombiniert mit seiner Küchenphilosophie sind es auf den Tellern höchstens drei bis vier Komponenten, die aber mit maximalen Anspruch an Qualität und Aromatik. Laura Diekert leitet das Restaurant und Hotel, und das mit einer so ruhe ausstrahlenden und authentischen Freundlichkeit sowie Souveränität wie ich es selten erlebt habe. Damit dieses Konzept auch in touristisch schwachen Monaten funktioniert, ist die Karte so vielfältig gestaltet das Diekerts auch von der näheren Umgebung gut angenommen werden. Dazu kommt das Winzer Legenden der Saar hier gerne auch mit Ihren internationalen Geschäftskunden die eine oder andere Flasche trinken, und was wäre Wein ohne das Zusammenspiel mit guter und abwechslungsreicher Küche, hier bietet man den Connaisseuren von Welt definitiv mehr als würdige kulinarische Unterhaltung.

Ausblick aus dem Restaurant / Peter Lauer (I)


Ausblick aus dem Restaurant / Peter Lauer (I)

Nachdem wir unsere Koffer im Zimmer dem Faß 11 verstaut haben, machen wir uns direkt mit Kind auf dem Weg zur Lage Ayler Kupp, die fußläufig 5 Minuten vom Hotel liegt. Ich habe das Weingut Lauer lange nicht auf meinem Radar gehabt, obwohl die Etiketten mehr als einen hohen Wiedererkennungswert besitzen, auf der ProWein hier und da verkostet, aber eine Weinmesse bietet selten die Ruhe Weine wirklich komplett zu erfassen, meistens ist es nur eine kleine Visitenkarte in der Nase und am Gaumen. Und so richtig kam dieses Weingut in meinem Fokus als ich letztes Jahr unter anderem Ihre Réserve 91 und Faß 13 Saarfeilser auf unserem Esstisch stehen hatte. Wir landen direkt an der Parzelle Unterstenberg, mit den darüber liegenden Kupp und Stirn. Weinberge im März, sind keine blühendene Landschaften, aber ich merke das ich im Kopf zum Taxifahrer werde, der seine Straßen der Stadt abspeichert, bei mir sind es gerade Lagen. Wir laufen Richtung Saar, nördlich in der Ferne die Lage Saarfeils, es geht weiter südlich entlang der Saar und wir kommen zur neuesten Lage von Lauer, der Lambertskirch die sich wie eine überdimensionierte Rampe oberhalb unseres Wanderweges aufbaut, gerade mal 0,2 Hektar, wahnsinnig steinig und übersäht mit grauen Schiefer, wird erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt und ist seit 2010 im Besitz der Familie Lauer. Seit 2012 neu bepflanzt und der erste Jahrgang war 2014, mit wohl einer winzigen Menge von 240 Flaschen einer Lambertskirch Spätlese. 

Am Abend erwartet uns das Menü Rauberg, ein Teil des Arrangements das wir gebucht haben. Regional typisch herzhaft heißt es in der Beschreibung. Als Vorspeise kommt die Zwiebelsuppe mal anders, eine sehr schön sämige Suppe mit feinen Perlzwiebeln als versteckte Einlage. Als Hauptgang Dry age Roastbeef & Ochsenschwanz, Kartoffelpüree & Lauch. Ich stutze etwas, sagte Frau Diekert nicht von etwas wie rustikal? Diese Gang ist weit weg von rustikal, das Fleisch in der Kombination fein und sehr zart, und mit einem kräftig gut abgeschmeckten Jus. Schön geschmortem Lauch und angerösteten Zwiebeln & cremiges Kartoffel Püree. Als Dessert wird eine weiße und dunkle Mousse au Chocolat serviert. Begleitet wird das Menü von Lauer Gutsweinen. 

Etwas übermannt von den Eindrücken und Laufstrecken dieses Tages nehme ich mir noch eine Flasche Alt Scheidt vom Weingut Lauer aus der Maxibar am Aufgang zu den Zimmern und falle nach dem ersten Glas in einen tiefen entspannten Schlaf. 
 

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Saarburger Rausch, um 11:00 Uhr habe ich einen Termin bei Dorothee Zilliken, die sich dankenswerterweise an diesem Karfreitag für uns Zeit nimmt, obwohl Sie in der darauffolgenden Nacht noch mit Ihrer Familie in den wohlverdienten Ski Urlaub fährt. 

Wir parken an der Sparkasse, gegenüber direkt ein Teil des Saarburger Rausches, der bis mitten in die Stadt hineinreicht, und als wir die Graf-Siegfried Straße entlang laufen, blitzt zwischen den Häusern der Saarburger Rausch immer wieder hindurch, der wie eine große Wand den nördlichen Teil der Stadt ummantelt, und dauernd für die Bewohner dieser Stadt präsent scheint. Sowas lernt man durch keinen Weinatlas, die Beziehung einer Lage zu einer Region oder wie hier zu einer Stadt.

 

Erste Station ist der Keller von Zilliken, drei Stockwerke tief und der tiefste der Saar. Auf der ersten Ebene befinden sich alle Flaschen die für den alltäglichen Versand gelagert werden, auf dem Weg zur zweiten Etage befindet sich ein Regal bedingt durch eine Nachweispflicht mit allen Flaschen die derzeit im Verkauf sind, und da das Keller Klima den Etiketten mehr als zusetzt, wurde kurzerhand auf den Flaschenböden die AP Nummer mit Edding notiert.

In der zweiten Etage befindet sich der Fasskeller. Die Decke und Wände übersät von tausenden kleinen Stalagmiten, selbst an den schweren Eisentüren. Der Keller nur beleuchtet, von einzelnen Deckenlampen in der Mitte der Räume. In meiner Vorstellung hätte ich es kälter und auch feuchter vermutet, der Geruch ist fast neutral, sehr angenehm, Dorothee Zilliken erklärt das sich das äußere Klima auch immer im Keller wiederspiegelt bezüglich der Temperatur und Feuchtigkeit.

Alle Weine werden traditionell in neutralen Eichenfässen ausgebaut. Rund 60 Jahre hält ein Fass, danach wird es ersetzt. Und es wird immer schwieriger einen fortlaufenden Ersatz zu gewährleisten, da der Ausbau im Holz nur noch bei wenigen Weingütern Anwendung findet. Alle Fässer haben Ihre eigenen Besonderheiten, da aufgrund Ihrer Erfahrung sich nicht jedes für Kabinett, Spätlesen oder Auslesen gleichermaßen eignet, daher testen Dorothee Zilliken und Ihr Vater jedes Fass auf seinen optimalen Einsatz vorher aus. 

Im hinteren Bereich dieser Etage liegt die Schatzkammer. Im zweiten Weltkrieg wurde der Keller am vorherigen Standort von Bomben vollkommen zerstört und alle Weine die dort lagerten, und somit auch das bisherige Vermächtnis, daher ist der älteste Wein von 1949. Aber die wirkliche Besonderheit ist, das hier auch Weine lagern die nicht sofort überzeugten und mehr Reife benötigten, so werden auch gerne mal Weine erst nach 15 Jahren oder mehr veröffentlicht, wenn Zillekens der Meinung sind das sie dem Weingut eigenen Anspruch genügen, und dem Verbraucher das zeigen was dieses Weingut ausmacht.

Es geht weiter mit der Probe der Weine des Jahrgangs 2014, und was mir die ganze Zeit auffällt, mit welcher Leidenschaft Dorothee Zilliken Ihre Philosophie der Weine vermittelt, das ist keine routinemäßige Aneinanderreihung von Sätzen die man sich im Laufe von Jahren und eine Vielzahl von Besuchern des Weingutes angeeignet hat. Und auch wenn ich kein Besucher bin, der im Anschluss hunderte von Flaschen bestellt, nimmt Sie sich für jeden der präsentierten Weine sehr viel Zeit zur detaillierten Erläuterung.

Zilliken besitzen Parzellen in zwei Lagen, dem Saarburger Rausch und dem Ockfener Bockstein der etwas nördlich auf der anderen Seite der Saar, auf der Höhe von Ayl liegt. Wir verkosten die 2014er Kabinett Weine beider Lagen, und Sie erzählt schmunzelnd das Sie den Bockstein gerne mit Ihrer Mutter vergleicht und den Rausch mit Ihrem Vater. Lebenslustiger und lockerer gegenüber etwas ernst und sehr korrekt. Und das zeigt sich wirklich, beide am Gaumen ausgestattet mit einem Korb voller tropischen Früchten aber der Bockstein im Abgang deutlich weniger Mineralität und Vielschichtigkeit, beide auf Ihre Weise sehr gut, ordentlich trinkfreudig, aber so hat man die Wahl anstatt viel Tiefgründigkeit und Vielschichtigkeit des Saarburger Rausch die einen auch etwas mehr fordern kann, den sehr entspannten Bockstein zu trinken, der sicherlich nicht banal ist aber doch äußerst zugänglicher. 

Und während auf dem Schiefer Fußboden des Probenraumes mein 14 Monate alter Sohn uns laut kreisend umkrabbelt, immer gefolgt von seiner Mutter, spricht Dorothee davon das sie erst kein großes Gewächs machen wollten, da es Ihnen fremd ist, einen zu alkoholischen oder gar muskulösen Wein herauszubringen, bei Ihnen geht es immer um Leichtigkeit. Und so ist das großes Gewächs 2014 ein federleichtes mit nur 11,5 % Alkohol, der typischen Zitronen Butter Kuchen Noten junger Zilliken Weine, pure konzentrierte Mineralität und Würzigkeit des Saarburger Rausches, sehr elegant, cremig und wahnsinnig lang gepaart mit noch viel mehr Würzigkeit und rassiger Säure, aber Zeit spielt auch hier eine Rolle, das GG macht nach zwei Monaten der Füllung stark zu, und braucht dann Zeit um sich langsam Stück für Stück wieder zu einem großen Wein zu entwickeln. 

Zum Schluß der Probe holt Dorothee Zilliken eine Flasche ohne Etikett aus dem Weinkühlschrank und schenkt ein. An der Nase leichter Firn, Anklänge von Honig, auch hier wieder ein ordentlicher Korb von tropischen Früchten, präsente Säure und die typische Mineralität des Saarburger Rausches. Eine sehr schönes und komplexes Spiel zwischen Säure und Süße. Eine klassische Zilliken Falle, ich habe diesen Wein viel zu jung eingeschätzt. Es wird dann aufgelöst, und es handelt sich um eine 1999er Saarburger Rausch Spätlese, die dritte Füllung, die erst jetzt auf den Markt kommt und schon ganze 5 Wochen offen im Schrank stand, und keinerlei Ermüdung zeigt. Meine Frau, die während dieser Probe mehr damit zu tun hatte den Nachwuchs davon abzuhalten den Probenraum auseinander zu nehmen, bitte ich wenigstens diesen Wein zu probieren.

Nach der Probe fahren wir nach Trier ein wenig Sightseeing ohne vinophile Inhalte, auf dem Rückweg bitte ich meine Frau aber in Wiltingen kurz abzubiegen und Richtung Oberemmel zu fahren. Mein Ziel, wenigstens diesem Berg kurz Hallo sagen. In meinem Kopf ist der Scharzhofberg komplett verknüpft mit Roman Niewodniczanskis Erzählung aus Weinwunder Deutschland indem er Egon Müllers Vater für ein Glas einer wohl grandiosen 1971er Goldkapsel Auslese vom Scharzhofberg dankt, und dieser nur empört antwortet das sei nicht er sondern DER BERG. Wir halten kurz am Scharzhof, wenden auf dem kleinen Weg parallel zur Landstraße direkt davor, der restliche Dialog mit salopp heruntergelassener Fensterscheibe im Auto verlief ungefähr so: Stück vor, OK, kleines Stück zurück, OK, ne wieder vor. KLICK. Können weiterfahren.

 

Unser letzter Abend steht an im Weinhotel Ayler Kupp. Als kulinarischen Abschluß das gleichnamige Ayler Kupp Menü. Als Amuse ein geräuchertes Forellen Tatar, wunderbar fein, ein sehr ausgewogenes Raucharoma, schön fruchtig kombiniert mit Apfel. Danach ein Pulpocarpaccio mit schwarzem Knoblauch, Tomate & Rucola. Butterweicher Pulpo, das schwarze Knoblauch Gel gibt dem ganzen die nötige Würze, was mich aber meisten fasziniert, das ich dem Rucola mehr als etwas abgewinnen kann, so muß Rucola sein, knackig und jung. Boujabais mit Safran Aïoli Croutons (Leider kein Foto weil schlecht fotografiert). Als Hauptgang gebratene Seezungenfilets, grüner Spargel mit Oliven, Parmesan und sehr fluffiger sahniger Kartoffelschaum. Zarte wunderbar gebratene Seezungen, schöne salzige Noten, perfekt handwerklich. Und als Abschluß Crèmeschnitte mit exotischen Früchten und hausgemachtem Eis, und wie schon mal an anderer Stelle erwähnt, wieder ein Restaurant wo es beim Dessert nicht zwanghaft überanstrengt oder gekünstelt wirkt, sondern überraschend sehr gut, lockeres fluffiges Biskuit, schöne Zitrus Aromen. Bitte mehr davon.

Unerwähnt sollte nicht die Weinbegleitung am letzten Abend im Weinhotel Ayler Kupp bleiben, gerade zwei Weine die zum Hauptgang (Seezunge) parallel serviert worden sind, einmal 2014er Saarfeilser und die jüngst erschienene Réserve 92 mit mehr als 23 Jahre Hefelager. Der Saarfeilser hatte es natürlich mit einer Rampensau wie der Réserve konfrontiert sehr schwer, ich habe mir aber eine Flasche mit nach Hause genommen und solo getrunken.

Réserve 92 / Weingut Peter Lauer
Gegenüber der 91 Réserve hat man jahrgangsbedingt auf die Dosage verzichtet. Die Nase mit frisch ausgepackter Luftmatratze, grüne Oliven, ein wenig Tannenharz und Bohnenkraut, am Gaumen dann eine richtig zupackende elegante feine Säure. Ich kann aber aufgrund dieser irren Nase nicht dieselbige aus dem Glas lassen. 

2014 Saarfeilser / Weingut Peter lauer
Kühle mineralische fast minimalistische höchst attraktive Eleganz, mit ordentlich Kraft. Minzig, ein wenig Dosen-Ananas, leicht aufbrausende Säure die dann zügig verschwindet. Nach einem Tag wirkt die Säure noch etwas besser integriert, und der Wein hat wesentlich mehr Druck am Gaumen. Hat mir von allen probierten Lauer Weinen am besten gefallen, richtig großes Riesling Kino, und wird das mit ein paar Jahren Reife noch steigern.

Und als Abschluß für diesen Tag musste es eine
1995er Saarburger Rausch Auslese / Zilliken von der Weinkarte sein

In der Nase leichte Firne, Honig, ein wenig Rauch. Am Gaumen kandierte Früchte, mehr Honig, ein wenig Malz, präsente aber eine fast seidige und gezügelte Säure. Und während ich mit der Flasche im dunklen Hotelzimmer im Bett liege, die Frau und Kind im Tiefschlaf neben mir, die einzige Beleuchtung das Handy Display in meiner Hand. Kommentiert User Hermann Höhle meine soeben gepostetes Bild des Weines bei Facebook mit den Worten: „Genau diese Auslese habe ich einmal mit: wie wenn man ein Fenster aufreißt, beschrieben.“ Ich nehme noch einen Schluck, und im Abgang wo bei den jüngeren Weinen, die prägnante Mineralität sich ewig mit der Säure zieht, ist jetzt ein Ton den ich direkt mit diesem Fenster aufreißen assozieren kann. Ein Fenster das man Ende April oder im Mai aufreißt, wenn die Wärme des Tages noch nicht ausreicht den Abend zu wärmen, eine Mischung aus Stein, Sommerregen und feuchter Erde. Gänsehaut. Jetzt verstehe ich es.

Weiter beinhaltet die Weinkarte der Diekerts, neben natürlich vielen Lauer Weinen (alle Großen Gewächse des aktuellen Jahrgangs auch Glasweise, und vielen gereiften Weinen), auch sehr fair kalkulierte und sehr interessante Weine von anderen Winzern der Saar und Mosel, aber auch aus Europa.

Wir haben für Oktober wieder bei den Diekerts gebucht, bis bald Saar, du wunderbares Stück deutscher Weinkultur.

2016 Prowein Düsseldorf - Push. Zahnschmerzen. Altbier.

Nein, 2016 war nicht mein Debüt auf der Messe, die sich um mein liebstes Hobby dreht. 

Eigentlich war es meine dritte Prowein. Doch aus "einfach mal schauen" vor einigen Jahren, wurde dieses Jahr ein straffes, fokussiertes Programm mit einer langen Liste von deutschen und österreichischen Weingütern, die abgearbeitet werden wollte.

Ein Novum für mich war die erschreckend gute Vorbereitung meinerseits und die Tatsache, das Erlebte im Nachhinein als einen kleinen Text 'mal niederzuschreiben. Ganz subjektiv, ohne Wertung, mehr ein Bericht für meine Erinnerung und eine Art Shopping-List für das laufende Jahr. Die gute Vorbereitung wurde jedoch sehr schnell durch eine Mischung von Reizüberflutung und eine Art „Kind-im-Spielzeuggeschäft“- Gefühl zunichte gemacht.

Mein Plan war es eigentlich, sich zu jedem verkosteten Wein eine kurze Notiz zu machen. Schier unmöglich. So entschied ich mich relativ schnell dazu, nur das zu notieren, was bei diesem sehr hohen Verkostungstempo hängen bleiben sollte. Mit meinem Bruder im Schlepptau, den ich von Zeit zu Zeit mit einem kurzen „Push“ wieder ins Tempo bringen musste, machten wir uns nach Ankunft in den Messehallen auf zur Gemeinschaftsarea des VDP.

Nun sitze ich letztlich doch vor meinen chaotischen Aufzeichnungen in Form von zerknickten DIN-A4 Zetteln.

Mal sehen, was ich noch alles zusammen bekomme:

Das Erste, was mir wohl in Zukunft zur Prowein 2016 in Erinnerung gerufen wird, ist der Name Kai Schätzel. 

Der VDP Neuling stieß nicht nur mit seinen coolen türkisfarbenen Flaschen direkt ins Auge sondern auch in den Gaumen und sollte mich dermaßen flashen, dass es für mich die interessanteste deutsche Gesamtkollektion im trockenen Rieslingbereich werden sollte. Puristisch, klar, mit Zug und Fokus auf dem Terroir zündete Kai eine Bombe nach der anderen. Pettenthal, Hipping, usw. Peng. Peng.

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

 

Ein weiteres Highlight waren für mich 3 frische 2015er Weine eines meiner Lieblingsweingüter. Schäfer-Fröhlich von der Nahe. Trocken mit dem 2015 Schiefergestein Riesling gestartet wurden wir später dann von Tim Fröhlich mit 2015 Felseneck Kabinett und 2015 Felseneck Spätlese versorgt. 

Beim ersten Schluck vibrierte die feine Säure vom Gaumen, wie ein Blitz, direkt in den Teil des Gehirns eines Rieslingtrinkers, welches für die Ausschüttung von Glückshormonen verantwortlich sein muss. Sehr klar und nur ein leichter aber typischer SF Stinker in der Nase, auf den ich ziemlich stehe by the way, machten diese 3 Samples unvergesslich.

 

Auch ein Wein aus Pünderich sollte sich mit seiner feinen, süchtig machenden, Säure in mein Gedächtnis brennen. Gerade schon einmal diesen, vermutlich verpönten, Begriff „vibrierende Säure“ verwendet, trifft es wohl nichts besser um das 2014 Marienburg Fahrlay GG von Clemens Busch zu beschreiben. Mit unverschämter Länge und Komplexität ist dies wohl ein perfektes GG von der Mosel. Dicht gefolgt vom 2012 Falkenlay GG, welches mir auch sehr gut gefallen hat und mich wohl leider jetzt erst verstehen ließ, warum Clemens Busch eine so große Fangemeinde unter Rieslingtrinkern hat. Da muss ich mich wohl als Spätsünder outen.

 

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

 

Zum Abschluss der großen VDP Runde, nahmen wir uns dann konsequent die VDP Mosel-Saar-Ruwer-Weingüter vor. Meine drei Favourites in der Refresh-Zone waren: Forstmeister Geltz-Ziliken 2010 Riesling Goldkapsel Auslese (als nur einer von vielen Weinen aus Saarburg). Schloss Lieser 2015 SL Riesling Kabinett und St. Urbanshof 2015 Ockfener Bockstein Riesling Kabinett. Beides Fassmuster. Da mein Lieblingskabi in 2014 der Saarburger Rausch Riesling Kabinett war, kann ich es kaum erwarten den 2015er künftig zu verkosten. Aus diesem jetzt schon so zugänglichen und anscheinend tollen Jahr 2015. Hier erspare ich mir jetzt lieber das Wort "groß". :)

Photo by Marco Winterberg

Photo by Marco Winterberg

Kurz zuvor hatten wir bei Facebook gelesen, dass J.B. Becker aus dem Rheingau auch ein paar gereiftere Sachen ausschenken würde. Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen einen kleinen Zwischenstopp einzulegen und freuten uns z.B. über 1994er Wallufer Walkenberg Riesling Kabinett trocken und die damit verbundene Achterbahnfahrt von jungen frischen MSR-Kabis zu gereiftem trockenen Rheingau Stuff. 

 

Auf dem Weg zum Feinschmecker-Stand kamen wir dann mehr oder weniger zufällig noch am Chat Sauvage Messeauftritt vorbei. Mit einem schon etwas angeschlagenen Geschmackssinn starteten wir die Verkostung bei einem Weingut, von deren Weinen ich eigentlich immer angetan war. Diese Erinnerung sollte auch nicht getrübt werden und die Erwartungen wurden alles andere als enttäuscht. Sowohl die Chardonnays als auch die gezeigten Pinots waren allesamt top und haben mich zu 100% abgeholt. Der 2014 "Clos de Schulz“ Chardonnay auf der weißen und der 2013 Lorcher Kapellberg Pinot Noir auf der roten Seite waren meine persönlichen Winner.

Beim Feinschmecker angekommen und fast im Gewusel des, wie immer, sehr gut besuchten Standes orientierungslos geworden, sollte mich nicht nur die Salami und der Lardo auf Wolke 7 schweben lassen, nein auch Bernhard Huber's und Gantenbein’s Weine hielten was Ihre große Namen ahnen ließen. Wie auch schon bei Chat Sauvage waren es die beiden Burgunder Trauben, die mich schwärmen ließen. Sowohl Huber 2013 Chardonnay & 2011 Sommerhalde Spätburgunder als auch Gantenbeins 2013 Chardonnay und 2013 Pinot Noir versüßten mir den Nachmittag mit dezentem aber auch präsentem Holzeinsatz. Ganz stark. 

 

Das Ende von Tag 1 läuteten wir an Hendrik Thoma’s Wein am Limit Camp ein und kamen in den Genuß von freaky Weinen von Eben Sadie (großartiger Typ) und großen Mullineux Weinen aus Südafrika. Auch Eduard vom Gut Oggau, Stephen Paeffgen von Chateau Le Reysse und Josephine Kramer von Candialle wieder zutreffen war eine große Freude. 

Eine Sache hatte ich jedoch Unterschätzt. Nach ca 300 verkosteten Weinen zeigten mir meine Zähne einen Vogel und baten mich die Heimfahrt nach Bochum anzutreten. Apropos Vogel. Hat das VDP Maskottchen, der Traubenadler, eigentlich schon einen Namen? 

 

Photo by VDP Facebook

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Nicht nur auf Deutschland lag, wie schon erwähnt, mein Fokus. Nach einem kurzen Zwischenstopp zum wach werden an Tag 2 bei Grand Cru Select und die Verkostung neuer und etwas gereifteren Weinen von J.J. Prüm bei sehr herzlichen und sehr gut gelaunten Damen Petra Pahlings und Dr. Katharina Prüm, ließ ich mir es nicht nehmen noch schnell die ganze Palette von St.Antony zu verkosten bevor es dann fix in die Österreich-Halle ging.

Als Tement-Fan stand der Besuch von Armin und seiner Frau ganz oben auf meiner Liste. Ich mag grundsätzlich die ganze aktuelle Range von Familie Tement aus der Südsteiermark. Doch bei der Anzahl der vorhandenen Weine, denke ich, ist es nicht verwerflich nur einige rauszupicken und so ist es vermutlich keine Überraschung, dass mich besonders die beiden 2014er Sauvignon Blanc Sernau und Zieregg und der 2014er Morillon Ziergg begeistert haben.

Ein weiteres Highlight für mich war definitiv Marion Ebner-Ebenauer. Ähm… Also sie zweifelsohne auch, aber doch in erster Linie die Grünen Veltliner und Ihr 2008 Blanc de Blancs Zero Dosage Sekt. So wie Marion & Ihr Mann Manfred Ihre 2015 Grünen Veltliner Sauberg und Bursting auf die Flasche bringen, stelle ich mir ernsthaft die Frage zum GV-Roboter zu werden. Das würde aber dann jetzt hier in eine falsche Richtung gehen an dieser Stelle. Getoppt wurden Sauberg und Bursting nur noch einmal vom Premium Veltliner 2013 „Black Edition“.

Den fantastischen Gin Aeijst bei Uwe Schiefer schon im Blick bekam ich noch den Hinweis (von einem 99+PP Geheimagenten) mal „den Chardonnay“ beim Weingut Herist zu checken. Da ich sowohl Herist nicht kannte als auch sehr neugierig bin, wenn man schon einen expliziten Hinweis zu einem Wein bekommt, ließ ich mir es nicht nehmen das ganze Angebot durchzuprobieren. 

Der erste Eindruck. Super stylische Etiketten und Verkostungslisten. Ja ich weiss, dass das nichts über die Qualität des Weines aussagt. Nichts? Ich bin mir da nicht so sicher. Klar ist Design nur subjektiv wahrnehmbar aber ich finde es zeigt oft die Passion eines Einzelnen bis ins kleinste Detail. Und so sollte es sein. Wie mir der junge Herist aus dem Südburgenland erzählte hatte er noch im Vorjahr andere Etiketten mit denen er nicht zu frieden war und stellte  das Packaging seines kompletten Sortiments nach nur einem Jahr noch einmal um.

Der zweite Eindruck. Ein junger Mann. Vermutlich Generationenwechsel am Weingut im Gange. Präsentierte mir seine sehr coole, trockene auf’s Terroir fokussierte und puristische Palette an weissen Weinen. Vom Welschriesling über Weissburgunder bis zum Chardonnay. Ja dieser Chardonnay „Quarzit 2013“ war wohl für mich die Entdeckung der Österreich-Halle.

Die anstrengenden aber höchst interessanten Tage endeten mit einem eiskalten Altbier am Hauptbahnhof in Düsseldorf. Ich glaube jeder Besucher der Prowein kennt genau diesen fantastischen Moment. 

Da bleibt mir abschließend nur zu sagen: Schlösser Alt am Hauptbahnhof nach der Prowein: RR 99+

Sekte / Schaumweine (DE+AT), die mir positiv im Gedächtnis geblieben sind:

Rebholz 2010 πNo. Rosé,

Weinreich 2015 Pet Nat,

Barth 2011 Hassel Riesling Brut

von Buhl 2014 Brut Reserve. 

Lauer Riesling Brut Reserve 1991 + 1992

Ebner-Ebenauer  2008 Blanc de Blancs Zero Dosage 

 

Weitere einzelne Weine (DE+AT), die hängen geblieben sind:

Thörle 2015 Probstey Silvaner

Knoll 2015 Riesling Ried Schütt

 

Weitere Gesamt-Kollektionen (DE+AT) die mir positiv im Gedächtnis geblieben sind:

Sankt Annaberg - Pfalz

Oliver Zeter Reserve Weine - Pfalz

Künstler - Rheingau

Reichsrat von Buhl - Pfalz

Freiherr Langwerth von Simmern - Rheingau 

Breuer - Rheingau

Moric - Burgenland 

Lichtenberger Gonzales - Burgenland

 

Chardonnay in Bochum

Mir ist schon klar, das meine Wahlheimat Bochum oder sagen wir ruhig das ganze Ruhrgebiet nicht grade der weintechnische Nabel der Welt ist. Bier-Region sagt man. Aber sind Städte wie Düsseldorf oder Köln nicht eigentlich auch eher für Alt und Kölsch bekannt ? Und trotzdem geht dort in Sachen Wein einiges. Weinbars, Tastings, Messen, Sommelier Stammtische... All das was uns Weinfreaks halt so Spaß macht. Im Pott ist da eher Ebbe. Ausnahmen gibt es immer. Aber die sind rar. Praktizierende Sommeliers sind so selten wie gute Weinkarten und der VDP hat mit seiner Großen Gewächs Tour auch noch nie halt auf Zeche Zollverein gemacht. Aber es muss sie ja geben, die Weinverrückten, in einem mehrere Millionen Menschen Ballungsraum. Doch wie findet man sie ? Wenn man gut vernetzt ist hilft das gute alte Internet. An einen Tisch bekommt man sie dann relativ einfach. Mit Wein. Viel Wein. Am besten mit spannendem und teurem Zeugs, was aber in der Gruppe wieder erschwinglich ist. Natürlich alles unter dem Deckmantel des "Bildungstrinkens". Ich entschied mich für Top Pinot Noir aus dem Burgund und Deutschland. Und siehe da, Ende letzten Jahres saßen elf vinophile Menschen bestehend aus Sommeliers, Köchen, Weinhändlern, Weinakademikern und sogar Winzern zusammen in Bochum und verkosteten, diskutierten und bewerteten was das Zeug hielt. Schnell war klar, dass dies nicht das letzte Treffen dieser Art war.

 

Die Runde fand dann letzte Woche endlich ihre Fortsetzung in gleicher Form, nur war diesmal der Chardonnay das Objekt der Begierde. Dazu gab es noch einen Special Guest. Christian Dautel vom gleichnamigen Weingut in Württemberg. Dieser war am Vorabend für einen Winzerabend bei mir im Restaurant. Da ich um Christians Affinität zum Burgund weiß, fragte ich ihn ob er einen Tag länger bleiben möchte. Er sagte sofort ja.

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Die Verkostung fand in sieben Flights á zwei Weine statt. Es wurde blind verkostet und nach der 100 Punkte Skala bewertet um am Ende einen Sieger zu ermitteln. Im ersten Flight gefiel mir der 2011er Hard von Ziereisen ziehmlich gut. Rough, gerbstoffbetont, viel Apfel und Ananas, guter Zug am Gaumen. (92) Im zweiten Flight hatte wieder ein deutsches Gewächs die Nase vorn. Der 2013er Schlossberg Reserve von Huber aus Malterdingen lies einen Chasagne-Montrachet 1er Cru von Oliver Leflaive ziehmlich alt aussehen. Ordentlich gelbe Früchte und Melone, darüber eine herrlich stinkig-rauchige Note nach etwas verbranntem Gummi. Extrem feiner Holzeinsatz. (94+)

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Als nächstes gab es einen Piraten aus dem Nappa Valley, welcher auch von einigen Verkostern als möglicher Übersee Kandidat entlarvt wurde. Der Kongsgaard Chardonnay hatte aber mit seinen lauten Popcorn, Vanille und Pfirsich Noten dem deutlich stilleren, sehr mineralischen Clos de Schulz vom Weingut Chat Sauvage nicht viel entgegenzusetzen. Der Rheingauer hatte mit seinem schlanken, würzigen Körper einfach mehr Trinkfluss. Einige tippte hier auf Chablis. (92)

 

Apropos, kein Chardonnay Tasting ist komplett, ohne den etwas aus der Mode geratenen Chablis. Als ich die Probe zusammenstellte hatte ich den 2011er Les Preuses Grand Cru sogar als Geheimfavoriten auf dem Zettel. Denn was Winzer Patrick Puize aus dieser Lage rausholt, gefällt mir jedes Jahr sehr gut! Der mineralische und ausgewogene Wein mit seinen saftigen Grapefruit Aromen schaffte es zwar nicht auf Platz eins, war aber ganz vorne mit dabei. (93+)

Dem Chablis gegenüber stellte ich voller hämische Vorfreude einen Wein vom selben Bodentyp, aus einer weltbekannten Weinbau-Gemeinde, aus einem recht bekannten Haus gegenüber... Und trotzdem kam niemand drauf, was es sein könnte. Obwohl die Beschreibungen sehr treffend waren. "Oxi wie Sau!" war zu hören und "Erinnert mich an den Champagnerrest auf dem Nachttisch, wenn ich morgens im Hotelbett aufwache und meinen Nachdurst stille". Aber dass es tatsächlich Champagner seien könnte, dass wagte niemand zu vermuten. Doch genau das war es: 2008er Les Mesnil von Bruno Paillard ist ein Coteaux de Champagnoise, also einer der wenigen Stillweine der Champagne. Es wurden weniger als 600 Flaschen von diesem, im Holz ausgebauten Blanc de Blanc abgefüllt. Sehr trocken mit straffer, zitroniger Säure und dem Duft von Hefe und Apfelkuchen. Nichts was ich nochmal kaufen würde, aber höchst interessant.

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Als nächster Wein folgte ein 2012er Chardonnay -S- aus der Magnum von Christian Dautel. Diesem kam der Wein auch extrem bekannt vor, doch hielt er sich mit einer Aussage schmunzelnd zurück. Weißer Pfeffer, reifer Äpfel und ein leicht dreckiger, erdiger Ton prägen diesen Wein. (92) In den gleichen Flight packte ich, nicht ganz unabsichtlich, den Meursault Clos de Barre von Comtes Lafon aus dem Jahr 2011. Denn Christian hatte mir mal erzählt, dass er dort gearbeitet hatte und die Weine seiner Meinung nach mit die besten der Region seien. Und er sollte recht behalten: Feinster Holzeinsatz, super balanciert mit Noten von rotem Apfel und weißem Pfirsich und einem Minuten langem Finish. Platz eins. (95)


Einen Wein aus dem letzten Flight möchte ich allerdings nicht unerwähnt lassen: 2012 Puiligny-Montrachet Clavoillon 1er Cru der Domaine Leflaive. Dieser Burgunder stach mit seinen Aromen von Feuerstein, Madarinenschale und Brotkruste wirklich heraus. Deutlich zu jung aber mit riesen Potential. (92) Am Ende kann ich nur danke sagen, an alle die dabei waren. Es war ein großer Spaß und ich hab eine Menge über Chardonnay in Deutschland und dem Burgund gelernt ! Im April geht's weiter mit Bordeaux...


Die Punkte in den Klammern ( ) sind meine persönliche, völlig subjektive Bewertung und nicht die durchschnittliche Gesammtbewertung. Es gab keine Freiware oder ähnliche Beeinflussung. Ich habe alle Flaschen beim Händler oder Winzer gekauft.

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Gut Oggau

Oggau ist eine kleine Gemeinde im Burgenland nicht unweit des Neusiedler Sees, mit sehr langer Weinbau Tradition. Keine zehn Jahgänge hat dagegen das gleichnamige Gut Oggau auf dem Buckel. Geführt wird das Gut von Eduard Tscheppe-Eselböck und seiner Frau Stephanie, welche aus einer bekannten Gastronomie Familie stammt. Eduard hingegen ist ein Kind der Reben und hat sein Handwerk in Wien gelernt. Was die beiden eint, ist nicht nur die Liebe zum Wein sondern vor allem zur Natur. Daher war von Anfang an klar, dass die beiden ihre Rebflächen, hauptsächlich Blaufränkisch, Rössler, Grüner Veltliner und Weißburgunder, auf eine biodynamische Bewirtschaftung umstellen. Der Verzicht auf Pestizide im Wingert ist dabei obligatorisch. Statt dessen werden biodynamische Präperate im Weingarten ausgebracht, welche die Pflanzen präventiv gegen Krankheiten oder Pilzbefall schützen und den Boden lebendig halten sollen.  Eduard stellt diese Präperate in der Gruppe mit anderen Winzern und Bauern her. "Das ist auch gut für den Erfahrungsaustausch untereinander", sagt er. Selbiges ist auch ein Grund für die Mitgliedschaft im Demeter Verband. Lernen, Austausch und Weiterentwicklung. "Außerdem ist es leider notwendig für die Glaubwürdigkeit", sagt Eduard. Er würde es lieber sehen, das Betriebe welche Gift spritzen, dieses auf dem Etikett vermerken müssten. Aber so weit sind wir wohl noch nicht.

Doch nicht nur im Weinberg, sondern auch im Keller wird im Gut Oggau eine klare Philosophie verfolgt. Die Philosophie einer sehr ursprünglichen Weinbereitung. Alte Holzfässer, Vergärung mit wilden Hefen und wenn möglich Verzicht auf Schwefelzugabe. So darf ein Wein auch mal eine kleine zweite Gärung auf der Flasche durchmachen, wenn noch etwas Restzucker zur Verfügung stand. Eduard nennt das, den "zweiten Frühling auf der Flasche". Rebsorten und ihre Aromentypizität spielen eher eine untergeordnete Rolle. Spannend müssen Weine für Ed sein und Zug müssen sie haben. Aber auch das Äußere muss passen. So ziert jede Flasche das gezeichnete Konterfeis eines fiktiven Charakters, welcher oder welche die Eigenschaften das entsprechenden Weines besitzt. Seien es Ecken und Kanten, Charisma oder eine unglaubliche Wirkung auf Frauen. Einen ganzen Familienstammbaum haben die beiden schon zusammen.

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Da gibt es zum Beispiel Timotheus aus der "eleganten Elterngeneration", eine Cuvee aus Grünem Veltliner und Weißburgunder. Der 2013er Jahrgang zeigt sich erst verschlossen und etwas reduktiv. Doch nach ein paar Minuten im Glas gibt er dann richtig Gas. Erst duftet er nach Brotkruste, Malz, Koriander Saat und grünen Nüssen, danach kommen auch Apfel und Sternfrucht Aromen durch. Am Gaumen macht Timotheus ordentlich Alarm. Der feine Gerbstoff sorgt für extremen Zug. Ein Wein den man den ganzen Abend durch trinken kann, ohne dass es einem langweilig wird. (89)

Der Vater von Timotheus hört auf den Namen Bertholdi. 100% Blaufränkisch aus den ältesten Weingärten des Gutes. Gepresst mit ca. 200 Jahre alten Baumpressen, dann 2 Jahre in 500 Liter Fässern ausgebaut. Ein in sich ruhender Wein der Zeit braucht, keine fruchtige Alkoholbombe. Der 2011er fängt langsam an sich zu öffnen und zeigt neben Aromen von Brombeer, Weichsel und Blutorange auch etwas Leder und grüne Paprika. Das ganze mit einer unverschämten Länge. (92)

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Die Matriarchin der Familie ist Mechthild, reiner Grüner Veltliner und das Beste was ich bisher von Gut Oggau im Glas hatte. Mirabelle, brauner Apfel, Salbei, Akazienhonig, Hopfen, weisser Pfeffer und geröstete Nüsse sind nur ein kleiner Ausschnitt des Aromenfeuerwerks was da gezündet wird. Am Gaumen sehr dicht, komplex und würzig von harmonischer Säure getragen, aber mit Punch wie die Klitschkos. Nach ein paar Stunden wurde der Wein etwas weicher und im Duft kamen Noten von Zitronenschale und selbstgemachtem Eistee hinzu. Ein großer Wein mit viel Spannung und Potential. (94)

 

Neben dem Familienstammbaum gibt es auch noch einen Brut Nature Sekt, der alles andere als Mainstream ist. Jede der nur 1000 Flaschen ist von dem Österreichischen Künstler Oliver Hölz individuell gestaltet. Der Grundwein besteh aus Pinot Noir welcher ein Jahr im Fass verbracht hat. Nach der zweite Gärung bleibt der Hefetrub in der Flasche. Entweder man dekantiert den Sekt dann, oder trinkt die Hefe einfach mit. So wie ich. So schmeckt das letzte Viertel nochmal komplett anders. Leider habe mir zum Sekt keine Verkostungsnotizen gemacht, sondern einfach nur getrunken. Ein gutes Zeichen. 


Fazit: Eduard ist ein super Typ der Biodynamie lebt und vibrierend lebendige Wein macht und zu einer Bochumer Currywurst nicht nein sagen kann.

Link zum Weingut:

www.gutoggau.com